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Geschichte|Archäologie Gesellschaft|Psychologie

Science veröffentlicht Top Ten der Wissenschaft 2002

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Das renommierte Wissenschaftsmagazin Science der Amerikanischen Gesellschaft für den Fortschritt der Wissenschaft (AAAS) hat die zehn vielversprechendsten und bedeutendsten Forschungsergebnisse des Jahres 2002 gewählt (Bd. 298, S. 2296).

Platz eins belegte die Entdeckung, dass die Transportform unseres Erbguts auch eine wichtige Rolle bei der Regulation der Genaktivität spielt. Lange Zeit glaubten Forscher, dass diese so genannte RNA ausschließlich als Informationsdienst des Erbguts an die körpereigenen Fabriken fungiert, die entsprechende Eiweiße herstellen. Mehrere amerikanische Forschergruppen hatten dieses Jahr über eine besondere Gruppe dieser RNAs berichtet, die verschiedene Prozesse in der Zelle aktiv steuern und kontrollieren.

Auf den zweiten Platz schafften es Forscher des kanadischen Sudbury Neutrino-Observatoriums mit ihrem Nachweis, dass sich Neutrinos auf ihrer Reise von der Sonne zur Erde von einem Neutrinotyp in den anderen verwandeln. Jahrelang hatten sich Wissenschaftler den Kopf darüber zerbrochen, weshalb sehr viel weniger dieser rätselhaftesten aller Teilchen im Universum auf der Erde ankommen als vorhergesagt. Die Entdeckung kann den scheinbaren Schwund dieser Neutrinos erklären.

Die Entschlüsselung des Erbguts der Reispflanze honorierten die Herausgeber der Zeitschrift mit Platz drei, ebenso die des Genoms von Moskito und Malariaerreger. Forscher hoffen, mithilfe dieses Wissens robustere Reispflanzen und neue Medikamente gegen Malaria entwickeln zu können.

Auf dem vierten Platz landeten neue Erkenntnisse über die Entstehung des Universums. Bereits seit einigen Jahren können Wissenschaftler mithilfe besonderer Teleskope Veränderungen in der kosmischen Mikrowellenstrahlung beobachten. Von dieser Hintergrundstrahlung nehmen Forscher an, dass sie ein Überbleibsel aus der Zeit ist, als unser Universum entstand. Im Januar 2003 erwarten Astronomen erste Ergebnisse der Mikrowellen-Anisotropie-Sonde, einem Satelliten der im Weltall kreist und Fluktuationen der kosmischen Hintergrundstrahlung messen kann.

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Den schnellsten „Film“ der Welt plazierte die Jury auf Platz fünf. Holländischen und französischen Physikern gelang es, Elektronen bei ihren Sprüngen zwischen verschiedenen Energieniveaus zu beobachten. Mit sehr kurzen Laserimpulsen konnten die Wissenschaftler jede Attosekunde eine Aufnahme machen. Mithilfe dieser Filme hoffen Atomphysiker, neue Einblicke in das „Innenleben“ eines Atoms zu bekommen.

Dem Geheimnis der Schärfe von Chili und des kühlen Geschmacks von Minze sind Wissenschaftler ein Stück näher gekommen. Auf den sechsten Platz der Top Ten der Wissenschaft schaffte es die Entdeckung besonderer Ionenkanäle in der Haut und auf der Zunge. Manche dieser Proteine reagieren auf chemische Inhaltstoffe wie beispielsweise Capsaicin aus der Chilischote, oder Menthol aus der Minze genauso wie auf Temperaturänderungen. Die Wissenschaftler vermuten, dass darin die Lösung liegen könnte, warum manche scharfen Gewürze als heiß und Pfefferminzkaugummi beispielsweise als kühl empfunden wird.

Die ersten dreidimensionalen Bilder von den Abläufen in Zellen und deren Bestandteile wie die Mitochondrien und den Golgi-Apparat, belohnte die Herausgeber mit dem siebten Platz. Mithilfe der so genannten Kryoelektronentomographie verschafften sich Biochemiker einen ersten Eindruck über die inneren Bestandteile von Zellen. Ähnlich wie bei der Computertomographie, nimmt das Gerät mit Elektronenstrahlen ein zweidimensionales Bild auf, die ein Computer später in ein dreidimensionales Bild umrechnet.

Der achte Platz ging an eine neue Technik aus der Astronomie, mit deren Hilfe das bisher schärfste Bild unserer Milchstraße gelungen ist. Durch die so genannte adaptive Optik war es möglich, die störenden Effekte der Erdatmosphäre buchstäblich weg zu radieren und klarere Sicht auf die Milchstraße zu bekommen. Flexible und sehr dünne Spiegel wurden an den großen Teleskopen der W. M. Keck Sternwarte auf Hawaii und des Observatoriums in Chile befestigt. Damit konnten Astronomen das Innere der Milchstraße, aber auch eine Vulkanexplosion auf dem Jupitermond Io beobachten.

Den neunten Platz vergab die Jury an die Entdeckung einer neuen Eigenschaft bestimmter Nervenzellen in der Netzhaut von Säugetieren. Das besondere dieser Gruppe von Ganglienzellen ist, dass sie das Pigment Melanopsin enthalten und im Gegensatz zu den anderen Ganglienzellen in der Retina selbst auf Licht ansprechen. Zudem fanden die Wissenschaftler heraus, dass genau diese Zellen in Gehirnbereiche projizieren, die mit der inneren Uhr in Verbindung gebracht werden. Bei Mäusen, denen das Pigment fehlte, stellte sich die innere Uhr nicht nach dem Licht. Daher vermuten die Forscher, dass Melanopsin das einfallende Licht ins Auge einfängt und das Signal weiterleitet (Bd. 298, S. 2211).

Den zehnten Platz belegte der Fund des bisher ältesten bekannten menschlichen Vorfahrens in Westafrika. Wissenschaftler aus Frankreich und dem Tschad fanden den Schädel eines Primaten der vor sechs bis sieben Millionen Jahren gelebt haben soll. Damit könnte eine weitere Lücke am Beginn der Entwicklung des Menschen geschlossen werden. Doch auch der Fundort versetzte die Fachwelt in Erstaunen – wurde doch bisher angenommen, dass die Wiege der Menschheit in Ostafrika liege. Die Forscher hatten unseren Vorfahren auf den Namen „Toumai“ getauft, was soviel bedeutet wie „Hoffnung des Lebens“. Toumai hatte ein Gehirn wie ein Schimpanse, und sein Kiefer wies große Schneidezähne auf.

Als „Flop des Jahres“ sieht Science die Betrugsaffären um die Physiker Hendrik Schön vom Bell Laboratorium in Murray Hill (USA) und Victor Ninov, der im Lauwrence Berkeley National Laboratorium in Kalifornien (USA) arbeitete. Beide Wissenschaftler hatten Forschungsergebnisse gefälscht und sich dadurch Veröffentlichungen in renommierten Fachzeitschriften erschlichen.

Teresa Baethmann
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