Seidenstraße: Infektionskrankheiten auf Reisen - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Seidenstraße: Infektionskrankheiten auf Reisen

Diese Hygiene-Stäbchen waren einst mit Stoff umwickelt und erfüllten den Zweck von Toilettenpapier. (Credit: Hui-Yuan Yeh. Reproduced from the Journal of Archaeological Science: Reports.)

In den Überresten einer Latrine im Nordwesten Chinas haben Archäologen erstmals direkte Beweise dafür entdeckt, dass Reisende auf der Seidenstraße Infektionskrankheiten über Tausende von Kilometern hinweg verschleppten: Sie fanden Eier von parasitären Würmern an Hygiene-Stöckchen, die vor etwa 2.000 Jahren den Zweck von Toilettenpapier erfüllten. Das nächstgelegene Verbreitungsgebiet der Würmer war mindesten 1500 Kilometer weit entfernt, berichten die Archäologen.

Bei dem Fundort handelt es sich um die Überbleibsel einer Latrine, die einst zu einer Raststation der Seidenstraße im Bereich der Taklamakan-Wüste gehörte. Den Datierungen zufolge wurde die Latrine im Zeitraum von 111 v. Chr. bis 109 n. Chr genutzt. Bei den Funden handelt es sich um Holzstöchen, die einst mit Stoff umwickelt waren. Damit säuberten sich die Menschen damals nach dem Toilettengang. An manchen dieser Hygiene-Stöckchen fanden die Archäologen um Hui-Yuan Yeh von der University of Cambridge noch Kotreste, die sie mikroskopisch untersuchten.

Parasiten mit Entfernungsinformationen

So stießen sie auf die Eier von parasitären Würmern, welche die Reisenden offenbar einst geplagt haben. Unter ihnen waren auch die Eier des Chinesischen Leberegels (Clonorchis sinensis), der Unterleibsschmerzen, Durchfall und sogar Leberkrebs verursachen kann. Es handelt sich heutzutage um die weltweit dritthäufigste Wurmerkrankung. Das besondere im Fall des Fundortes ist: Befallene Menschen konnten den Wurm nicht in dieser trockenen Region aufgeschnappt haben. Der Chinesische Leberegel benötigt für seinen vollen Lebenszyklus Wasserlebewesen, die nur in sumpfigen Gebieten vorkommen. Das nächste Verbreitungsgebiet des Leberegels war damals wie heute etwa 1500 Kilometer von der Latrine entfernt. Wirklich häufig kommt er sogar nur in mindestens 2000 Kilometern Entfernung vor, berichten die Archäologen.

Ihnen zufolge zeichnet sich somit ab: Mit diesem Parasiten infizierte Reisende müssen auf der Seidenstraße enorme Strecken zurückgelegt haben. „Unsere Studie bietet erstmals archäologische Beweise von einem Ort der Seidenstraße, die belegen, dass Reisende Infektionskrankheiten über große Entfernungen mit sich trugen“, resümiert Hui-Yuan Yeh das Ergebnis. Man ging bereits davon aus, dass Krankheiten wie die Pest, Lepra oder Milzbrand über die Seidenstraße von Ost nach West und umgekehrt gelangt sind. Bei dem aktuellen Studienergebnis handelt es sich nun allerdings um den ersten konkreten Beweis für die Rolle der Seidenstraße bei der Verbreitung von Infektionskrankheiten.

Quelle: University of Cambridge
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