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Geschichte+Archäologie

Seit Urzeiten prägt der Mensch die Tropenwälder

Reste alter Bauwerke ragen aus dem Topenwald bei Polonnaruwa auf Sri Lanka. (Foto: Patrick Roberts)

Von wegen Tropenwälder waren vor der Moderne noch unberührte Naturgebiete: Die Besiedlung und Beeinflussung dieser Gebiete durch den Menschen reichen mindestens schon 45.000 Jahre zurück, berichten Forscher. Seit Urzeiten prägen Menschen demnach schon durch Techniken, wie Brandrodung, Pflanzen- und Tiermanagement bis hin zum Kahlschlag die Tropenwälder der Erde.

Ein globaler Eindruck war das Ziel: Während sich frühere Untersuchungen mit der Geschichte spezieller Waldregionen und Ökosysteme beschäftigt haben, hat nun ein internationales Forscherteam erstmals die Geschichte des menschlichen Einflusses auf die Tropenwälder in seinen Grundzügen dokumentiert. Die Wissenschaftler um Patrick Roberts vom Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte haben dazu Daten aus aller Welt zusammengetragen und systematisch ausgewertet. Ihnen zufolge zeichnen sich grundlegend drei Phasen der menschlichen Einwirkung auf die Tropenwälder ab, die der Abfolge der wichtigsten Kulturstufen entsprechen: Jäger- und Sammlerkulturen, kleinformatige Landwirtschaftliche Kulturen und große urbane Zivilisationen.

Uralte Signatur des Menschen

Anfangs waren die Beeinflussungen gering, könnte man meinen – doch offenbar war das nicht unbedingt der Fall, wie die Forscher berichten. Demnach haben bereits die ersten modernen Menschen vor etwa 45.000 Jahren als Jäger und Sammler ganze Tropenwaldgebiete brandgerodet. Insbesondere in Südostasien war dies der Fall und auch in Australien sowie Neuguinea gibt es Belege für das strategische Abbrennen. Wie die Forscher erklären, war die Absicht der Menschen dabei, mehr Waldrand zu schaffen. Dies förderte die Verfügbarkeit von Tieren und Pflanzen, die den Jägern und Sammlern als Nahrung dienten.

Es gibt Vermutungen, dass diese systematischen Brandrodungen einen Domino-Effekt ausgelöst haben: Möglicherweise waren sie mitverantwortlich für das Aussterben der in den Wäldern lebenden Großtiere am Ende der Eiszeit. Das Verschwinden von Riesenfaultier, Waldmastodon und Co. könnte dann wiederum erneut erhebliche Auswirkungen auf die Merkmale der Wälder gehabt haben. Denn die Fortpflanzungsstrategien einiger Pflanzen basierten auf der Verbreitung durch die Vertreter der Megafauna. Letztlich wäre dann auch in diesem Fall der Mensch schon sehr früh der Auslöser für einen erheblichen Wandel in den Wäldern gewesen.

Lehren für Gegenwart und Zukunft

Wie die Forscher berichten, stammen die frühesten Nachweise für landwirtschaftliche Aktivitäten in den Tropenwäldern aus Neuguinea. Dort bauen Menschen seit vor etwa 10.000 Jahren Yamswurzeln, Taro-Knollen und Bananen im Wald an und ergänzten ihren Speiseplan durch Jagd. „Die Gemeinschaften, die diese Lebensräume zu nutzen begannen, traten aber zunächst nur in geringer Bevölkerungsdichte auf. Und sie haben offensichtlich ihr Auskommen mit Systemen gefunden, die auf die jeweilige Umgebung abgestimmt waren“, sagt Co-Autor Chris Hunt von der Liverpool John Moores University.

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Umweltschäden wie etwa durch Erosion kamen dann erst im Zuge der intensiveren Formen der Landwirtschaft auf: In Südostasien wurden riesige Waldflächen abgebrannt und kahlgeschlagen, als dort vor etwa 4000 Jahren der Reis- und Hirseanbau Einzug hielt. Bis heute hält diese problematische Tradition an: Nun verursacht vor allem die große Nachfrage nach Palmöl enorme Schäden: Tropenwäldern werden zunehmend in Palmplantagen verwandelt.

Was die Geschichte der Entwicklung von Stadtkulturen in Tropenwald-Regionen betrifft betonen die Forscher: Entdeckungen durch moderne Verfahren zeigen immer deutlicher, dass es alten Völker in diesen Lebensräumen einst gelungen ist, riesige Siedlungen zu schaffen, die teilweise auch erstaunlich lange Bestand hatten. „Tatsächlich haben umfassende Siedlungsnetzwerke in den Tropenwäldern von Amazonien, Südostasien und Mesoamerika wohl um ein Vielfaches länger bestanden, als es in jüngerer Zeit industrielle und städtische Ansiedlungen der modernen Welt in diesen Umgebungen gibt“, sagt Roberts.

Daraus wie diese alten urbanen Zentren mit den Umweltherausforderungen umgegangen sind, lassen sich wichtige Lehren und Warnungen für die Gegenwart ableiten, sagen die Forscher: Das Verständnis der archäologischen Geschichte der Tropenwälder könnte wertvolle Informationen für die modernen Waldschutzmethoden liefern, sind sie überzeugt.

Quelle: Max-Planck-Gesellschaft
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