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Geschichte|Archäologie

Seit wann gibt es Fotografen?

Symbolbild Fotografin
© pixabay.com, SplitShire (CC0 Creative Commons)

Fotografinnen und Fotografen gibt es heute wie Sand am Meer. Von spezialisierten Studios für Objekt- oder Portraitfotografie über Fotojournalisten und Hobbyfotografen ist alles dabei. Um Fotograf werden zu können, gilt es, spezielle Voraussetzungen zu erfüllen und eine Ausbildung zu absolvieren. Das Berufsbild des Fotografen gibt es bereits seit mehr als 100 Jahren. Wir zeigen, wie sich das Berufsbild entwickelt und im Laufe der Jahre verändert hat.

Im 19. Jahrhundert entstand die erste Fotografie

Abbildungen von Dingen und Menschen sind so alt wie die Menschheit. Wo früher gemalt und gezeichnet wurde, gab es ab dem frühen 19. Jahrhundert einen neuen Trend: Die Fotografie. Der Franzose Joseph Nicéphore Niépce erstellte 1826 das allererste Foto. Die Belichtungszeit betrug acht Stunden und das Foto wurde auf einer Zinnplatte abgebildet, die mit Asphalt beschichtet war. Das Motiv zeigte den Ausblick aus Niépces Arbeitszimmer. Aufgrund der Belichtungszeit sehen die Gebäude am linken und rechten Bildrand etwas stärker belichtet aus, als sie es tatsächlich waren. Heute ist auf der Original-Fotografie leider nur wenig zu erkennen, deshalb gibt es eine Reproduktion von Kodak, die das Bild deutlicher darstellt.

Das Original und seine Reproduktion sind heute im Harry Ransom Center an der University of Texas zu sehen. Im Rahmen der Ausstellung „The Niépce Heliograph“ zeigt die Universität frühe Fotografien des Franzosen. Niépce selbst war kein Fotograf, sondern Erfinder. Als der ebenfalls französische Maler Louis Jaqcues Mandé Daguerre von der Fotografie hörte, tat er sich mit Niépce zusammen und entwickelte die Technik weiter, um die Belichtungszeit massiv zu verkürzen und so realitätsgetreuere Fotografien herzustellen.

Seit 1841 trat die Fotografie in Deutschland ihren Siegeszug an

Nach Niépces Durchbruch verbreitete sich die Fotografie in Europa. Bereits 1841 eröffnete Hermann Biow ein Atelier in Hamburg. Auf der Frankfurter Nationalversammlung war er es, der Fotografien von Mitgliedern und Bürgern anfertigte. Zu seinen Modellen gehörten unter anderem Alexander von Humboldt oder Friedrich Wilhelm IV. Ab 1915 war es hierzulande möglich, konkurrenzfähige Rollfilme zu erwerben und zu nutzen. In der Werkbund-Ausstellung in Stuttgart fanden sich zahlreiche Ausstellungsstücke internationaler Fotografie-Künstler. Ab diesem Zeitpunkt war es erstmals möglich, lokale Fotografen mit Auftragsarbeiten zu beauftragen. Heute hingegen gibt es Fotostudios an jeder Ecke. Interessierte finden unter folgendem Link beispielsweise eine Auflistung der Fotografen in Münster.

Öffentliche Aufmerksamkeit erlangte die Fotografie hierzulande ab etwa 1929. Die Werkbund-Ausstellung „Film und Foto“ in Stuttgart zeigte Fotografien von namhaften internationalen Künstlern wie Edward Weston oder Imogen Cunningham. Immer mehr Menschen interessierten sich für das Berufsbild des Fotografen, sodass sich die Kunst mehr und mehr etablierte.

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Fotografie als eigene Kunstgattung

Im späten 19. Und frühen 20. Jahrhundert wurde die Fotografie immer mehr zur nennenswerten Konkurrenz der Malerei. Viele Künstler sahen Fotografen in dieser Zeit als minderwertig an. Dennoch setzte sich die Fotografie gegenüber der Portraitmalerei nach und nach durch. Zunächst zeigte sich dieser Prozess darin, dass immer mehr Maler die Fotografie in ihre Arbeiten und ihren Arbeitsprozess integrierten.

In den 1950er- und 1960er-Jahren gab es zahlreiche internationale Kunstausstellungen, die Fotografie zeigten. Im Zuge dessen gründete sich die Agentur Magnum Photos, die Fotografen in ihr Portfolio aufnahm. Nicht nur in Vernissagen und Museen fanden Fotografien immer mehr Anklang, auch in den Massenmedien fanden sich immer häufiger Fotos. Die Kunst wurde alltagstauglich und erreichte auch die normalen Bürger.

Bis heute hat die künstlerische Fotografie als Subkategorie große Bedeutung. Während die Fotografie früher die Malerei imitieren wollte, nutzten Fotografen im Laufe der Zeit moderne Mittel, um ihren Kunstwerken etwas Außergewöhnliches zu verleihen. Besondere Aufmerksamkeit verdient in diesem Bereich die Fotoreihe „Kleid aus Licht“ des deutschen Fotografen Heinrich Heidersberger. Die Reihe wurde für den neu gegründeten Stern angefertigt und zeigt Aktfotografien von Frauen. Das Besondere: Mit Licht- und Schatteneffekten wurden Muster auf die Haut der Frauen gezeichnet, die so das namensgebende Kleid aus Licht trugen.

Zu Beginn gab es ausschließlich feste Studios

Da die Kameraausrüstungen in den Anfängen des Berufsbildes sehr schwer waren, waren die meisten Fotografen früher klassisch im Studio tätig. Vor allem Portrait- und Aktfotografen arbeiteten in eigenen Räumlichkeiten und nutzen die dortigen Gegebenheiten. Mit der Entwicklung der Kleinbildkamera war es ab rund 1930 möglich, auch unterwegs Fotos zu schießen. Dennoch arbeiten professionelle Fotografen bis heute mit großen Kamera-Modellen, die hochqualitative Bilder anfertigen können.

Wissenschaft und Mode gehen Hand in Hand

Das Berufsbild des Fotografen teilte sich schon früh in zahlreiche Subkategorien. Noch heute gehört es zur Ausbildung zum Fotografen, sich auf eines oder mehrere Anwendungsgebiete zu spezialisieren. Die Übergänge sind dabei fließend und die grundsätzlichen, theoretischen Vorkenntnisse ähneln sich selbstverständlich. Grundsätzlich wurden bereits zu Beginn der Etablierung des Berufsbildes folgende Varianten unterschieden:

  • Portraitfotografie
  • Aktfotografie
  • Künstlerische Fotografie
  • Landschaftsfotografie
  • Architekturfotografie
  • Bildjournalismus / Fotojournalismus
  • Dokumentarfotografie
  • Modefotografie
  • Luftfotografie
  • Wissenschaftsfotografie

Die Luftfotografie ist der mitunter modernste Zweig und in der Forschung nicht mehr wegzudenken. Hierbei spüren Fotografen verschüttete Ruinen und Denkmäler auf und dokumentieren die archäologische Arbeit an den Ruinen sowie den Prozess der Restauration. Ähnlich wie die klassische Wissenschaftsfotografie, die in der Raumfahrt eine wichtige Rolle spielt, ist auch die Luftfotografie ein Bereich, der für die Forschung unerlässlich ist.

Heute werden Bilder wie am Fließband produziert

Die Digitalisierung der Fotografie im Verlauf des 20. und 21. Jahrhunderts hat dafür gesorgt, dass Bilder wie am Fließband produziert werden können. Die Digitalisierung hat für die Bildbearbeitung massive Vorteile mit sich gebracht. So ist es dank moderner Software möglich, Bilder am Computer mit wenigen Klicks in die richtige Form und Farbe zu bringen. Gleichzeitig lassen sich Abzüge immer wieder in unterschiedlichen Größen erstellen und die Bildqualität ist gut wie nie. Auf der anderen Seite führte die Digitalisierung zu einer Art Massenproduktion. Früher ließen Hobbyfotografen ihre Bilder entwickeln und warteten teilweise mehrere Wochen darauf, zu erfahren, ob alle Urlaubsbilder scharf und richtig belichtet sind. Heute reicht ein Blick auf das Display des Smartphones oder der Spiegelreflexkamera, um die Fotos anzusehen. Viele Menschen machen sich nicht einmal mehr die Mühe, ihre Fotos in ein Album zu bringen.

Für Hobbyfotografen geht es oft eher um die Quantität, während professionelle Fotografen nach wie vor Wert auf Qualität legen. Um die Natürlichkeit von Schnappschüssen mit dem Smartphone auch auf der großen Kamera einzufangen, haben sich viele Fotografen heute auf Alltagsfotografie spezialisiert. Das zeigt: Das Berufsbild des Fotografen gibt es zwar schon seit mehr als 100 Jahren, dennoch entwickelt es sich immer weiter und wächst an den neuen Herausforderungen unserer Zeit.

15.11.2022

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