Sinn und Zweck der Kleidung - früher und heute - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Geschichte+Archäologie

Sinn und Zweck der Kleidung – früher und heute

Toga mit Purpurstreifen
Die purpurroten Streifen auf der Toga eines Römers grenzten ihn von anderen Bürgern ab. Auch wenn Kleidung heute anders aussieht, erfüllt sie ähnliche Zwecke. (Foto: fotolia, asferico)
Die Geschichte der Kleidung des Menschen beginnt im Grunde mit der Geschichte des Menschen auf der Erde selbst. Denn bereits vor tausenden von Jahren war er ähnlichen Umwelteinflüssen ausgesetzt, wie heute. Um sich vor Regen, Kälte, Schnee, aber auch zu starker Sonne zu schützen, erfand er simple Kleidungsstücke, die er wie eine zweite Haut um den Körper trug. Die Art und Weise, wie die Menschen Kleidung tragen hat sich dabei stets verändert. Sie diente bald nicht mehr nur als Schutz, sondern erfüllte auch diverse andere Zwecke.

Warum sich die Kleidung stets verändert

Anfangs dienten Kleidungsstücke wohl tatsächlich allein dem Schutz vor starken Umwelteinflüssen. Nur mit dicken und kaum bearbeiteten Tierfellen konnten sich die Neandertaler gegen die enorme Kälte der Eiszeit schützen. Einige zehntausend Jahre später, während der Steinzeit, wurden auch Pflanzenfasern oder Baumrinden verwendet und mitunter mit Fellen kombiniert, um praktischere Kleidung zu schaffen. Bereits zu dieser Zeit, also vor ungefähr 35.000 Jahren, schien Kleidung nicht mehr alleine einen praktischen Nutzen zu haben.

Denn mit der langsamen, aber stetigen kulturellen und sozialen Entwicklung des Menschen, stiegen auch dessen Bedürfnisse und Ausdrucksformen. Die unterschiedlichen Schnitte, Farben und Muster früher Kleidung zeigen, dass die einzelnen Stücke schon nicht mehr nur den Körper schützen, sondern ihn auch schmücken sollten – mitunter diente ein besonderes Fell oder die Kette mit den Zähnen eines seltenen Tieres als Auszeichnung, eventuell signalisierte sie die Stellung in der Gruppe oder einer Familie.

Spätestens mit der Erfindung der Nähnadel dann, die anfangs noch aus Tierknochen gefertigt wurde, machte die Kleidung noch einmal bedeutende Fortschritte. Raffinessen, wie Gürtel, Hüte und Knöpfe, die lange nicht mehr nur der Nützlichkeit dienten, entstanden. Die Ägypter, so vermutet man, begannen bereits zwischen 4.000 und 3.000 v.Chr. zu weben und zu spinnen.

Ursprünge des Begriffs „Mode“

Seit etwa dem 15. Jahrhundert entwickelte sich in Frankreich schließlich der Ausdruck der „Mode“ für eine bestimmte Kleidungsform, die immer ihre Aktualität betonte. Die neuste Mode wird immer durch die Silhouette, die Farbe sowie die Materialien bestimmt. Und so ist es bis heute. Von Jahr zu Jahr wechseln sich diese drei Merkmale ab, wobei sich Moden immer wieder auch wiederholen oder leicht variiert wiederkehren.

Anzeige

So lange sich gesellschaftliche Schichten voneinander abgrenzen (wollen) und Menschen Schönheitsidealen nacheifern oder der Kraft der Mode nicht widerstehen können, wird sich die Kleidung auch immer weiterentwickeln. Hinzu kommen strengere ethische Standards, die in Zeiten einer immer aktueller werdenden Klimaerwärmung und Ressourcenknappheit, auch die Erfindung neuer Materialien für Kleidungsstücke hervorbringen.

Der aktuelle Stand von Kleidung und Mode

Da das bewusste Kleiden heutzutage alltäglich ist, lässt sich längst nicht mehr von einer bestimmten Mode sprechen, die sich über alle Länder oder gar Generationen erstreckt. Beinahe hat man das Gefühl, jede Altersgruppe hat ihre eigenen Trends und Stile, jede Stadt ihre Besonderheiten.

Eine genaue Analyse der aktuellen Mode ist schwierig, da diese sich inzwischen unglaublich schnell verändert und bei einer Beurteilung und dem Erklärungsversuch, warum sich wo genau welche Art von Kleidung durchsetzen kann, vermutlich schon längst wieder überholt wäre. Zahlreiche Faktoren beeinflussen die Mode heutzutage.

Deutlich beobachten lässt sich aber in Zeiten der Digitalisierung und der Möglichkeiten, sich über das Internet schnell auszutauschen, die Tendenz in Richtung bestimmter Szenen, in denen ein eigener Kleidungskodex herrscht.

Von Szenen, Influencern und der Mode

Subkulturen, wie beispielsweise bestimmte Musikgenres, um die herum sich Szenen bilden, können das Internet hervorragend nutzen. Seit jeher grenzt sich eine Subkultur gegen die andere ab – sei es durch ihre Umgangsformen untereinander, durch bestimmte Verhaltensweisen in der Öffentlichkeit oder durch Äußerlichkeiten, wie eben die Kleidung.

Bestimmte Moden im Bereich des Hip-Hops beispielsweise, haben sich seit Beginn immer wieder verändert. Vom skurrilen Look eines Grandmaster Flash über die heute allgegenwärtigen – damals noch besonderen Sportoutfits bis hin zum Style der Pimps mit schweren Goldketten und Pelzjacken. Gerade die Sportmode fand ihren Weg von den Subkulturen in die Mitte der Gesellschaft, wo sie heute als Casual Wear kaum noch wegzudenken ist.

Mit dem Internet haben die Subkulturen die perfekte Plattform zur Repräsentation gefunden: Neue Trends werden heute über soziale Medien oder Videoplattformen wie YouTube innerhalb kürzester Zeit verbreitet. Konnte man früher seine Idole nur auf Plattencovern, Magazinen oder später im Musikfernsehen betrachten, geht dies auf digitalem Weg nun schneller.

Jeder hat von überall aus mit einem Internetzugang die Möglichkeit sich permanent und sofort zu informieren, wer nun wo was getragen hat und welches Kleidungsstück der neuste Hype in der Szene ist. Wer Farbe zeigen möchte und sich seiner Szene entsprechend bekennend uniformieren will, kauft die Kleidung seiner Idole nach.

Noch drastischer lässt sich diese Tendenz im Bereich der sogenannten „Influencer“ beobachten – Personen, mit starker Präsenz und hohem Ansehen in den sozialen Netzwerken, die eine oft noch deutlich größere Anzahl an Personen erreichen, als Vertreter einer bestimmten Subkultur. Da sie teilweise eine ebensolche enorme Reichweite besitzen, bietet es sich für diverse Unternehmen an, von diesem Potenzial Gebrauch zu machen und mittels der Influencer für Werbung und Vermarktung zu sorgen.

Hersteller als Trendsetter

Bestimmte Moden und Trends werden somit letztlich sogar von einigen Unternehmen selbst produziert. Deren Interesse besteht im Grunde einzig und allein darin, jedes Jahr neue Kleidung verkaufen zu können. Diese ständig wechselnde Mode, auch Fast Fashion genannt, zeichnet sich durch deutlich mehr Kollektionen pro Jahr aus, die an den Mann oder die Frau gebracht werden sollen. Dies steht einem gegenläufigen und aktuellen Trend, der Slow Fashion gegenüber, die in Zukunft wohl noch deutlicher an Bedeutung gewinnen wird.

Der Markt für Fast Fashion

Der Großteil der heute produzierten und getragenen Kleidung weltweit lässt sich immer noch als Fast Fashion bezeichnen. Es handelt sich dabei um Mode, die meist kurz nachdem sie auf bestimmten Modeschauen in Ländern, wie Paris oder New York oder eben in Videos diverser Influencer im Internet gezeigt wurde, in den Modehäusern rund um die Welt erscheint. Sie ist dafür vorgesehen, so schnell, wie möglich wieder aus den Schaufenstern zu verschwinden und bei den Konsumenten und Käufern im Kleiderschrank zu landen.

Jährlich werden dafür unzählige Kollektionen produziert, welche die Nachfrage ankurbeln und Trend nach Trend verbreiten sollen. Die meisten Konsumenten folgen dieser Vorgehensweise der Industrie, indem sie ständig neue Kleidung nachkaufen. Um sich das leisten zu können, darf die Kleidung allerdings auch einen gewissen Preis nicht übersteigen. Um dies möglich zu machen, können Unternehmen nur in einer bestimmten Qualität produzieren – sonst lohnt es sich für sie nicht.

Kritik an Fast Fashion

Fast Fashion steht immer wieder stark in der Kritik, da sie zum Leid vieler Angestellter aus Schwellenländern stattfindet. Auch diese werden schlecht bezahlt, wenn die Kleidung in den Industrieländern günstig sein soll. Doch auch viele Konsumenten leiden letztlich unter der Ideologie des ständigen Wegwerfens und Neukaufens, würde sich doch eine Investition in teurere Kleidung, die dafür nicht so schnell kaputtgeht, deutlich mehr lohnen.

Chemikalien, die bei der Produktion billiger Kleidung oft verwendet wird, um diese hochwertiger aussehen zu lassen, schaden außerdem der Gesundheit der Produzenten und der Träger. So können Kleidungsstücke etwa durch das enthaltene Formaldehyd Kontaktallergien auslösen, die in Einzelfällen zu Atemwegserkrankungen und anderen Beschwerden führen kann.

Slow Fashion als Gegenbewegung

Seit Längerem gibt es aus oben aufgeführten Gründen eine Art Gegenbewegung zur Fast Fashion, die Slow Fashion, der es darum geht, die Textilproduktion zu verlangsamen und die Arbeitsbedingungen aller Beteiligter nachhaltig zu verbessern. Kleidung soll wieder mehr ihrem ursprünglichen Zweck dienen und den Körper gegen Umwelteinflüsse schützen, wobei die Qualität und Nachhaltigkeit im Vordergrund stehen.

Außerdem soll der Produktionsprozess transparent sein – auch der Käufer soll genau wissen, wo die Kleidung herkommt, was in ihr enthalten ist und wer sie wie produziert hat. Dass darunter das Aussehen der Kleidung leiden muss, ist nicht gesagt. Meistens unterscheidet sie sich nur im Preis, da die Materialien hochwertiger sind und die Produzenten angemessener bezahlt werden. Im Vergleich zu Luxusmarken stellt Slow Fashion in der Regel aber immer noch eine extrem günstige Alternative zu herkömmlicher Fast Fashion dar.

Selbst große Modeketten springen langsam auf diesen Zug auf, das sich die Haltung der Konsumenten zunehmend in diese Richtung ändert. Zwar muss genau hingeschaut werden, ob dort, wo nachhaltig draufsteht, auch wirklich nachhaltig drin ist – aber dennoch scheint sich langsam ein Wandel in der Modebranche abzuzeichnen. Das lässt sich auch, was die verwendeten Materialien angeht, beobachten.

Nachhaltige Mode aus ungewöhnlichen Materialien

Knapp 7,5 Milliarden Menschen leben derzeit auf der Erde und bis Ende des Jahrhunderts könnten es mehr als 11 Milliarden sein. Diese müssen nicht nur mit genügend Lebensmitteln, sondern eben auch mit Kleidung versorgt werden. Deren Produktion verbraucht eine Menge Ressourcen, die teilweise jetzt schon knapp werden. Obwohl die Baumwollproduktion weltweit noch immer steigt, nimmt der Anteil der Baumwolle für die Verwendung am Fasermarkt langsam aber sicher ab.

Auch Polyester ist für viele Menschen keine Option mehr, stattdessen wird immer häufiger auf alternative Materialien zurückgegriffen. Da auch das Erdöl als Basis für Chemiefasern immer knapper wird und deren Preise daher weiter steigen werden, sind natürlichere Materialien auf dem Vormarsch. Auch für Unterwäsche scheinen diese vielen Konsumenten inzwischen angemessener, als Kunstfasern.

Die Zukunft der Mode und Kleidung im Allgemeinen sieht daher natürlicher und oft sogar auch vegan aus. Diverse Fasern aus nachwachsenden Naturstoffen haben das Potenzial, die Baumwolle bald schon von ihrem Platz zu verdrängen. Besonders interessant für die Kleidungsindustrie sind dabei folgende Stoffe:

  • Lyocell (ein Stoff aus Eukalyptus- oder Buchenholz)
  • Flachs
  • Hanf
  • Bambus
  • Maisabfälle
  • Zucker

Immer mehr Alternativen zu Chemiefasern

Bereits in den 30er Jahren gab es die Idee, aus Milch Kleidung zu fertigen, wobei dabei noch eine Menge Chemie im Einsatz war. Aktuellere Ansätze versuchen eine rein natürliche Milchfaser zu entwickeln, um vor allem auch den Trägerinnen und Trägern der fertigen Kleidungsstücke etwas Gutes zu tun. Denn gerade für Allergiker könnte der reizarme und angenehme Stoff dann interessant sein.

Dass sich in näherer Zukunft noch mehr vergleichbare Alternativen zu herkömmlichen Stoffen etablieren werden, ist nicht unwahrscheinlich. Wann und in welchem Maße Chemiefasern aber abgelöst werden, bleibt abzuwarten. Dass Moden und Kleidungsstücke aber schon immer im Wandel waren und jedes Zeitalter seine eigenen Trends hatte und immer haben wird, zeigt ein Blick auf die verschiedenen Epochen.

Auch Zucker ist ein ungewöhnlicher Rohstoff für Textilien, könnte sich aufgrund des Zellulosegehalts jedoch ebenfalls zu einer Alternative etablieren.

Die Geschichte der Kleidung in Epochen

Am Anfang war das Fell

Bereits die ersten menschlichen Vorfahren mussten zu einer „zweiten Haut“, also zu einer ersten provisorischen Kleidung greifen, die sie vor allem gegen die grausamen Temperaturen während der Eiszeit schützte. Zwar kannte etwa der homo erectus, der vor etwa 1,85 Mio. Jahren und bis vor ca. 40.000 Jahren lebte und als „der erste aufrechtgehende Mensch“ gilt, die Nähnadel noch nicht, doch war er in der Lage mit einer sogenannten Ahle Löcher in Felle zu bohren, um diese mit Lederbändeln oder mit Sehnen von Tieren zusammenzuhalten.

Über die Kleidung aus damaliger Zeit ist natürlich deutlich weniger zu sagen, als über die Kleidung anderer Epochen, weil Kleiderfunde solch alter Stücke recht selten und ein echter Glücksfall sind.

Ötzi, der in der Jungsteinzeit lebte und 1991 gefunden wurde, lieferte zumindest ein etwas ausführlicheres Beispiel. Forscher konnten anhand von Genanalysen der erhaltenen Leder- und Fellstücke herausfinden, dass Ötzis Ausstattung aus einer Kombination von mindestens fünf verschiedenen Tierarten hergestellt war:

  • Ziege
  • Schaf
  • Rind
  • Braunbär
  • Reh

Während Jacke und „Leggings“ aus Teilen der Nutztiere Ziege, Schaf und Rind bestanden, hatte Ötzi Braunbärfell für seine Mütze und Rehleder für den Köcher verwendet.

Kleidung aus der Altsteinzeit hingegen ist weniger genau überliefert. Es wird vermutet, dass Überbekleidung hauptsächlich aus Rentierfell bestand, da Rentiere das Hauptbeutetier des Eiszeitmenschen waren. Da Biber eines der dichtesten Felle in der Tierwelt besitzen, könnte auch Biberfell zum Einsatz gekommen sein.

Individualität und Abgrenzung in der Antike

Im alten Ägypten herrschten milde Klimabedingungen sowie ein offener Umgang mit Nacktheit, weshalb die meisten Ägypter nur sehr spärlich bekleidet waren. Die Kleidung war leicht und wurde aus Leinen hergestellt. Generell stellte jegliche Bekleidung einen Luxus dar. Die Beschaffenheit der Materialien und die Art und Weise, wie die Kleidung getragen wurde, grenzte die adelige von der bürgerlichen Schicht ab.

Die Kleidung der einfachen Leute bestand daher meist auch aus rauerem, nicht so zartem Leinen. Schmuck und Perücken waren in Ägypten fast noch wichtiger als Kleidung, weil sie die Schichten noch deutlicher voneinander abgrenzten und regelrecht als Statussymbole dienten.

Auch in Griechenland und Rom diente die Kleidung dazu, den Stand einer Person anzuzeigen und Reiche von Armen, oder Freie von Unfreien, also Sklaven zu unterscheiden.

Besonders erwähnenswert sind Tunika und Toga, die Hauptkleidungsstücke der Römer. Beide wurden aus Wolle oder Leinen gefertigt und individuell gewickelt oder gebunden. Während fast jeder Bürger Roms die Tunika trug, war die Toga den männlichen Bürgern vorbehalten und wurde auch nur zu wichtigen Anlässen getragen. Besonders hohe Staatsbeamte bekamen ihre Toga zusätzlich mit Purpurstreifen eingefasst.

Das Mittelalter

Um 600 n.Chr., zur Zeit des Übergangs von der Antike ins Mittelalter, begannen sich Gesellschaft und Mode gemeinsam zu verändern. Das Christentum forderte die Verhüllung des Körpers, was mit den eher freizügigen Gewändern der Antike nicht vereinbar war. Stattdessen wurden die Hosenbeine und die Ärmel länger und es entstanden neue Hemden und Untergewänder.

Zur Zeit der Minnesänger unterschied sich die Kleidung der Armen ebenfalls deutlich von der der Reichen, was sogar in Verbots- und Gebotslisten niedergeschrieben wurde. Etwa mussten die mit Moos oder Baumwolle ausgestopften Schnabelschuhe verschiedene Maße haben, je nachdem, ob sie ein Prinz oder Fürst oder aber ein einfacher Ritter oder gewöhnlicher Bürger trug.

Ab Mitte, beziehungsweise Ende des 14. Jahrhunderts begannen Männer auf Schritthöhe verkürzte Jacken, sogenannte „Schecken“, zu tragen und dazu verlängerte Strümpfe. Bei Frauen etablierten sich unterschiedlichste Kopfbedeckungen, wie diverse Hauben mit Schleiern, da es als vornehm galt, das Haar zu bedecken. Im Zeitalter des Feudalismus sollte diese Mode vor allem die Macht und Privilegien des Adels zum Ausdruck bringen.

Kleidung wird zu Mode

Mit der Erfindung des Buchdrucks, der Entdeckung Amerikas und des Humanismus sowie der Herausbildung von Nationalstaaten in Europa begann die Neuzeit und damit auch eine neue Epoche der Mode, die innerhalb einiger Jahrzehnte ebenfalls einige Veränderungen durchlief:

Da der Burgundische Hof im 15. Jahrhundert eine führende Rolle in Europa eingenommen hatte, richtete man sich auch im Bürgertum nach der dort üblichen Kleidung. Herren trugen weiterhin enganliegende Schecken, sowie Hosen und Strümpfe, die im Grunde zu Strumpfhosen verschmolzen. Insgesamt galt die Schlankheit, die durch die körperbetonte Kleidung nach außen getragen werden sollte, als Schönheitsideal. Lange Mantelröcke und der seitlich geöffnete „Tappert“ entstanden. Dem Adel als Ausdruck seines Standes vorbehalten waren zweifarbige Kleidungsstücke und vor allem auch die Farbe Rot (Burgunderrot).

Mit dem Tod des letzten Burgunderherzogs Karls des Kühnen 1477 und dem seiner Erbtochter Maria erlosch das Haus 1482 und damit auch die Vorbildfunktion des Burgundischen Hofes im Bereich der Kleidung. Da italienische Städte wie Mailand und vor allem auch Venedig wichtige Umschlagplätze für den Handel wurden, dominierte die italienische Kleidung in der Renaissance die Modewelt in ganz Europa.

Von Mode gesprochen werden konnte allerdings erst ab dem 16. Jahrhundert, in welchem auch die Männer experimentierfreudiger wurden und etwa auffälligere und verzierte „Schamkapseln“ trugen, die aus dem Latz der Männerhosen entstanden. Ganz offensichtlich diente Kleidung nun in seiner Bandbreite zwar dem Schutz des Körpers, vor allem aber auch dem Ausdruck des Standes und der Individualität.

Barock- und Rokoko und die Schönheitspflege

Im 17. und 18. Jahrhundert wurden Männer- und Frauenmode immer ähnlicher. Neben der „Kröse“, der zeittypischen Halskrause, wurde auch ein breiter Schulterkragen getragen. Wattierte Westen wurden von den ersten anzugsähnlichen Kleidungsstücken abgelöst. Man trug außerdem lange und offene Jacken zu Kniehosen aus dem gleichen Stoff.

Ein absolutes Muss für jeden modischen Herren war eine lange lockige Perücke, unter der das Haar kurzgeschoren getragen wurde. Da Perücken für Männer aus unteren Schichten zu teuer waren, trugen sie das Haar möglichst lang.

Die mit Reismehl gepuderten Frisuren zu Beginn des Rokokos im 18. Jahrhundert, die von riesigen Aufbauten im Haar, die sich aus Ketten, Blumen, Früchten und vielerlei Schmuck bildeten, abgelöst wurden, waren nur eine Skurrilität der damaligen Schönheitspflege. Als ungesund und unschicklich galt das Baden und Waschen, weshalb man Schmutz und Hautflecken mit kleinen Pflästerchen aus schwarzem Taft etwa in Form von Herzen oder Sternen kaschierte. Weiterhin galt blasse Haut in Kontrast mit starkem Rouge und Lippenstift als Schönheitsideal.

Praktische Mode und Mode im 20. Jahrhundert

Mit der beginnenden industriellen Revolution Mitte des 18. Jahrhunderts begann zunächst in England eine gesellschaftliche Umschichtung und soziale Verhältnisse und Lebensumstände veränderten sich tiefgreifend. Die Mode wurde nun deutlich praktischer, um bei der Arbeit nicht zu behindern.

In Paris hingegen löste erst die Französische Revolution Ende des 18. Jahrhunderts die Vorrechte des Adels ab, womit die Kleider ebenfalls praktischer und bequemer wurden. Nur wer die Treue zum französischen Hof bekunden wollte, trug weiterhin traditionellere Hofkleidung.

Im 20. Jahrhundert schließlich wurde Mode zu dem, was sie heute ist: Einem Kulturgut und Massenphänomen, dass in Medien und Werbung alltäglich ist. Selbst die Zeit des zweiten Weltkriegs, welche die Modebegeisterung der 20er und 30er Jahre kurz unterbrach, führte aufgrund des Materialmangels zu modischer Improvisation und Innovation.

Bis zum heutigen Tag reißt diese Innovationsgeschichte der Mode des 20. Jahrhunderts nicht ab und es entstehen im Grunde jedes Jahrzehnt neue Trends und Kleidungsstile. Hauptfunktion dieser Kleidung ist neben dem Körperschutz vor allem das Bekennen der Zugehörigkeit zu einer bestimmten Szene oder das Transportieren einer Botschaft.

Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Küh|ler|grill  〈m. 1; Kfz〉 Blechgitter vor dem Kühler

chlo|rie|ren  〈[klo–] V. t.; hat; Chem.〉 eine chem. Verbindung mit Chlor eingehen lassen

Licht|re|gie  〈[–i:] f. 19; unz.; Theat.〉 Benutzung von Lichteffekten für die Inszenierung eines Theaterstückes

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige