Sonderausstellung in Kalkriese: „ICH GERMANICUS!" - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Sonderausstellung in Kalkriese: „ICH GERMANICUS!“

Die Ausstellung vereint internationale Leihgaben mit Grabungsfunden aus Kalkriese wie den berühmten Knochengruben. Sie deuten auf die Bestattung der gefallenen Legionäre durch Germanicus hin. (Foto: Elvira Parton)

Die großen Sonderausstellung „ICH GERMANICUS! Feldherr Priester Superstar“ in Museum und Park Kalkriese rückt ab Samstag, 20. Juni, das Leben und Wirken des römischen Feldherrn Germanicus in den Blick. Die Schau auf 500 Quadratmetern beleuchtet nicht nur die sogenannten „Rachefeldzüge“, in denen Germanicus sechs Jahre nach der Varusschlacht eine gewaltige Streitmacht ins heutige Nordwestdeutschland führte. Sie gibt auch ein umfassendes Bild einer schillernden Persönlichkeit der antiken Welt. Das Geschichtsmagazin DAMALS ist Kooperationspartner der Ausstellung, Heft 6/2013 beschäftigt sich ebenfalls mit Germanicus.

Knochengruben und römische Bildkunst

Die thematische Bandbreite spiegelt sich auch in den Objekten der Ausstellung, die Leihgaben aus europäischen Museen mit Grabungsfunden aus Kalkriese vereint. Die Knochengruben, die seit den 1990er Jahren auf dem Gelände des Varusschlacht-Museums ausgegraben wurden, sind ein Indiz für die Bestattung der Gefallenen der Varusschlacht, die Germanicus zugeschrieben wird. Zugleich sind sie der einzig bekannte Fund in Deutschland, der in direktem Zusammenhang mit den Germanicus-Feldzügen stehen.

Neben archäologischen Objekten werden herausragende antike Kunstwerke ausgestellt, wie etwa die kunstvolle Scheide des „Schwert des Tiberius“, das für die Ausstellung aus London nach Kalkriese entliehen wurde. „Die vielen öffentlichen Darstellungen von Germanicus zeigen seine herausgehobene Stellung in der römischen Gesellschaft“, so Geschäftsführer Dr. Joseph Rottmann. „Grund dafür, Germanicus dieses Jahr in den Mittelpunkt einer Ausstellung zu rücken, waren die militärischen Aktivitäten in Germanien vor 2000 Jahren“.

Karriere an den Schaltstellen der Macht

Wenige Jahre nach der Varusschlacht wurde Germanicus Oberbefehlshaber der Truppen an der germanischen Grenze des Römischen Reichs. Damit verfügte der junge Feldherr über eine gewaltige Streitmacht. Fast 50.000 Soldaten in acht Legionen und 1000 Kriegsschiffe sollten die verheerende Niederlage des Varus rächen und die germanischen Stämme endlich unterwerfen. In den Jahren 14 bis 16 n. Chr traf Germanicus mit wechselnden Schlachterfolgen auf Arminius, seit der Varusschlacht der führende Gegenspieler Roms. Es gelang den Römern, zwei verlorene Feldzeichen zurück zu erobern, Arminius schwangere Frau Thusnelda gefangen zu nehmen und die Gefallenen der Varusschlacht zu bestatten. Der Erfolg einer endgültigen Eroberung Germaniens blieb Germanicus jedoch versagt, als er im Jahr 16 n. Chr. nach Rom zurück beordert wurde.

Germanicus Popularität hing jedoch nicht alleine an militärischen Erfolgen. In eine mächtige römische Familie hineingeboren, hatte er bereits vor dem Aufenthalt in Germanien Karriere in der Hauptstadt gemacht. Als Augur hatte er eines der wichtigsten Ämter Roms inne, standen diese doch im Ruf, den Willen der Götter erkunden zu können. Oft ist von den Auguren als den höchsten Priestern Roms die Rede. „Wir dürfen uns die Auguren aber nicht im Sinne von Seelsorgern als Priester vorstellen“, so Dr. Stefan Burmeister, Kurator der Ausstellung in Kalkriese. „Dieses Amt genoss hohes Ansehen, übte aber auch politischen Einfluss aus und zeigt, wie nah Germanicus an den Schaltstellen der Macht war“.

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Dieser Einfluss ist vor allem über die Familiengeschichte zu erklären. Germanicus Vater Drusus war selbst ein wichtiger Feldherr und Stiefsohn des Kaiser Augustus, der Germanicus stark protegierte. Vor seinem Tod sorgte Augustus dafür, dass Germanicus durch den späteren Kaiser Tiberius, adoptiert wurde und somit als Thronfolger Aussicht auf die Herrschaft in Rom hatte. Durch seinen frühen Tod im Jahr 19 n. Chr. wurde er nie Kaiser, seine öffentliche Präsenz war aber durchaus mit der heutiger „Royals“ vergleichbar. „Germanicus und seine Frau Agrippina standen im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses, zumal er mit seinem Charisma den amtierenden Kaiser Tiberius, seinen Onkel, oft in den Schatten stellte“, erklärt Burmeister.

Ausstellungsgestaltung macht Germanicus zum Superstar

Neben herausragenden Leihgaben aus Häusern wie dem Louvre und dem British Museum setzt die Sonderausstellung in Kalkriese auf eine besondere Ausstellungsgestaltung. „Wir wollen die außergewöhnliche Person Germanicus auch mit Hilfe ungewöhnlicher Inszenierungen darstellen“, sagt Museumsleiterin Dr. Heidrun Derks. Daher wurde die Gestaltung in enger Zusammenarbeit mit den vielfach ausgezeichneten Berliner Ausstellungsarchitekten von neo.studio entwickelt, die u. a. für die Planung der neuen Dauerausstellung im Pergamonmuseum ab 2019 verantwortlich zeichnen.

„Wir wollen, dass die Besucher die Räume emotional erleben. Das Betreten des Schlachtfeldes der Varusschlacht und die Unsicherheiten der Niederlagen werden in schwindelerregende Räume umgesetzt. Intensive Farben und besondere Lichtstimmungen, Projektionen und Großgrafiken lassen den Besucher eintauchen in römische Machtpolitik und Ränkespiele vor 2000 Jahren“, erläutert Ausstellungsgestalter Moritz Schneider.

Veröffentlichungen und Begleitprogramm

Die Ausstellung wurde durch die Niedersächsische Sparkassenstiftung, die Stiftung Niedersachsen und das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert. Eine Übersicht aller Veranstaltungen im Rahmen der Ausstellung findet sich unter www.kalkriese-varusschlacht.de/museum/sonderausstellung-germanicus

Der Begleitband zur Ausstellung ist am 17. Juni im Konrad Theiss Verlag erschienen.

Quelle: Museum und Park Kalkriese / Redaktion DAMALS
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