Spanische Galeonen transportierten mehr als Güter - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Spanische Galeonen transportierten mehr als Güter

Routen des spanischen Fernhandels im 16. Jahhundert. (Julie McMahon)

Der Fernhandel des 16. Jahrhunderts hat der Welt offenbar eine tierische Plage beschert, berichten US-Forscher: Feuerameisen reisten als blinde Passagiere mit den Galeonen der Spanier. So gelangten die invasiven Krabbler vom mexikanischen Acapulco aus erst zu den Philippinen und von dort aus schließlich in fast alle tropischen Regionen der Erde, wo sie seitdem Mensch und Natur plagen.

Die Forscher um Andrew Suarez von der University of Illinois entdeckten den Zusammenhang durch einen ungewöhnlichen Vergleich – nämlich von Ergebnissen genetischer Analysen und historischen Informationen zu Handelsrouten. Für ihre Studie untersuchten die Wissenschaftler zunächst das Erbgut von Feuerameisen aus ihrem mexikanischen Ursprungsgebiet und von Beständen in ihren neuen Verbreitungsgebieten außerhalb der neuen Welt. Durch Erbgutvergleiche zwischen diesen Populationen fanden die Forscher charakteristische Hinweise darauf, aus welcher Ursprungspopulation die Ameisen in einer bestimmten Region hervorgegangen sind und wann die Besiedlung eines neuen Lebensraums stattgefunden hat.

Auf diese Weise konnten die Forscher den Beginn der weltweiten Invasion der Feuerameisen ins 16. Jahrhundert datieren. Dieses Ergebnis schlug wiederum die Brücke zur Geschichte: Zu dieser Zeit hatten die Spanier nämlich gerade ihre den Pazifik überspannende Handelsroute zwischen Acapulco und den Philippinen etabliert. Manila bildete dort die Drehscheibe für den Handel mit China. „Es entstand ein Bild der ersten globalen Tierinvasion, die mit dem ersten weltweiten Handelssystem einherging“, resümiert Suarez.

Den Forschern zufolge nahmen die Schiffe die Ameisen vermutlich über den Ballast an Bord: Um Stabilität zu gewährleisten, wurden die Galeonen bei Leerfahrten mit Erdreich beladen, das dann am Zielort ausgeschüttet wurde, um es durch Güter zu ersetzen. „Damals machte sich bestimmt keiner Gedanken darüber, dass in dem Ballast blinde Passagiere reisten“, sagt Suarez.

In der Zwischenzeit haben sich die Feuerameisen allerdings in ihren neuen Heimatgebieten oft zu einem Problem entwickelt: „Sie breiten sich schnell aus, bedrohen die Landwirtschaft, einheimische Arten und die menschliche Lebensqualität“, sagt Co-Autor Cahan Helms. „Sie verursachen jedes Jahr Millionenschäden“, ergänzt er. Den Forschern zufolge zeigt das aktuelle Studienergebnis, wie wichtig manchmal die Kombination von Informationen aus scheinbar wenig verwandten Forschungsbereichen sein kann: Im vorliegenden Fall waren es historische Informationen, Verbreitungsdaten von Ameisen und genetische Untersuchungsergebnisse, die zu dem interessanten Gesamtbild geführt haben.

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Quelle: University of Illinois
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