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Spektakuläres Wrack in der Ostsee entdeckt

Seit rund 500 Jahren liegt es auf dem Meeresgrund – doch es sieht aus, „als wäre es gerade erst gestern gesunken“: Archäologen haben vor der schwedischen Ostseeküste ein spektakulär gut erhaltenes Wrack entdeckt. Das Schiff aus der Renaissance – der Ära von Entdeckern wie Christoph Kolumbus – besitzt noch einen intakten Rumpf sowie Masten und sogar das Beiboot befindet sich noch an Deck. Genauere Untersuchungen sollen nun weitere Informationen über das geheimnisvolle Wrack liefern.


Videoaufnahmen vom Tauchgang zum Wrack (Video: Rodrigo Pacheco-Ruiz)

Es war die Zeit, in der die Erkundung der Welt über den Seeweg buchstäblich Fahrt aufgenommen hat: In der Renaissance entwickelten sich neue Möglichkeiten der Orientierung auf See und die Schifffahrtstechnik machte große Fortschritte. So konnten die Europäer schließlich in allen Meeren „aufkreuzen“, ferne Küsten erreichen – und Geschichte schreiben. Wracks aus dieser Zeit können spannende Einblicke in die Schifffahrt dieser Ära gewähren. Doch häufig sind sie stark zerfallen oder es gibt nur zerstreute Fragmente wie im Fall des schwedischen Kriegsschiffs „Mars“, das nach einer Explosion in der Schlacht von Öland im Jahr 1564 gesunken ist.

Ein faszinierendes Relikt im Scheinwerferlicht

Vor diesem Hintergrund erscheint nun der aktuelle Fund erstaunlich. Die schwedische Schifffahrtsverwaltung hat das etwa 16 Meter lange Wrack etwa 150 Kilometer südöstlich von Stockholm bereits 2009 erstmals durch Sonar geortet. Jetzt haben es Spezialisten des auf Unterwassererkundung spezialisierten Unternehmens MMT unter Beteiligung von Experten der University of Southampton genau erkundet. Die Aufnahmen der Unterwasserroboter belegen nun die archäologische sowie historische Bedeutung des Fundes.

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Im Gegensatz zu den verstreuten Überresten der „Mars“, liegt dieses Wrack in einem Stück auf dem Meeresboden – und nicht nur das: Die Rumpfstruktur vom Kiel bis zum Oberdeck, die Masten sowie einige Elemente der Takelage sind ebenfalls erhalten geblieben. „Es ist fast so, als wäre es gestern gesunken“, sagt Projektleiter Rodrigo Pacheco-Ruiz von MMT. Deutlich sichtbar sind etwa auch die Strukturen an der Spitze des Schiffs und das verzierte Heck sowie weitere, bei anderen Wracks normalerweise nicht erhaltene Elemente der Schiffsstruktur.

Schwenkkanonen und ein Beiboot

Einen Hinweis auf die Spannungen in den zwischenmenschlichen Beziehungen der damaligen Zeit repräsentieren zudem die Schwenkkanonen, die einst an Deck montiert wurden – wo sie auch heute noch zu finden sind. Ein besonderes Highlight bildet außerdem eine deutlich erkennbare Struktur neben dem Mast auf dem Hauptdeck: „Es handelt sich um das Beiboot, mit dem die Besatzung einst zum und vom Schiff ruderte. Es ist ein wirklich erstaunlicher Anblick“, so Pacheco-Ruiz.

Aus der archäologischen Untersuchung geht hervor, dass sich der Schiffbruch wahrscheinlich zwischen dem späten 15. und dem frühen 16. Jahrhundert ereignet hat. Vermutlich ist das Schiff somit auch älter als das Kriegsschiff Mars. „Es stammt aus der Zeit von Christoph Kolumbus und Leonardo da Vinci“, kommentiert Pacheco-Ruiz. Was die Ursache der spektakulär guten Erhaltung angeht, erklärt er: „Dank des kalten, brackigen Wassers der Ostsee konnte das Wrack die 500 Jahren am Meeresgrund bemerkenswert gut überstehen.“

Man darf nun gespannt sein, was die weitere Untersuchung des geheimnisvollen Wracks noch über seine Geschichte aufdecken kann. Grundsätzlich stellt das Team allerdings bereits fest: Es könnte sich um das am besten erhaltene Wrack seiner Zeit handeln.

Quelle: University of Southampton

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