Stammbaumforschung mit Köpfchen - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Stammbaumforschung mit Köpfchen

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Schädelfunde aus Australien ähneln sich untereinander mehr ...
Es gab nur eine einzige Wiege der Menschheit. Diesen Schluss ziehen britische und japanische Forscher aus einer Studie, in der sie die Schädelformen von mehr als 6.000 Menschen unterschiedlicher Abstammung miteinander verglichen. Die Ergebnisse bestätigen die Theorie, dass alle anatomisch modernen Menschen von einer einzigen Population von Frühmenschen aus dem südlichen Afrika abstammen. Belege für die Gegenthese, nach der sich Homo sapiens mehrmals unabhängig voneinander aus verschiedenen, geografisch voneinander getrennten Gruppen entwickelt haben soll, fanden die Forscher hingegen nicht. Die Schlussfolgerungen aus der Schädelanalyse decken sich jedoch ziemlich genau mit denen genetischer Studien aus den vergangenen beiden Jahren.

Die Wissenschaftler untersuchten in ihrer Studie 4.666 männliche und 1.579 weibliche Schädel aus insgesamt 105 verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Besonders interessierte sie dabei, wie stark die Schädelform innerhalb der einzelnen Gruppen variierte. Das Ergebnis: Am größten war die Vielfalt der Schädelformen im zentralen bis südlichen Afrika und wurde umso geringer, je weiter eine Gruppe von dort entfernt lebte. Das spiegele genau den Zusammenhang zwischen Geografie und Verlust von Variationen wider, der bereits in früheren Studien für das menschliche Erbgut gefunden worden sei, schreibt das Forscherteam.

Erklären lässt sich dieses Gefälle nur, wenn der moderne Mensch tatsächlich von einer einzigen, in Afrika lebenden Population abstammt und von dort aus die Welt besiedelt hat, so die Forscher. Dahinter steckt ein Phänomen namens Flaschenhalseffekt: Da bei solchen Wanderungen immer nur ein Teil der ursprünglichen Gruppe weiterzog und an einer anderen Stelle eine neue Population gründete, verringerte sich auch jedesmal die Vielfalt innerhalb der Gruppe ? sei es nun genetisch oder anatomisch. Je häufiger es solche Wanderungen gab, desto weniger Vielfalt gab es in der jeweils neu entstandenen Population.

Die Ergebnisse der Schädelanalyse stützen daher die klassische Out of Africa-Hypothese, nach der sich Homo sapiens aus einer einzelnen Population von Frühmenschen ? wahrscheinlich Homo erectus ? in Afrika entwickelte und erst danach zu wandern begann. Demgegenüber steht die so genannte multiregionale Hypothese: Demnach wäre der anatomisch moderne Mensch mehrmals in unterschiedlichen Teilen der Welt aus verschiedenen Homo-erectus-Populationen entstanden, die bereits zuvor aus Afrika ausgewandert waren. Würde diese zweite These zutreffen, hätte es jedoch ein anderes Verteilungsmuster der Schädel- und Erbgutvielfalt geben müssen, so das Fazit der Forscher.

Andrea Manica ( Universität Cambridge) et al.: Nature, Bd. 448, S. 346 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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