Steinkreise waren astronomisch exakt ausgerichtet - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Steinkreise waren astronomisch exakt ausgerichtet

Der Steinkreis von Stenness auf der Insel Orkney – nahezu jeder dieser Steine diente als Marker für ein bestimmtes Himmelsereignis. (Foto: Douglas Scott)

Himmel und Erde verknüpft: Die Steinkreise und Megalith-Anlagen Großbritanniens waren nicht nur nach Sonne und Mond ausgerichtet. Ihre Erbauer wählten auch Position und Standort in der Landschaft sehr bewusst aus, wie eine Studie enthüllt. So dienten beispielsweise nahegelegene Bergketten oder Hügel häufig als zusätzliche Marker für bestimmte Himmelsereignisse.

Von Stonehenge und vielen anderen Steinkreisen in Großbritannien ist bekannt, dass sie rituellen Zwecken, aber auch als Marker und Observatorien für bestimmte Himmelsereignisse und Daten dienten. So sind schon die ersten Anfänge von Stonehenge aus der Zeit um 3000 v.Chr. bereits auf den Auf- und Untergang der Sonne zu den Sonnwenden und auf bestimmte Mondstände hin ausgerichtet.

„Ein bemerkenswerter Tempel“

Auch der Megalith-Anlage von Callanish auf der Hebriden-Insel Lewis sagt man nach, spätestens seit der Bronzezeit ein Sonnen- und Mondobservatorium gewesen zu sein. So berichtete noch der römische Geschichtsschreiber Diodorus Siculus im 1. Jahrhundert v. Chr.: „Auf der Insel befindet sich auch ein bemerkenswerter Tempel, der von sphärischer Form ist. … Der Mondgott besucht die Insel alle 19 Jahre und tanzt die ganze Nacht durch von der Frühlings-Tagundnachtgleiche bis zum Aufgang der Plejaden.“

Unklar blieb aber, ob der Steinkreis von Callanish und weitere ähnlich alte Megalith-Anlagen schon bei ihrer Errichtung vor rund 5000 Jahren astronomische Bezüge aufwiesen – und welche Rolle die sie umgebende Landschaft dabei für die Erbauer spielte. Um das zu klären, haben Gail Higginbottom und Roger Clay von der University of Adelaide nun mehr als ein Dutzend Steinkreise im Westen Schottlands und auf den vorgelagerten Inseln untersucht.

Astronomische Bezüge geprüft

Die Forscher konstruierten dafür Modelle der Anlagen und der Landschaft und verglichen diese mit astronomischen Ereignissen wie den Sonnwenden, den Mondwenden und Ähnlichem. Das Ganze werteten sie dann statistisch aus. „Zuvor hat noch nie jemand statistisch belegen können, ob ein Steinkreis tatsächlich auf astronomische Bezüge hin erreichtet wurde oder nicht – es waren alles nur Vermutungen“, sagt Higginbottom.

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Die Auswertungen ergaben: Schon in den ältesten Anlagen findet sich eine signifikante Häufung von astronomischen Bezügen. So sind Sichtachsen, hervorstechende Steine oder Öffnungen in den Kreisen oft nach Sonne und Mondzyklen ausgerichtet. Wie die Forscher berichten, galt dies sowohl für Callanish und andere größere Analgen als auch für kleine, über das Land verstreute Steinkreise.

Der Horizont gehört dazu

Doch das eigentlich Spannende zeigte sich, als die Wissenschaftler die Landschaft in ihre Modelle mit ein bezogen. Denn die Position der Anlagen und die Wahl des Ortes erwiesen sich als keineswegs zufällig. „So ist beispielsweise bei einer der Hälfte der Steinkreise der Nordhorizont höher und näher als der südliche“, erklärt Higginbottom. „Dadurch scheint die Sonne bei der Sommersonnwende aus dem höchsten Berggipfel im Nordosten aufzusteigen.“

Bei der anderen Hälfte der Steinkreise war es dagegen genau umgekehrt: Sie waren so gebaut, dass in ihrem Süden eine Hügel- oder Bergkette lag. „Dadurch ging die Sonne bei der Wintersonnwende im Bereich dieser Gipfel auf“, berichtet Higginbottom. „Diese Umgebung beeinflusste damit, wie und wann Sonne und Mond gesehen werden konnten.“ Durch die Einbeziehung der Landschaft zeigten beispielsweise bestimmte Berggipfel an, wann der Mond seine nördlichste Position am Horizont erreichte. Diese geschieht nur alle 18,6 Jahre und markiert einen wichtigen Zyklus der Mondbewegungen.

„Diese Menschen fügten ihre großen Steine sehr präzise in die Landschaft und die ihnen bekannte Astronomie ein“, sagt Higginbottom. „Sie investierten eine enorme Arbeit und Zeit darin, dies zu erreichen. Das verrät uns die starke Verbindung ihrer Kultur mit der Umwelt.“ Durch ihre Megalithbauten verbanden die Bewohner der Britischen Inseln schon in der späten Steinzeit und frühen Bronzezeit Erde und Himmel symbolisch miteinander, wie die Forscher erklären. Diese Praxis setzte sich dann in Stonehenge und vielen späteren Steinkreisen weiter fort.

Quelle: University of Adelaide, Fachartikel: Journal of Archaeological Science: Reports, doi: 10.1016/j.jasrep.2016.05.025
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