Steinzeit-Chili - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Steinzeit-Chili

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Verwandte der heutigen Paprika-Sorten wurden schon vor 6.100 Jahren kultiviert. Foto: Linda Perry / Smithsonian-Nationalmuseum für Naturgeschichte
Die frühen Bewohner Mittel- und Südamerikas bauten schon vor über 6.000 Jahren Chilischoten an, um ihre Speisen zu würzen: Auf Mühlsteinen dieser Zeit fanden amerikanische Wissenschaftler stärkehaltige Körnchen der scharfen Paprikapflanze. Chili ist damit eines der ältesten Lebensmittel Amerikas, und die Menschen kultivierten es, bevor sie die Töpferei kannten, schreiben die Forscher um Linda Perry vom Smithsonian-Nationalmuseum für Naturgeschichte in Washington.

Pflanzen speichern Stärke in Form kleiner Körnchen, die sie in ihren Zellen ansammeln. Unter dem Mikroskop können Wissenschaftler diese Körnchen verschiedener Pflanzen unterscheiden. Dies gelingt auch mit so genannten mikrofossilen Stärkekörnern, also solchen, die Tausende von Jahren alt sind. Denn während die Pflanzen selbst zersetzt werden, bleiben die Stärkekörner unter optimalen Bedingungen im Boden oder in kleinen Ritzen und Vertiefungen von Mühlsteinen oder Tonscherben erhalten.

Bei archäologischen Ausgrabungen in Venezuela entdeckte Perry ein bisher unbekanntes mikrofossiles Stärkekorn, das sie durch Vergleiche mit heutigen Stärkekornformen als solches der kultivierten Chilischote identifizieren konnte. Bei weiteren Untersuchungen fanden Perry und ihre Kollegen an insgesamt sieben Ausgrabungsstellen zwischen dem Bahamas-Archipel und den südperuanischen Anden mikrofossile Chili-Stärkekörner, die sich von jenen des wilden Chilis unterschieden. Die ältesten davon entdeckten sie in Südwest-Ecuador, sie sind 6.100 Jahre alt.

Die Archäologen wiesen Chili oft gemeinsam mit Mais und Maniok nach, einer in Südamerika weit verbreiteten Nutzpflanze mit stärkehaltigen Wurzeln, sowie manchmal auch mit Kürbis, Bohnen und Palmfrüchten. Die Forscher vermuten daher, dass die Menschen damals mit diesen Zutaten Suppen und Eintöpfe zubereiteten.

Bisher wurde die Züchtung von Chilis den mittel- und südamerikanischen Kulturvölkern der Inka und Azteken zugesprochen. Die neuen Funde zeigten nun jedoch, dass schon deren Vorfahren Chilis anbauten und für eine raffinierte und anspruchsvolle Küche verwendeten, schreiben Perry und ihre Kollegen. Als Kolumbus die neue Welt entdeckte, waren Chilischoten dort eine der häufigsten Kulturpflanzen. Die europäischen Seefahrer brachten die farbigen Früchte ab dem 15. Jahrhundert in die ganze Welt.

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Linda Perry (Smithsonian-Nationalmuseum für Naturgeschichte, Washington) et al.: Science Bd. 315, S. 986 ddp/wissenschaft.de ? Fabio Bergamin
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