Steinzeit-Festgelage vor Monumentalkulisse - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Steinzeit-Festgelage vor Monumentalkulisse

Blick auf die Ausgrabungsstätte am Göbekli Tepe in der Türkei. (Bild:xefstock/iStock)

Am Göbekli Tepe schmausten einst Menschen im Schatten ihrer Bauten: Neue Hinweise stützen die These, wonach in der steinzeitlichen Kultanlage in der heutigen Türkei einst große Feste abgehalten wurden, um die für den Bau nötigen Arbeitskräfte zu rekrutieren. Im Bereich der Anlage wurden demnach große Mengen Getreide verarbeitetet – Vorratslager gab es aber offenbar keine. Deshalb liegt der Schluss nahe, dass die pflanzliche Nahrung zum unmittelbaren Verzehr bei speziellen Anlässen hergestellt wurden, erklären die Archäologen.

Jahrtausende vor Stonehenge und den Konstruktionen der alten Ägypter haben Menschen bereits monumental gebaut: Die Strukturen von Göbekli Tepe im heutigen Anatolien gelten als die ältesten bekannten Großbauwerk der Menschheitsgeschichte. Göbekli Tepe bedeutet „bauchiger Hügel“ – es handelt sich um eine künstliche Erhebung auf einem Kalksteinplateau. Ausgrabungen haben dort ringförmige Strukturen aus tonnenschweren Steinpfeilern ans Licht gebracht. Sie sind teils reich dekoriert und ragen mehr als fünf Meter in die Höhe. Datierungen zufolge wurden sie vor etwa 12.000 bis 10.000 Jahren errichtet. Sie stammen somit aus der Zeit, als in der Region aus Jägern und Sammlern sesshafte Ackerbauern wurden.

Ermöglichten Arbeitsfeste den Bau?

Wissenschaftler vermuten, dass die Monumentalanlage den steinzeitlichen Menschen als wichtiger Versammlungsort für Rituale sowie zur Kommunikation und zum Austausch diente. Wie es damals gelungen ist, die Arbeitskräfte für den Bau der eindrucksvollen Konstruktionen bereitzustellen, ist unklar. Eine These dazu besagt, dass die gemeinschaftlichen Anstrengungen im Zusammenhang mit Arbeitsfesten geleistet wurden: Es wurden große Veranstaltungen organisiert, bei denen eine üppige Versorgung gewährleistet war.

Dafür gab es bereits Hinweise: Archäologen haben am Göbekli Tepe mögliche Spuren der einstigen Nahrungsversorgung bei solchen Events entdeckt – zerbrochene und verbrannte Knochen von Jagdwild, insbesondere von Auerochsen und Gazellen. Kaum erhalten geblieben sind hingegen Reste von pflanzlichen Nahrungsmitteln. Doch offenbar bildeten sie ebenfalls einen Teil der Nahrungsversorgung, wie aus der aktuellen Studie hervorgeht: Die Forscher um Laura Dietrich vom Deutschen Archäologischen Institut und Julia Meister von der Universität Würzburg präsentieren nun Erkenntnisse zur pflanzlichen Nahrungsproduktion in Göbekli Tepe.

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Tausende Verarbeitungs-Utensilien

Im Rahmen ihrer Studie haben die Wissenschaftler mehr als 7000 Artefakte untersucht, die bei Ausgrabungen entdeckt wurden. Wie sie berichten, handelt es sich bei diesen Funden um Reibsteine, Läufer, Mörser und Stößel – also um Utensilien zur Verarbeitung pflanzlicher Nahrung. Diese Ergebnisse belegen somit indirekt, dass einst große Mengen pflanzlicher Nahrung auf dem Areal der Anlage produziert wurden. Wie die Forscher betonen, sind allerdings bisher keine Spuren von Vorratslager vor Ort belegt. Ihnen zufolge legt dies nahe, dass die Speisen nur zum unmittelbaren Verzehr bei speziellen Anlässen hergestellt wurden.

In Kombination mit den Funden der tierischen Speisereste untermauern die aktuellen Ergebnisse damit nun die Hypothese von den Arbeitsfesten. Konkret vermuten die Forscher: Wie die Verfügbarkeit von Getreide und die Anwesenheit saisonal wandernder Tiere wie Gazellen nahelegt, kamen die Menschen im Sommer und Herbst an ihrem spektakulären Heiligtum zu den Events zusammen.

Quelle: Deutsches Archäologisches Institut, PLOS ONE, doi:10.1371/journal.pone.0215214

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