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Geschichte|Archäologie

Steinzeitlicher Höhen-Rekord

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Felsvorsprung am Fundort, Credit: Kurt Rademaker
Eisige Kälte, dünne Luft und extreme Sonneneinstrahlung – die Bedingungen 4.500 Meter hoch in den peruanischen Anden wirken nicht gerade einladend. Dennoch lebten hier bereits vor über 12.000 Jahren Menschen, berichten Forscher. Es handelt sich um die höchstgelegenen bekannten Siedlungsspuren steinzeitlicher Menschen. Sie belegen die enorme Anpassungsfähigkeit unserer Spezies, sagen die Wissenschaftler.

Die archäologischen Funde im Pucuncho Basin umfassen menschliche Knochen, Überreste von Tieren und Steinwerkzeuge. Dem internationalen Forscherteam zufolge gewährte der Hauptfundort Cuncaicha den steinzeitlichen Menschen einst Zuflucht: Ein Felsvorsprung bot Schutz vor den harschen Umweltbedingungen in dem Gebiet, das sich 4.480 Meter über dem Meeresspiegel befindet. Die Datierungen ergaben, dass in Cuncaicha Menschen von vor 12.400 bis vor 11.500 Jahren lebten. Bisher bekannte Siedlungsspuren in vergleichbaren Höhen sind rund 1.0000 Jahre jünger, sagen die Forscher.

Ihnen zufolge legen die Funde nahe, dass die Menschen hier nicht nur kurzzeitig verweilten. „Wir wissen nicht, ob sie das ganze Jahr über dort lebten, aber wir gehen davon aus, dass sie nicht nur dorthin kamen, um für ein paar Tage zu jagen“, sagt Co-Autorin Sonia Zarrillo von der Universität von Calgary. „Wahrscheinlich lebten dort auch Familien, denn wir fanden Hinweise für eine ganze Reihe von Aktivitäten“. Bei den Steinwerkzeugen, welche die Forscher entdeckt haben, handelt es sich nämlich nicht nur um Bestandteile von Jagdwaffen sondern auch um Schabe-Instrumente, die der Bearbeitung von Häuten dienten. Mit ihnen stellten die Menschen vermutlich Gegenstände wie Kleidung, Decken oder Taschen her.

Nicht nur auf der Durchreise

Außerdem fanden die Forscher Überreste ganzer Tiere, was ebenfalls darauf hindeutet, dass die Menschen nahe am Jagdort lebten. „Jäger auf der Durchreise würden Fleisch mitnehmen und den Kadaver am Jagdort zurücklassen“, so Zarrillo. Bei den Beutetieren handelte es sich den Forschern zufolge vor allem um Vikunjas. Diese Lama-Art bewohnt bis heute harsche und baumlose Gebiete der Hochanden.

Die Lebensbedingungen am Fundort müssen eine große Herausforderung für die damaligen Menschen dargestellt haben, betonen die Forscher. Das wirft die Frage auf, ob sie möglicherweise auch schon genetisch an das Leben in diesen Höhen angepasst waren, so wie es von den heutigen Andenbewohnern bekannt ist. Sie besitzen im Vergleich zu Menschen aus tieferen Regionen verstärkte Stoffwechselraten, ein größeres Lungenvolumen. Außerdem sorgen erhöhte Hämoglobinkonzentrationen in ihrem Blut für eine besser Sauerstoffversorgung des Körpers in der dünnen Höhenluft.

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Bereits an das Hochland-Leben angepasst?

Gab es diese Anpassungen vielleicht auch schon vor 12.400 Jahren? Dieser Frage wollen die Forscher zukünftig durch genetische Untersuchungen nachgehen. „Bisher können wir das nicht sagen“, erklärt Zarrillo. „Entweder die Menschen besaßen diese Merkmale bereits, oder sie kamen auch so mit den Bedingungen zurecht“. Die Forscherin weiß aus eigener Erfahrung, dass dies wohl eine beachtliche Herausforderung darstellte: „Unser Team wanderte bis zu drei oder vier Stunden, um hierher zu kommen. Das Schleppen der Ausrüstung und des Essens war dabei nicht einfach und jede Nacht gab es Frost und manchmal auch Schnee. Das ist wirklich ein anspruchsvolles Forschungsgebiet“, so die Forscherin. Sie und ihre Kollegen wollen aber dennoch weiter im Pucuncho Basin forschen, denn sie sind überzeugt, dass es hier noch viel Spannendes zu entdecken gibt.

Originalarbeit der Forscher:

© wissenschaft.de – Martin Vieweg
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