Stonehenge: Steinernen Riesen auf der Spur - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Stonehenge: Steinernen Riesen auf der Spur

Woher kamen die großen Bausteine? (Bild: Andre Pattenden, English Heritage)

Hoch aufragende Giganten – die sogenannten Sarsensteine sind die eindrucksvollsten Bauelemente der Monumentalanlage von Stonehenge. Doch woher stammten diese Megalithe? Dieser Frage sind nun Forscher durch Untersuchungen der geochemischen Signatur des Materials nachgegangen. Vergleiche ergaben, dass die meisten Sarsensteine von den etwa 25 Kilometer entfernten West Woods in Wiltshire herbeigeschleppt wurden.

Der prähistorische Steinkreis im Süden Englands gehört zu den berühmtesten Bauwerken der Menschheit. Man geht davon aus, dass Stonehenge vor etwa 4500 Jahren errichtet wurde und anschließend lange Zeit ein kulturelles Zentrum darstellte. Bei den Hauptstrukturen der Monumentalanlage handelt es sich um Formationen aus bearbeiteten Steinen unterschiedlicher Größe, die um ein Zentrum gruppiert sind. Die Frage nach der Herkunft der Bausteine sowie die Transportmethoden und -wege beschäftigt Archäologen und Geologen schon lange.

Woher kamen die großen Brocken?

Für den Bau wurden hauptsächlich zwei Gesteinsarten verwendet. Die aus einem speziellen Sandsteinmaterial bestehenden Sarsensteine bildeten die größten Strukturen der Anlage. Die größten Exemplare sind über neun Meter hoch und 25 Tonnen schwer. Für andere Formationen wurden hingegen kleinere Dolerit-Blöcke eingesetzt, die wegen ihres Farbtons Blausteine genannt werden. Diese „exotischen“ Steine standen bisher im Fokus der Forschung, denn im Gegensatz zu den Sarsen schien klar, dass sie nicht aus der Region stammen konnten. Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis, dass die Erbauer die rund zwei Tonnen schweren Blausteine von den rund 300 Kilometer weit entfernten Preseli Hills in Wales auf die Salisbury Plain gebracht haben.

Im Fall der Sarsensteine ging man hingegen bisher davon aus, dass sie aus der näheren Umgebung von Stonehenge herangeschafft worden waren, denn es gibt in der Region Vorkommen dieser Gesteinsart. Heute sind noch 52 der ursprünglich etwa 80 Sarsensteine in Stonehenge erhalten geblieben. Dazu gehören auch alle 15 Steine der Trilithen, die aus zwei Tragsteinen und einem aufliegenden Deckstein bestehen. Als ein besonderer Sarsenstein in Stonehenge gilt zudem der sogenannte Heelstone, der sich etwas abseits am nordöstlichen Ausgangs der Anlage befindet.

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Geochemische Fingerabdrücke weisen auf den Ursprung

Um nun die Herkunft dieser beeindruckendsten Bauelemente genauer zu lokalisieren, haben die Wissenschaftler um David Nash von der University of Brighton die geochemische Zusammensetzung der Sarsensteine von Stonehenge erfasst. Dabei kamen tragbare Geräte zur Röntgenfluoreszenzspektrometrie zum Einsatz. Aus den Ergebnissen ging zunächst hervor, dass abgesehen von zwei Ausnahmen alle Steine die gleichen Merkmale besitzen – also vermutlich einen gemeinsamen Ursprung besitzen.

Anschließend charakterisierten die Wissenschaftler das Material anhand eines Bohrkerns aus einem der Sarsensteine noch genauer. Die Resultate dieser geochemischen Analyse konnten sie dann mit Untersuchungsergebnissen von Proben von Sarsensteinen aus unterschiedlichen Teilen Englands vergleichen, um dem Ursprung der Bauelemente auf die Spur zu kommen. “Es war aufregend, die wissenschaftlichen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts zu nutzen, um die neolithische Vergangenheit zu verstehen”, sagt Nash.

Wie er und seine Kollegen berichten, haben die Sarsen abgesehen von zwei Ausnahmen einen gemeinsamen Ursprung in den 25 Kilometer nördlich von Stonehenge gelegenen West Woods in Wiltshire. Die Ergebnisse stützen damit die Theorie, dass die Steine etwa zur gleichen Zeit nach Stonehenge gebracht wurden. Das gilt auch für den Heel Stone, geht aus den Untersuchungsergebnissen hervor. Dies widerspricht somit einer Vermutung, wonach dieser besondere Sarsen aus der unmittelbaren Umgebung des Monuments stammte und früher als die anderen errichtet wurde.

Stonehenge bleibt geheimnisvoll

Der Grund, warum die Erbauer von Stonehenge West Woods als Quelle für die Sarsensteine auswählten, bleibt weitgehend unklar, sagen die Forscher. Sie vermuten allerdings, dass die Größe und Qualität der dortigen Steine und die Leichtigkeit, mit der die Erbauer Zugang zu ihnen hatten, bei der Entscheidung eine Rolle gespielt haben. Die Forscher zeigen im Rahmen ihrer auch zwei mögliche Transportrouten auf, die einen vergleichsweise geringen Aufwand ermöglichten.

Ein weiteres Rätsel bleibt, warum zwei der 52 Steine anscheinend nicht aus West Woods stammten. Eine mögliche Erklärung ist, dass sie das Werk einer speziellen Gruppe unter den Erbauern waren, die sich dafür entschieden, ihre Bausteine aus einem separaten Gebiet zu beziehen. Wo genau es lag, können vielleicht zukünftige Untersuchungen aufdecken, schreiben die Forscher.

Quelle: Science Advances, doi: 10.1126/sciadv.abc0133

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