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Geschichte+Archäologie

Syriens Kulturschätze in Gefahr

Der Codex Hammurabi gehört zu den ältesten heute bekannten Gesetzen der Menschheit. (Foto: Westfälische Wilhelms-Universität Münster)

Wissenschaftler warnen vor der Zerstörung und Plünderung von jahrtausendealten Kulturgütern durch den Bürgerkrieg in Syrien. „Durch die Gefechte sterben unzählige Menschen, und auch ihre 5000 Jahre alte Kultur geht verloren, zu der die ältesten Texte der Menschheit gehören“, sagt der Münsteraner Altorientalist Prof. Dr. Hans Neumann vom Komitee des 32. Deutschen Orientalistentags.

Die unwiederbringlichen Verluste beschäftigen nicht nur die Altorientalistik, auch viele Syrer leiden unter den Zerstörungen und Raubgrabungen, betont Neumann. Sie seien stolz auf historische Welterbestätten wie Aleppo, Damaskus und Palmyra und gründeten ihre Identität auch auf der altorientalistischen Geschichte.

Nicht nur massive Kriegsschäden an historischen Bauten, archäologischen Ausgrabungsstätten und in Museen, deren Ausmaße noch nicht bekannt sind, bereiten den Wissenschaftlern Sorge, auch die Tätigkeiten von Schmugglern, die historische Zeugnisse wie Keilschrifttexte, Siegel, Metallgegenstände oder Keramiken aus alten Palästen, Tempeln oder Privathäusern rauben und auf dem Schwarzmarkt verkaufen, erschweren die wissenschaftliche Aufarbeitung der altorientalischen Kulturen. „Selbst wenn die Stücke beschlagnahmt werden, fehlt uns Forschern der Grabungszusammenhang: In welcher Siedlung, in welchem Haus und in welchem Raum wurden die Stücke gefunden? So lässt sich der komplexe historische und gesellschaftliche Zusammenhang, in dem die Funde standen, nicht mehr rekonstruieren“, gibt Neumann zu bedenken.

Die Hochkultur des Alten Orients entwickelte schon im vierten Jahrtausend vor Christus die Keilschrift, schriftliche Zeugnisse aus Mesopotamien im heutigen Irak seien die ältesten bekannten Texte der Menschheit. Lange bevor es in Europa zu vergleichbaren Strukturen kam, seien in den altorientalischen Kulturen der Sumerer, Babylonier und Assyrer bereits die ersten Staaten entstanden. Neben Errungenschaften wie die Schrift seien das Rad, die Bronzeherstellung oder die Großarchitektur dem Alten Orient zu verdanken, berichtet Neumann. Außerdem stammten auch die ältesten Gesetze wie der „Codex Hammurabi“ aus diesen frühen Hochkulturen.

Vom 23. Bis 27. September findet in Münster der 32. Deutsche Orientalistentag statt, bei dem nationale und internationale Vertreter der Altorientalistik und der Vorderasiatischen Archäologie in ihrer Sektion neueste Forschung zum Thema „Gesellschaftsgeschichte des Alten Orients“ präsentieren.

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Quelle: Westfälische Wilhelms-Universität Münster
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