Tagebau „fördert“ Bronzezeit-Dorf zutage - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Geschichte+Archäologie

Tagebau „fördert“ Bronzezeit-Dorf zutage

Experten sichten die Reste einer jungbronzezeitlichen Siedlung im Tagebau Nochten. (Foto: LEAG)

Normalerweise holt der Tagebau Braunkohle aus dem Untergrund – doch im aktuellen Fall ist der Rohstoffgewinnung ein archäologischer Fund zu verdanken: In einem Zielgebiet des vorrückenden Braunkohletagebaus Nochten in Sachsen haben Archäologen eine vollständige bronzezeitliche Siedlung entdeckt. Sie besteht aus Wohngebäuden um ein enorm langes Haupthaus, einem Wirtschaftsareal und einem Bestattungsfeld mit Grabbeigaben. Bevor die Schaufelradbagger anrücken, sichern die Archäologen nun die Funde.

Seit DDR-Zeiten fräsen sich gewaltige Förderanlagen durch die Landschaft in der Oberlausitz: Bis zu 18 Millionen Tonnen Braunkohle werden im Tagebau Nochten jährlich gefördert. Einige Siedlungen mussten dem Hunger der Bagger bereits weichen – doch nicht nur moderne Siedlungen befinden sich über den Braunkohlevorkommen. Seit den 1990er Jahren sichert das Landesamt für Archäologie Sachsen mit Unterstützung des Bergbautreibers Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG) den archäologischen Denkmalbestand in den ostsächsischen Tagebaugebieten. So stießen die Archäologen bei der Sichtung eines geplanten Abbauareals auf die Spuren aus der Bronzezeit.

Ein 43 Meter langes Bronzezeit-Haus

Auf knapp zwei Hektar eines zuvor forstwirtschaftlich genutzten Areals kamen im Verlauf der Ausgrabungen die Spuren von sieben Häusern ans Licht. Bei vier Gebäuden handelt es sich um für die Bronzezeit typische sogenannte Wandgräbchenhäuser mit charakteristischen Balkenstrukturen und Fachwerkkonstruktionen. „Mit 43 Meter Länge und 5 bis 6 Meter Breite ist darunter das größte bisher bekannte bronzezeitliche Haus in Ostsachsen“, berichtet Wolfgang Ender vom Landesamt für Archäologie Sachsen. Alle Siedlungsbestandteile wurden zwischen 1400 und 1000 v. Chr. genutzt, geht aus der Datierung der Funde hervor.

Die Archäologen entdeckten auch über 200 eng aneinander liegende Gruben, welche die Menschen einst im Boden des Areals angelegt hatten. Sie dienten den Experten zufolge wohl der Speicherung von Getreidevorräten. „Diese Strukturen werfen ein neues Bild auf die wirtschaftlichen Grundlagen der dichten bronzezeitlichen Besiedlung der Oberlausitz“, sagt Ender.

Anzeige

Spuren des Lebens und des Todes

Neben diesen Spuren, die vom Leben der Menschen vor über 3000 Jahren zeugen, haben die Forscher auch den Bestattungsbereich der Siedlung aufgedeckt. „Deutlich lassen sich anhand von Erdverfärbungen und Steinkreisen mindestens sieben ehemalige Grabhügel mit einem Durchmesser von ach bis zwölf Meter rekonstruieren“, berichtet Ender. Sie liegen verteilt auf etwa einem Hektar Fläche. Zwischen diesen Grabhügeln lagen außerdem mindestens 95 einfache Erdgräber.

„Die Gräber wurden in getrennten Gruppen auf unterschiedlichen Hügeln angelegt. Möglicherweise legte jeweils eine soziale Gruppe ihren Hügel an“, sagt Ender. Die Forscher fanden auch Grabbeilagen – vor allem für die Jungbronzezeit typische Keramikgefäße. Einzelnen Verstorbenen waren aber auch Ausrüstungs- und Schmuckgegenstände beigelegt worden, die auf ihre spezielle soziale Rolle schließen lassen.

Die Forscher sind zuversichtlich, alle Fundstellen bis zum Heranrücken der Tagebau-Maschinerie vollständig untersuchen zu können. Dafür stimmt sich das Landesamt offenbar intensiv mit dem Unternehmen Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG) ab. Thomas Penk Leiter des Rekultivierungs/Umsiedlungsmanagements sagt dazu: „Wir sind in einem stetigen Austausch mit den Archäologen, so dass wir uns in unserer Arbeit gegenseitig nicht behindern und die Untersuchungen im Vorfeld rechtzeitig vor Anrücken der Vorschnittbagger abgeschlossen sind“.

Quelle: Gemeinsame Mitteilung des Landesamtes für Archäologie Sachen und der Lausitz Energie Bergbau AG (LEAG).

Anzeige

DAMALS | Aktuelles Heft

Bildband DAMALS Galerie

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Wissenschaftslexikon

Krebs|art  〈f. 20; Med.〉 bestimmte Art von Krebs 2 ... mehr

Gate  〈[gt] n. 15〉 1 Ankunfts–, Abflugstor eines Flugzeugs auf dem Flughafen 2 〈Tech.〉 Elektrode zur Steuerung des Elektronenstroms in speziellen Halbleiterbauelementen ... mehr

Mas|se|ter  〈m. 3; Anat.〉 Kaumuskel [<grch. maseter, masseter ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige