Tod von König Albert I. war wirklich ein Unfall - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Tod von König Albert I. war wirklich ein Unfall

Laubblätter mit Blutspritzern, die am Ort des Unfalls von König Albert I. gefunden wurden. Das Blut stammt tatsächlich vom belgischen Monarchen. (KU Leuven - Maarten Larmuseau)

Wurde er ermordet oder starb er wirklich bei einem Unfall beim Bergsteigen? Um den Tod des belgischen Königs Albert I. im Jahr 1934 ranken sich bis heute kontroverse Theorien. Jetzt jedoch entkräften gut 80 Jahre alte Blutspritzer auf Laubblättern vom Todesort diese Vermutungen. Genanalysen zeigen, dass das Blut von Albert I. stammt und dass er demnach wahrscheinlich tatsächlich beim Bergstiegen abstürzte.

Rätselhafter Berg-Unfall

Der von 1909 bis 1934 regierende belgische König Albert I. war als volksnaher und wenig autokratischer Regent sehr beliebt. International wurde er vor allem durch seine Rolle im Ersten Weltkrieg bekannt: Als das Deutsche Reich vom kleinen Nachbarland freien Durchmarsch für ihre Truppen forderte, weigerte sich der König und befahl der belgischen Armee stattdessen, Widerstand zu leisten – das verschaffte Briten und Franzosen wertvolle Zeit.

Am 17. Februar 1934 verunglückte Albert I. beim Bergsteigen tödlich. Beim Versuch, den Marche-les-Dames in den Ardennen zu besteigen, stürzte er ab. Weil der König allein unterwegs war und es für seinen Tod keine Zeugen gab, kursierten jedoch schon bald Gerüchte, Albert I. sei nicht verunglückt, sondern woanders ermordet worden. Den gängigen Verschwörungstheorien nach wurde seine Leiche entweder erst nachträglich am vermeintlichen Unfallort deponiert oder aber war nie dort.

Dem widersprachen allerdings einige blutbefleckte Baumblätter, die Bewohner der Gegend in der Nacht des Unfalls am Marche-les-Dames eingesammelt hatten. Bereits 2014 hatten Analysen nachgewiesen, dass das Blut auf den Pflanzenresten tatsächlich von einem Menschen stammte. Aber handelte es sich auch um das Blut von Albert I.? Um das zu klären, haben nun Maarten Larmuseau von der Universität Leuven und seine Kollegen das Blut einer vergleichenden Genanalyse unterzogen.

DNA zweier noch lebender Verwandter

Für ihre Studie verglichen die Forscher Teile der DNA aus den Blutspritzern mit DNA-Proben, die zwei noch lebende Verwandte des toten belgischen Königs zur Verfügung stellten. „König Simeon II. von Sachsen-Coburg und Gotha, der letzten Zar Bulgariens, ist mit Albert I. über die Väterliche Linie verwandt“, erklärt Larmuseau. „Die deutsche Baronin Anna Maria Freifrau von Haxthausen ist mit Albert I. über die mütterliche Linie verwandt.“

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Weil das Erbgut sowohl des toten Königs als auch der lebenden Verwandten sehr persönliche Informationen über erbliche Schwächen und Ähnliches zutage fördern kann, beschränkten sich die Forscher bei ihrer Analyse bewusst auf nur einige Ausschnitte der DNA. Zudem vernichteten sie alle DNA-Proben und veröffentlichten die Gensequenzen nicht. „Die Veröffentlichung der genetischen Daten würde die Persönlichkeitsrechte lebender Nachfahren und Verwandten des Königs verletzen, darunter auch Mitglieder des belgischen und englischen Königshauses“, erklären die Forscher.

Blut stammt von Albert I.

Das Ergebnis der Genvergleiche: „Wir haben festgestellt, dass das Blut tatsächlich von Albert I. stammt“, berichtet Larmuseau. „Die Blutspuren bestätigen damit den offiziellen Bericht über den Tod des Königs.“ Demnach muss Albert I. am 17. Februar 1934 nicht nur am Marche-les-Dames gewesen sein, er erlitt offensichtlich auch blutende Verletzungen.

„Die Geschichte, dass die Leiche des Königs nie in Marche-les-Dames gewesen ist oder erst später dort deponiert wurde, ist damit eher unglaubwürdig geworden“, so der Forscher. Wie sie erklären, war dies wahrscheinlich die letzte Gelegenheit, das Mysterium um den Tod des belgischen Königs zu klären. „80 Jahre nach dem Ereignis ist jeder, der darin verwickelt war, längst gestorben und das meiste Material ist verschwunden“, sagt Larmuseau.

Quelle: KU Leuven
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