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Geschichte+Archäologie

Tödliche Disziplin

Hollywood-Filme wie „Spartacus“ oder „Gladiator“ vermitteln dem Zuschauer den Eindruck, dass die Gladiatorenkämpfe in den Arenen des alten Roms ein wildes Hauen und Stechen mit Waffen wie Dreizack oder Kurzschwert waren und es ums nackte Überleben ging. Diese Darstellung ist offenbar falsch. Eine Studie österreichischer Forscher hat jetzt ergeben, dass es sich bei den Kämpfen um vergleichsweise disziplinierte Gefechte handelte, bei denen zwar häufig einer der Gladiatoren das Leben ließ – allerdings hinter den Kulissen.

Karl Großschmidt von der Medizin-Universität Wien und Fabian Kanz vom Österreichischen Archäologischen Institut haben 67 Skelette aus Gräbern des Gladiatorenfriedhofs in Ephesos, der einstigen Hauptstadt der römischen Provinz Asia, untersucht. Das Gräberfeld in der heutigen Türkei stammt aus dem zweiten Jahrhundert nach Christus und war 1993 entdeckt worden. Großschmidt und Kanz analysierten die Knochen mit modernen Forensik-Techniken wie der Computertomographie, um die Todesursachen zu bestimmen. Dabei stellten die Historiker fest, dass die meisten Gladiatoren nur Verletzungen an der Vorderseite des Schädels besaßen, die jedoch nicht zum Tode geführt hatten. Sie stellten auch keine Verstümmelungen am Körper fest. Aus der Art der Wunden folgerten die Wissenschaftler außerdem, dass die Gegner nur eine Waffe pro Kampf benutzten. Diese Tatsachen lassen auf feste Regeln schließen, die – wie zeitgenössische Quellen belegen – von zwei Schiedsrichtern überwacht wurden.

In zehn Schädeln fanden Großschmidt und Kanz allerdings an der Seite quadratische Löcher, die vermutlich von einem Hammer stammten. Da die Gladiatoren während des Waffengangs Helme trugen, die diesen Bereich schützten, müssen ihnen die Verletzungen nach dem Kampf zugefügt worden sein. Die Forscher sehen darin den Beweis für eine ältere Vermutung von Historikern: Gladiatoren, die das Publikum wegen ihres Kampfstils durch „ Daumen unten“ zum Tode verurteilt hatte, seien hinter der Bühne mit einem Hammerschlag exekutiert worden.

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