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Frühmittelalter

Überraschend exotische Grabbeigaben

Exotische Jagdszenen zieren einen rund 1500 Jahre alten Elfenbeinkamm. (Bild: BlfD)

Bei Grabungen in Bayern sind Archäologen in zwei rund 1500 Jahre alten Gräbern auf überraschende Funde gestoßen: Sie entdeckten einen Elfenbeinkamm mit ungewöhnlichen Tierszenen und eine afrikanische Schale mit mysteriösen Zeichen. Die Geschichte dieser exotischen Gegenstände und ihrer Besitzer bleibt weitgehend geheimnisvoll. Doch zumindest dokumentieren die für die Region bisher einmaligen Funde die offenbar weitreichenden Verbindungen auch noch nach dem Zusammenbruch des römischen Reiches, sagen die Archäologen.

Der Blick richtet sich auf die Gemeinde Deiningen im Landkreis Donau-Ries bei Nördlingen: Im Rahmen der Erschließung eines Baugebiets tauchten dort Spuren von zwei Gräbern auf, die anschließend von Archäologen des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege (BlfD) untersucht wurden. Wie sich zeigte, handelte es sich um die reich ausgestatteten Ruhestätten eines 40 bis 50 Jahre alten Mannes und einer 30 bis 40 Jahre alten Frau aus dem 6. Jahrhundert. Damals war die Region von Alemannen besiedelt und stand unter fränkischer Herrschaft, erklärt das BlfD.

In dem Grab des Mannes stießen die Archäologen auf ein Langschwert, eine Lanze, ein Schild, eine Streitaxt sowie ein Bronzebecken. Sporen und Zaumzeugreste lassen vermuten, dass er der Reiter des Pferdes war, dessen Skelett in einer nahen Grube entdeckt wurde. Doch der erstaunlichste Fund lag zu Füßen des Toten, berichtet das BlfD: Dort stießen die Archäologen auf die Überreste einer Tasche, bei der es sich offenbar um eine Art frühmittelalterlichen Kulturbeutel gehandelt hat: Er enthielt eine Schere und einen Kamm, die wohl der Pflege von Haupt- und Barthaaren dienten.

Darstellung afrikanischer Tiere?

Kämme sind den Experten zufolge an sich keine ungewöhnlichen Funde in Gräbern dieser Ära – doch in diesem Fall handelte es sich um ein erstaunlich luxuriöses Modell aus Elfenbein. Schnitzereien aus diesem Material sind für das 6. Jahrhundert extrem selten, schreibt das BlfD. Das Besondere am Deininger Kamm ist neben dem Fundort nördlich der Alpen zudem, dass er mit weltlichen und offenbar auch exotischen Jagdszenen verziert ist: Deutlich zu erkennen sind gazellenartige Wesen, die vor Raubtieren davonzuspringen scheinen, die zumindest so in Europa nicht vorkommen.

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Ob tatsächlich afrikanische Tiere dargestellt sind, bleibt allerdings unklar, da eine genaue Artzuordnung nicht möglich ist, sagen die Archäologen. „Vergleichbare Darstellungen auf einem Kamm aus diesem Zeitraum sind uns bislang nicht überliefert. Das macht diesen Fund nicht nur zu einer herausragenden archäologischen, sondern auch zu einer wichtigen kunsthistorischen Quelle“, sagt Johann Friedrich Tolksdorf vom BlfD. Denn die wenigen anderen bekannten Elfenbeinkämme aus dem Frühmittelalter zeigen christliche Motive.

Weit gereiste Luxusware

Die afrikanische Schale aus dem Frauengrab ist mit mysteriösen Zeichen versehen. (Bild: BlfD)

Wie das BlfD weiter berichtet, stießen die Archäologen auch in dem Frauengrab auf eine Überraschung: Ihr war neben Schmuck, Speisebeigaben und einem Teil eines Webstuhls eine ungewöhnliche Keramikschale beigelegt worden. Sie stammte nicht aus heimischer Produktion, sondern aus weiter Ferne: Es handelte sich um eine kostbare rote Keramiksorte die damals im heutigen Tunesien hergestellt wurde. Während diese Gefäße im Mittelmeerraum weit verbreitet waren, ist der Fund so weit im Norden überraschend, erklären die Experten. Ungewöhnlich sind zudem mysteriöse Zeichen, die nachträglich in den Rand des Gefäßes geritzt wurden. Sie könnten vielleicht mit Runen in Verbindung gestanden haben, die in der Ära im alemannischen Raum teilweise noch genutzt wurden. Was die Zeichen bedeuten, bleibt allerdings rätselhaft: Es könnte sich um Namenszeichen, magische Symbole oder aber schlicht um Kritzeleien gehandelt haben, schreibt das BlfD.

Mysteriös beleibt auch, wer die beiden Toten waren und wie sie zu den ungewöhnlichen Gegenständen gekommen waren. Möglicherweise hat es sich um Geschenke eines Herrschers an wichtige Gefolgsleute gehandelt oder um Beutestücke aus einem Kriegszug, so das BlfD. Klar scheint zumindest: „Die beiden Funde müssen damals echte Luxusgüter gewesen sein“, resümiert Mathias Pfeil vom BlfD. „Sie zeigen, wie weit die Kontakte der Menschen selbst nach der Auflösung des römischen Reiches und seinen Provinzen immer noch reichten“, so der Archäologe.

Quelle: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

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