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Geschichte|Archäologie

Überraschend gehaltvolle Krokodil-Mumie

Die Krokodil-Mumie im Computertomographen (Foto: Mike Bink). Unten: Der Inhalt wird sichtbar. Die Baby-Krokodile erscheinen blau. (Scan: Interspectral)

Die Form lässt eigentlich nur ein einzelnes einbalsamiertes Krokodil vermuten, doch die computertomographische „Durchleuchtung“ einer altägyptischen Krokodil-Mumie hat nun aufgedeckt: Unter den Bandagen stecken die Überreste von zwei großen sowie dutzenden von Baby-Krokodilen, die jeweils einzeln bandagiert worden waren.

Viele Funde belegen: Nicht nur Menschen bewahrten die alten Ägypter vor dem Verfall nach dem Tode, auch Tiere wurden massenweise mumifiziert und für rituelle Zwecke verwendet. Es handelte sich dabei um die Symboltiere der Götter: Katzen, Falken, Ibisse und auch Krokodile. Die damals im Nil noch weit verbreiteten Reptilien waren die heiligen Tiere des Krokodilgottes Sobek, der als Herrscher über das Wasser und als Fruchtbarkeitsgott verehrt wurde.

Eine solche Krokodil-Mumie gehört zu den Prunkstücken der Sammlung des Nationalen Archäologischen Museums der Niederlande in Leiden. Bereits im Jahr 1996 erregte das drei Meter lange Stück die Neugier der Ägyptologen des Museums und so ließen sie es mittels Computertomographie durchleuchten. Dabei zeigte sich bereits: Unter den Bandagen steckt nicht nur der Überrest eines einzelnen Tieres. Die erste Untersuchung offenbarte zwei mittelgroße Krokodile in dem Bandagen-Gebilde.

Buchstäblich voller Überraschungen

Wegen dieser Entdeckung plante das Museum, die Krokodilmumie in ein interaktives Projekt einzubinden: Besucher sollen Mumien virtuell an einem Bildschirm Schicht für Schicht auseinander nehmen können. Um die dazu nötigen dreidimensionalen Darstellungen zu erhalten, ließ das Museum die Krokodil-Mumie erneut scannen – diesmal mit den modernsten Methoden. Dabei kam es nun zu der neuen Entdeckung: Neben den zwei mittelgroßen Krokodilen stecken in der Mumie dutzende weitere Baby-Krokodile, die jeweils einzeln mumifiziert worden waren. Um dem Objekt die Gestalt einer großen Krokodil-Mumie zu geben, wurden Füllmaterialien verwendet: Holzstücke, Leinen, Pflanzenteile und Seile.

Den Ägyptologen des Museums zufolge könnte es sein, dass die Krokodile unterschiedlichen Alters gemeinsam zu einer Mumie verarbeitet wurden, um den ägyptischen Glauben an Verjüngung und ein neues Leben nach dem Tod zu symbolisieren. Eine weitere Erklärungsmöglichkeit wäre allerdings auch, dass schlicht keine größeren Krokodile zur Verfügung standen. Um dennoch eine eindrucksvolle Opfergabe zu bekommen, bastelten die Mumifizierer deshalb diese Komposit-Mumie.

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Was auch immer damals die Motivation war, die Museumskuratoren sind auf jeden Fall über die Entdeckung begeistert: „Was nur als Instrument für die Museumsbesucher gedacht war, hat neue wissenschaftliche Erkenntnisse produziert – als wir die Arbeit an diesem Projekt begonnen haben, hatten wir das nicht erwartet“, heißt es in der Mitteilung des Museums. Auch das Projekt hat der Fund nun noch spannender gemacht: Ab dem 18. November 2016 können Museumsbesucher eine interaktive virtuelle Autopsie an der Krokodil-Mumie sowie der Mumie eines ägyptischen Priesters durchführen. Auf einem großen Touch-Screen, können sie die skurrilen „Pakete“ dabei Schicht für Schicht untersuchen und erhalten Informationen über die Techniken der Mumifizierung.

Quelle: Nationales Archäologisches Museum der Niederlande in Leiden.
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