Überraschend luxuriöse Spuren der Römerzeit - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Überraschend luxuriöse Spuren der Römerzeit

Blick auf den Fundort in Stuttgart-Bad Cannstatt (Bild: RPS, P. Sikora, ArchaeoBW)

Eigentlich erwarteten die Archäologen die Reste bescheidener Gebäude – doch was sie bei ihren Ausgrabungen im Stuttgarter Stadtteil Bad Cannstatt zutage förderten, waren die Spuren antiken Wohnkomforts: Die Siedlung im Bereich des einstigen Römerkastells am Neckar umfasste demnach mehrerer Wohngebäude in überraschend luxuriöser Bauweise.

Eine Notgrabung war angesagt: Der Neubau mehrerer Wohngebäude mit Tiefgarage an der Essener Straße in Stuttgart-Bad Cannstatt erforderte eine archäologische Untersuchung – denn es war mit Spuren aus der Römerzeit zu rechnen. Wie frühere Funde gezeigt haben, befand sich in diesem Bereich eine antike Siedlung. Sie lag einige hundert Meter vom bekannten „Römerkastell“ von Bad Cannstatt entfernt, in dem Truppen zur Sicherung der Region stationiert waren. Bei der Siedlung handelte es sich um Wohn- und Geschäftshäuser aus dem zweiten und dritten Jahrhundert n. Chr., welche die antike Fernstraße flankierten, die einst Mogontiacum (Mainz) und Augusta Vindelicorum (Augsburg) verband.

Wohnluxus statt Hinterhof-Strukturen

Die Archäologen des Landesamts für Denkmalpflege dachten zunächst, sie hätten es mit einem „Hinterhofareal“ der einstigen Römersiedlung zu tun, denn die untersuchte Fläche befindet sich vergleichsweise weit von den bisherigen Fundbereichen entfernt. Außerdem liegt die Grabungsfläche von der einstigen Römerstraße abgewandt – hinter den Wohn- und Geschäftshäusern der vor knapp 1900 Jahren hier lebenden Händler und Handwerker. Daher erwarteten die Archäologen, zunächst nur auf die Reste von einfachen Holz- und Fachwerkstrukturen zu stoßen, wie etwa von Schuppen, Wirtschaftsgebäuden oder Latrinen.

Doch dann kamen Steinmauern zum Vorschein: Es handelte sich um die etwa einen Meter starken Außenmauern eines großen Gebäudes. Das nun zum Teil freigelegte Gebäude hat eine Breite von über acht Metern und könnte insgesamt 30 Meter lang gewesen sein, berichtet das Team der Grabungsfirma ArchaeoBW. Vermutlich handelte es sich um ein sogenanntes „Streifenhaus“ – ein qualitativ hochwertiges Wohngebäude, das für römische Siedlungen nördlich der Alpen typisch war. Die Archäologen stießen auch auf verkohlte Spuren, in denen sich das Schicksal des Hauses widerspiegelt: Offenbar wurde es im Laufe der Antike durch einen Brand zerstört.

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Bodenheizung und antike Eleganz

Nicht weit von den Resten dieses Gebäudes entfernt, entdeckten die Archäologen anschließend noch mehr Spuren antiken Wohnkomforts: Es handelt sich um die Reste eines weiteren Steinbaus, der über eine Fußboden- beziehungsweise Wandheizung (Hypokaustum) verfügte und dessen Wände einen eleganten mehrfarbigen Wandverputz besaßen. Bei diesem kleineren Gebäude handelte es sich offenbar ebenfalls um ein luxuriös ausgestattetes Wohngebäude, sagen die Archäologen.

Es zeichnet sich ihnen zufolge somit ab, dass sich in Randlage der römischen Siedlung ein gehobenes Wohnquartier befunden hat. Die Funde werfen somit etwas mehr Licht auf die bislang unklare Geschichte des römischen Bad Cannstatt. Klar scheint: Die Gründung der Siedlung war mit der Stationierung der römischen Truppen am mittleren Neckar um das Jahr 100 nach Christus verknüpft. Wie sich der namentlich nicht bekannte Ort entwickelte und ob hier möglicherweise ein sogenanntes „municipium“ bestand – ein Verwaltungssitz mit zumindest regionaler Bedeutung, bleibt bislang allerdings im Dunkel der Geschichte verborgen.

Quelle: Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart

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