Unterwasser-Archäologen erkunden versunkene Steinzeitsiedlung - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Unterwasser-Archäologen erkunden versunkene Steinzeitsiedlung

Taucher beim Erkunden der Steinzeit-Lagune. (Foto: Arne Sjöström)

Vor der Südküste von Schweden haben Archäologen Relikte einer untergegangenen Steinzeit-Siedlung entdeckt. In einer einstigen Lagune fanden sie Überreste von rund 9000 Jahre alten Fischreusen – den ältesten Nordeuropas. Eine nähere Kartierung des Gebiets förderte zudem eine aus einem Elchgeweih gefertigte Axt und zahlreiche Tierknochen mit Schnittspuren zutage. Sie zeugen davon, dass unsere Vorfahren hier am Ende der Eiszeit günstige Bedingungen vorfanden.

Schon vor Tausenden von Jahren bevorzugten viele unserer Vorfahren das Leben an der Küste, denn dort gab es meist reichlich Nahrung in Form von Fischen und Meeresfrüchten. Während der letzten Eiszeit war das Klima am Meer zudem milder als im Inland. Den Archäologen macht es dies allerdings oft schwer, noch Relikte zu finden, denn damals lagen die Meeresspiegel sehr viel niedriger als heute.

Älteste Fischreusen Nordeuropas

Dies gilt auch für ein flaches Meeresgebiet vor der Küste von Haväng im Süden Schwedens. In den letzten Jahren haben Forscher der Universität Lund dort zahlreiche einzigartige archäologische Funde am Meeresgrund entdeckt. „Sedimentrücken mit Holzresten und archäologischen Artefakte erstrecken sich bis zu drei Kilometer weit vor der modernen Küstenlinie“, berichten Anton Hansson und seine Kollegen. Heute stehen über dem Meeresgrund bis zu 20 Meter Wasser, doch in der Zeit vor 11.700 bis 8000 Jahren lag dort eine flache, landgesäumte Lagune.

Im Jahr 2009 entdeckten die Archäologen am Grund der Bucht erste Aufsehen erregende Funde, darunter die ältesten Fischreusen Nordeuropas. Die rund 9000 bis 8500 Jahre alten Fanggeräte bestanden aus miteinander verflochtenen Haselruten, die einen Käfig für Fische bildeten. „Diese Reusen wurden genutzt, um viele Fische zu fangen“, sagt Hansson.

„Ein recht gutes Leben“

Seit diesen ersten Funden haben die Forscher den Meeresgrund der gesamten Bucht bathymetrisch kartiert, um die Form und Größe der einstigen Lagune zu ermitteln. Fossile Pollen und Kieselalgen aus Sedimentbohrkernen halfen ihnen dabei, Klima und Umwelt dieser Region zu rekonstruieren. „Damals begann eine recht milde Klimaperiode des Holozäns“, sagt Hansson. „Ich denke, die Menschen hatten damals ein recht gutes Leben hier. Es gab reichlich Nahrung und zumindest im Sommer ein recht warmes Klima.“

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Am Meeresgrund entdeckte Holzreste und Pollen aus Sedimentbohrkernen belegen, dass die Lagune vor rund 9000 Jahren von einem Wald umgeben war, der vor allem aus Kiefern bestand. Zumindest für einige Zeit im Jahr muss er von den mesolithischen Bewohnern der Region besiedelt worden sein. Von ihrer Anwesenheit zeugen weitere archäologische Funde, die die Wissenschaftler bei ihrer Kartierung machten.

Axt aus Elchgeweih

So fanden sie zahlreiche Knochen und Geweihe von Rothirschen, die Schnitte und weitere Bearbeitungsspuren aufweisen. „Unter den Funden ist auch eine Axt aus einem Elchgeweih, die sehr interessante Inschriften trägt“, berichtet Hansson. „Was diese bedeuten, wissen wir aber natürlich nicht.“ Die Knochen und Geweihe zeugen aber davon, dass diese Menschen neben Fisch auch die Ressourcen ihrer Landumwelt zu nutzen wussten.

„Die Haväng-Fundstelle demonstriert, wie wichtig Ressourcen an Küstenabschnitte in der Nähe von Flussmündungen in der Mittelsteinzeit waren“, konstatieren die Forscher. „Und sie zeigt das große Potenzial heute untergegangener Landschaften für die Paläoökologie.“

   

Anton Hansson stellt die neuen Erkenntnisse zur Lagune von Haväng vor. (Video: Lund Universität/Arne Sjöström)

Quelle: Universität Lund, Fachartikel: Quarternary International, doi: 10.1016/j.quaint.2016.07.059
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