Anzeige
Anzeige
1 Monat GRATIS testen, danach für nur 9,90€/Monat!

Geschichte|Archäologie

Urzeit für reiselustige Einsteiger

Ganggrab
Wie mit urzeitlichen Techniken mehrere Dutzend Tonnen schwere Steine so gestapelt werden konnten, ist Streitpunkt der Wissenschaft. (Foto: pixabay, KWHacbc)
Mit dem Fortschreiten der Erforschung der unterschiedlichen prähistorischen Epochen eröffnen sich auch für Laien neue Möglichkeiten, diese selbst zu entdecken.

Einmal mehr erwies sich vor jüngster Zeit, dass der bisherige wissenschaftliche und populärwissenschaftliche Stand, nachdem Homo neanderthalensis, der „dümmere“ Vorfahr des Homo sapiens sei, kaum noch zu halten ist. Bei Ausgrabungen in der Toskana wurden vor kurzem sehr beeindruckende Holzwerkzeugfunde gemacht, die den nachdrücklichen Beweis erbrachten, dass die Forschung über das Thema Steinzeit im Speziellen und Urgeschichte im Allgemeinen noch längst keinen Abschluss gefunden hat. Und gerade weil diese lange Epoche in Europa sehr gut dokumentiert ist, bieten sich sehr viele Ziele für die eigene Wissensvermehrung an. Der folgende Artikel macht den Anfang mit einer Liste einiger besonders imposanter, erkundbarer Spuren vorzeitlichen Lebens.

Menhiranlage Hirtenwiese

Menhire, also Hinkelsteine, sind vor allem aus dem bretonischen Raum bekannt – aus dieser Sprache stammt auch der Begriff Menhir aus maen (Stein) und hir (lang). Die sogenannte Hirtenwiese ist in diesem Sinne bereits deshalb ein Unikat, weil sie der bislang südlichste Fundort einer Menhiranlage auf dem Gebiet der Bundesrepublik ist. Sie liegt auf dem Gebiet der Gemarkung Roßdorf östlich von Darmstadt.

Es wird vermutet, dass diese Anlage ursprünglich aus 14 Steinen bestand, die aber nach und nach abgetragen wurden. Sehr zum Leidwesen der Forschung ist bekannt, dass in den 1950ern ein Stein durch einen Bauern gesprengt wurde. Andere wurden mutmaßlich aus ähnlichen neuzeitlichen Gründen verlegt. Heute sind noch sieben Stück übrig, die besichtigt werden können.

2. Anlage Glauberg

Der Glauberg in Mittelhessen war über viele Jahrtausende ein starker Anziehungspunkt für urzeitliches Leben. Die ältesten heute bekannten Spuren datieren zurück bis zur Jungsteinzeit. Weitere Funde entstammen der hochinteressanten Urnenfeldkultur, die ihren Namen einem speziellen Bestattungsritus verdankt.

Anzeige

Den mit Abstand nachhaltigsten Eindruck am Glauberg hinterließen jedoch die Kelten. Hiervon zeugt bis heute eine Kultstätte, die aus einer Holzpfahl-Gruppierung rund um einen Grabhügel besteht. Tatsächlich gehört der Glauberg jedoch zu den spät in die Forschung der Keltenzeit aufgenommenen Stätten: Erst Ende der 80er erkannten Heimatforscher den Wert. Mittlerweile arbeitet die DFG an der Anlage und förderte dort imposante Fundstücke zutage, darunter den sensationellen Fund einer bestens erhaltenen keltenfürstlichen Steinfigur. Die gesamte Anlage ist durch den sogenannten Keltenweg am Glauberg gut touristisch und museal erschlossen.

3. Dolmen von Møn

Von allen europäischen Ländern mit Spuren prähistorischen Lebens kann Dänemark für sich in Anspruch nehmen, die reichhaltigste Sammlung an Dolmen, Hünen- und Megalithgräbern präsentieren zu können. Ein in diesem Sinne wirkliches urzeitliches Juwel ist die Insel Møn in der Ostsee.

Die Forschung weiß bislang von beeindruckenden 119 Großsteingräbern, die auf der nur 217km² großen Insel zu finden sind. Interessant ist hier vor allem der teils enorm gute Erhaltungszustand der Dolmen, die hier Gewichte von bis zu 20 Tonnen erreichten. Einige der Gräber gehören zur Kategorie der sogenannten Gangräber – überdeckte Megalithe aus der Trinkbecherkultur. Das gesamte Gebiet der Insel ist sehr gut erschlossen und kann zu jeder Jahreszeit bereist werden.

4. Ness of Brodgar

Lange Zeit ging die Forschung davon aus, dass die beeindruckendste urzeitliche Kultstätte auf den britischen Inseln das legendäre Stonehenge sei. Seit 2008 musste diese Ansicht jedoch wiederholt korrigiert werden. Auf der Insel Mainland, zu den nordschottischen Orkney-Inseln gehörig, wurde auf der Landzunge Ness of Brodgar 2008 eine 500m² große Tempelanlage entdeckt, die um 3200 vor unserer Zeitrechnung errichtet wurde.

Die Anlage ist nicht nur wegen ihrer Abmessungen und der für diese Epoche bislang unbekannten Feinheit der Bearbeitungstechniken aufsehenerregend. Vielmehr wurde das gesamte Gebiet der Orkneys bereits seit der viktorianischen Zeit archäologisch bearbeitet und galt als bestens erforscht. Für die Forscher der University of the Highlands, die mit den Ausgrabungen betraut sind, stellt der Ness of Brodgar sogar einen derartigen Wert dar, dass sie der Ansicht sind, die Geschichte Großbritanniens müsse umgeschrieben werden. Einziger Wermutstropfen: Da die Ausgrabungen noch andauern, ist die Besichtigung nur mit Einschränkungen möglich.

5. Dolmen von Bagneux

In der Nähe von Samur, an der Loire gelegen, befindet sich einer der bis dato eindrucksvollsten Dolmen Europas auf dem Gebiet des Ortes Bagneux. Insgesamt besteht die Konstruktion, die wie viele andere Dolmen ebenfalls aus Sandstein behauen wurde, aus knapp zwei Dutzend einzelnen Elementen.

Was Forscher seit den ersten Ausgrabungen und Vermessungen in diesem Areal Mitte des 18. Jahrhunderts faszinierte und fasziniert, sind die Abmessungen. Der Dolmen misst beinahe 23 Meter und die schwersten Platten kommen auf ein Gewicht von knapp hundert Tonnen. Das Gesamtgewicht der Anlage wird auf mehr als 500 Tonnen geschätzt. Ebenfalls interessant ist die Tatsache, dass keine Ausgrabung in der Zentralkammer etwas von Bedeutung hervorbrachte. So sind beispielsweise keinerlei Knochenfunde bekannt, die sonst für solche Anlagen beispielhaft sind. Der Dolmen steht auf eingezäuntem Privatgelände, kann aber gegen eine geringe Gebühr besichtigt werden.

6. Goloring bei Koblenz

Nicht ganz so alt wie die bisherigen Anlagen ist der sogenannte Goloring. Er wird auf die Eisenzeit datiert und besteht aus einem Erdwerk, welches aus Wall und Graben errichtet wurde. Imposant ist das gesamte System bereits deshalb, weil der äußere Durchmesser beinahe 200 Meter beträgt und absolut kreisrund ist. Welchen Zwecken der Goloring diente, der zwar den Titel „bei Koblenz“ trägt, aber zur Gemeinde Kobern-Gondorf gehört, ist noch nicht restlos erforscht.

Aktuell geht die Wissenschaft davon aus, dass es sich um eine Kultstätte handelt. Unterstützt wird diese These durch mehrere sich im direkten Umfeld befindliche Hügelgräber, die mittlerweile zu einem großen keltischen Rundwanderweg verbunden wurden. Allerdings mit einem Nachteil: Der Goloring selbst liegt auf dem Gelände eines ehemaligen Bundeswehr-Standortes. Zwar wurde dieser aufgegeben und der Ring selbst durch Entforsten freigelegt, allerdings ist das Areal umzäunt und kann nur im Rahmen zuvor angemeldeter Führungen besichtigt werden. Ansprechpartner ist die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz.

Anzeige
Anzeige

Videoportal zur deutschen Forschung

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

Xy|li|tol  〈n. 11; Chem.〉 natürlicher Zuckeralkohol, der als Zuckeraustauschstoff in Lebensmitteln, vor allem in Kaugummis, verwendet wird u. vorbeugend gegen Karies wirkt; Sy Xylit … mehr

Kar|dio|lo|ge  〈m. 17; Med.〉 Facharzt für Herzkrankheiten

Vul|ka|ni|sat  〈[vul–] n. 11〉 vulkanisierter Kautschuk

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]
[class^="wpforms-"]