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Geschichte|Archäologie

Venedig kann sehr kalt sein

Otto Carl Erdmann von Kospoth (1753–1817) ist ein heute weitgehend vergessener Komponist. Aus einem vogtländischen Adelsgeschlecht stammend, diente er seit 1777 am Hof Friedrichs des Großen als Kammerherr und maître de plaisir. Zahlreiche Bühnen- und Orchesterwerke stammen aus der Feder des in seiner Zeit beliebten Musikers. Von einer Bildungsreise, die Kospoth 1783 unternahm und während derer er zwischen Juni und Dezember in Venedig weilte, ist ein Tagebuch erhalten geblieben, das uns spannende Aufschlüsse über das Kultur-leben der Lagunenstadt und über deutsch-italienische Mentalitätsunterschiede gibt.

Venedig hatte zum Ende des 18. Jahrhunderts den Zenit seiner Bedeutung längst überschritten, doch noch immer waren glanzvolle Feste und Konzerte an der Tagesordnung. Fasziniert berichtet Kospoth etwa von einem Wasserfest mit 3000 Gondeln, „meistens mit bunden papirnen Laternen erleuchtet“, zu Ehren der heiligen Martha, von einer „großen Music“ in der festlich geschmückten Kirche San Lorenzo, von einer Regatta auf dem Canal Grande, an der der Doge und die nobili in vergoldeten Barken teilnahmen, von pompösen Leichenprozessionen und engelsgleich singenden Mädchen im Ospedaletto dei Mendicanti.

Kospoth amüsiert sich zunächst nach Kräften, komponiert fleißig und findet mit der Uraufführung seiner Oper „Timante und Emirene“ großen Anklang. Doch sein Text zeugt auch von den alltäglichen Problemen eines Deutschen in Italien. Im Sommer von Stechmücken, großer Hitze und Koliken geplagt, klagt Kospoth seit Mitte Oktober über Kälte und den ewigen Nebel. „Ein Deutscher muß nun wohl Winter Kleider tragen, obgleich die Italiener noch immer Sommer machen“. Immer inbrünstiger sehnt er eine Wärmequelle herbei: „Von Ofens weiß man in Italien nichts; Vivant, die teutschen Kachelofen.“ Große Tonvasen mit glühenden Kohlen in den Zimmerecken vermögen ihn nicht genügend zu wärmen.

Die Damen, die der Komponist auf den zahlreichen Bällen trifft, sind zwar „erstaunlich höfflich“ aber auch „zudringlich“. Statt bis zum Morgen zu feiern, verlässt er den Saal um ein Uhr nachts, außerstande, die Kondition der feiernden Venezianer aufzubringen: „Legte mich aber nach deutscher Ordnung zur rechten Zeit zu Bette, die Italienische Unordnung gefällt mir garnicht“. Ihm, der „wegen der Witterung mager zum durchblasen“ geworden ist, geht nun das ewige Glockenläuten auf die Nerven. Sein Missbehagen kulminiert in einer Generalkritik an den Venezianern: Die Narrheit sei das „gewöhnliche Symbolum“ der Venezianer, die „nur an das Wohlleben gewöhnt sind und dabey für den geringsten Preiß Ehre und Reputation Preiß geben. Gott ehre mir die Teutschen, wo doch noch hin und wieder Ehrlichkeit und Ehre liebende Menschen angetroffen“ würden.

Literatur: Otto Carl Erdmann von Kospoth, Von Berlin nach München und V4enedig. Tagebuch einer musikalischen Reise im Jahre 1783. Weißenhorn 2006.

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Quelle: Dr. Heike Talkenberger
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