Verborgener Text auf Herculaneum-Schriftrolle enthüllt - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Geschichte+Archäologie

Verborgener Text auf Herculaneum-Schriftrolle enthüllt

Herculaneum-Rolle
Verkohlt und zerstückelt: Aufgeklebte Fragmente der Schriftrolle PHerc. 1691-1021 aus Herculaneum. (Bild: A. Tournié/ Centre de Recherche sur la Conservation)

Vor fast 2000 Jahren wurde die Bibliothek von Herculaneum vom Ausbruch des Vesuvs verschüttet. Jetzt haben Forscher zumindest Teile der verlorenen Schriften wieder lesbar gemacht. Möglich wurde dies mit speziellen Nahinfrarot-Aufnahmen, die Teile eines antiken Philosophie-Lehrbuchs auf der Rückseite einer bereits entrollten und aufgeklebten Schriftrolle sichtbar machten. Mit dieser Methode könnten nun auch weitere antike Schriftrollen gescannt werden.

Als der Vesuv im Jahr 79 nach Christus ausbrach, begrub er die Städte Pompeji und Herculaneum unter meterdicken Aschenschichten. In Herculaneum wurde damals auch eine Bibliothek mit hunderten Papyrusdokumenten verschüttet – viele davon enthielten einzigartige Abhandlungen griechischer Philosophen. Bereits im 18. Jahrhundert konnten Archäologen einige dieser wertvollen Schriftrollen bergen – wenn auch teilweise angekohlt und zusammengepresst.

Reste eines antiken philosophischen Lehrbuchs

Schon damals gab es erste Versuche, einige der Schriftrollen aus Herculaneum zu entrollen und die Texte auf ihnen zu entziffern und zu transkribieren. Das Problem jedoch: Die Archäologen klebten die entrollten Fragmente dafür auf feste Pappunterlagen, um den fragilen Papyrus zu stabilisieren. Dadurch jedoch blieb zwar die Vorderseite sichtbar, die Rückseite aber ist seither dauerhaft den Blicken entzogen. Doch zumindest von einigen zwischen 1795 und 1798 entrollten Schriftrollen weiß man aus einer unvollständigen Abschrift, dass auch die Rückseite mit Text beschriftet war. So enthielt die als PHerc. 1691/1021 bezeichnete Rolle offenbar Texte eines vom griechischen Philosophen Philodemus verfassten Lehrbuchs zur Geschichte der großen griechischen Denker.

„Die Herausforderung liegt heute darin, den Text auf der Rückseite durch nicht invasive Bildgebungsmethoden lesbar zu machen, ohne dass man die Papyrusfragmente von ihrer stützenden Unterlage entfernt“, erklären Projektleiter Graziano Ranocchia von Nationalen Forschungsrat in Rom und sein Team. Mit bisherigen Verfahren dieser Art, darunter Röntgentechniken und Multispektralaufnahmen, ist es Forschern bereits gelungen, Textteile aus noch zusammengerollten Schriftrollen aus Herculaneum oder verblasste Testteile ausgebreiteter Papyrusfragmente zu lesen. Doch die Rückseite der Herculaneum-Papyri wurden bisher nicht sichtbar gemacht.

Neue Textpassagen und Randnotizen enthüllt

Jetzt jedoch ist Ranocchia und seinem Team dies gelungen: Sie setzten dafür eine spezielle Aufnahmetechnik im Nahinfrarot-Bereich ein, bei der sie die fragilen Papyrus-Fragmente der Rolle PHerc. 1691/1021 mit Licht der Wellenlängen bis zu 2500 Nanometer bestrahlten. Diese Strahlung ist langwelliger als das sichtbare Licht und kann daher auch die dünnen Papyrusschichten der Rollen durchdringen. Die mithilfe spezieller Software nachbereiteten Aufnahmen erlaubten erstmals einen zerstörungsfreien Blick auf den Rückseitentext: „Wir konnten an verschiedenen Stellen des Papyrus Gruppen von Buchstaben und Wörtern lesen, die zweifelsfrei von der Rückseite der Rolle stammen“, berichten die Wissenschaftler.

Anzeige

Vergleiche mit den vor rund 220 Jahren transkribierten Textpassagen belegten, dass es sich um Teile aus dem Lehrbuch des Philodemus handelt. „Einige der Passagen konnten so leicht identifiziert werden“, berichten Ranocchia und seine Kollegen. Dies ermöglichte es unter anderem, einige Fehler in den alten Abschriften zu korrigieren. Noch spannender aber ist, dass die Hyperspektral-Aufnahmen auch einige zuvor unentdeckte Textpassagen enthüllten. „Wir haben dadurch einige ganz neue Textteile entdeckt“, so die Forscher. Und auch auf der Vorderseite gab es neue Entdeckungen: Die Aufnahmen ließen nicht nur den schon zuvor sichtbaren Text klarer erscheinen, sie enthüllten auch zahlreiche zuvor unsichtbare Randnotizen.

„Diese ermutigenden Ergebnisse lassen eine zukünftige Untersuchung der gesamten Herculaneum-Sammlung und anderer Papyri mit dieser Methode sowohl möglich als auch wünschenswert erscheinen“, konstatieren Ranocchia und seine Kollegen

Quelle: Science Advances, doi: 10.1126/sciadv.aav8936

Anzeige

DAMALS | Aktuelles Heft

Bildband DAMALS Galerie

Anzeige

Wissenschaftslexikon

Gal|li|um|ar|se|nid  〈n. 11; Chem.〉 dunkelgraue krebserregende Kristalle, die in der elektronischen Industrie u. a. für Fotozellen u. Transistoren als Halbleiter verwendet werden

Prin|zi|pal  I 〈m. 1; veraltet〉 1 Geschäftsinhaber 2 Lehrherr ... mehr

♦ Ma|gne|tit  〈m. 1; unz.; Min.〉 schwarzes Mineral, bedeutendstes Eisenerz; Sy Magneteisenstein ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige