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Geschichte|Archäologie

Verborgener Tunnel unter der Mondpyramide

Unter der Mondpyramide von Teotihuacan gibt es einen Tunnel (Foto: Melitón Tapia / INAH)

Unter einer der Stufenpyramiden von Teotihuacan haben Archäologen einen verborgenen Tunnel entdeckt. Er erstreckt sich in gerade Linie von der Mondpyramide bis auf den Platz des Mondes. Wozu dieser Tunnel den Menschen dieser präkolumbianischen Hochkultur diente, ist bislang unbekannt. Die Archäologen halten es aber für möglich, dass er Teil einer größeren unterirdischen Ritual-Anlage war.

Spurensuche im Untergrund

Kurz nach Christi Geburt war Teotihuacan eine der größten Städte der Welt: Bis zu 125.000 Einwohner lebten in diesem kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum präkolumbianischer Kultur. Heute sind von ihrer einstigen Größe vor allem die Ruinen der gewaltigen Stufentempel erhalten, darunter die Pyramide der Sonne und die des Mondes. Letztere wurde in der Zeit von 100 vor bis 450 nach Christus in mehreren Etappen errichtet. Im Inneren der 46 Meter hohen Pyramide haben Archäologen bereits vor einigen Jahren Gräber mit menschlichen Überresten und Tieropfern entdeckt.

Ob sich im Untergrund unter und neben der Mondpyramide weitere Hohlräume befinden, haben Forscher des mexikanischen Nationalinstituts für Anthropologie und Geschichte (INAH) in den letzten Monaten untersucht. Dafür nutzten sie eine Art elektrische Tomografie: Sie leiten Strom in den Untergrund und messen über spezielle Elektroden die Leitfähigkeit des Bodens. Weil verschiedene Materialien den Strom unterschiedlich gut leiten, lässt sich daraus eine dreidimensionale Karte des Untergrunds erstellen.

Ein gerader Tunnel

Vor wenigen Wochen wurden die Archäologen dabei fündig: Sie entdeckten einen geraden Tunnel, der sich in zehn Metern Tiefe vom Rand der Mondpyramide bis unter den Vorplatz erstreckt. Es handelt sich demnach um einen künstlich angelegten Tunnel, der möglicherweise sogar Teil eines größeren Netzwerks unterirdischer Gänge und Kammern war, erklären die Forscher.

Der Tunnel unter der Mondpyramide ist nicht der einzige und erste in Teotihuacan entdeckte. Auch unter der Sonnenpyramide und dem Tempel des Quetzalcoatl haben Archäologen bereits unterirdische Gänge gefunden. Diese wurden aber teilweise schon im 16. Jahrhundert von den Bewohnern der Region geplündert. Die Forscher hoffen nun, dass der neu entdeckte Tunnel vielleicht unberührt geblieben ist. Dann könnte er wertvolle Hinweise darauf liefern, wozu diese unterirdischen Anlagen einst genutzt wurden.

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Spiegel der Unterwelt?

Ob der Tunnel Gegenstände und vielleicht sogar Ritualobjekte enthält, wissen die Archäologen noch nicht. Sie halten es aber für durchaus möglich, dass der Tunnel rituellen Zwecken diente. Denn von den Bewohnern von Teotihuacan ist bekannt, dass sie der Unterwelt und dem Leben nach dem Tod eine große Bedeutung zumaßen. So tauchen in vielen Wandmalereien Motive auf, die mit dem Tot verknüpft sind und die Toten wurden in aufwändigen Ritualen und mit Beigaben bestattet.

„Möglicherweise dienten die unterirdischen Tunnel als eine Art Spiegel der Unterwelt“, mutmaßt Projektleiterin Verónica Ortega. „Sie galt als der Ort, an dem das Leben, Pflanzen und auch die Nahrung erschaffen wurde.“ Daher sei es gut möglich, dass die Bewohner von Teotihuacan in dem Tunnel Zeremonien beispielsweise zu wichtigen landwirtschaftlichen Phasen durchführten.

Alter noch unklar

Noch unbekannt ist auch, wann der Tunnel unter der Mondpyramide gegraben wurde. Theoretisch wäre es möglich, dass er schon vor Baubeginn der Pyramide entstand – als Teil einer umfangreichen vorbereitenden Weihe des Platzes, wie die Archäologen erklären. Darauf könnten ihren Angaben nach auch Überreste einiger Gräben und Kanäle hindeuten, die mittels Bodenradar im Umfeld der Mondpyramide entdeckt wurden.

Zudem haben Archäologen einige grünliche Megalithsteine an der Vorderseite der Mondpyramide entdeckt. „Solche Steine waren für Teotihuacan sehr wertvoll“, erklärt Ortega. „Diese Elemente sprechen dafür, dass es vor der Konstruktion der Pyramide eine Heiligung dieses Ortes gab.“ Die Forscher hoffen, durch künftige Untersuchungen mehr Aufschluss über mögliche weitere unterirdische Anlagen und deren Zweck zu bekommen.

Quelle: National Institute of Anthropology and History (INAH)
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