Verräterische Blutspuren - wissenschaft.de
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Verräterische Blutspuren

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Blutspuren können der Gerichtsmedizin Informationen über das Alter der Person liefern. Bild: Xenia B. / pixelio.de
Eine Blutprobe könnte Gerichtsmedizinern schon in naher Zukunft genügen, um das Alter von Menschen zu ermitteln: Niederländische Wissenschaftler haben eine Methode entwickelt, die auf der Untersuchung im Blut enthaltener Abwehrzellen beruht. In ersten Tests sei es mit Hilfe des neuen Verfahrens erfolgreich gelungen, die Personen, von denen die Blutproben stammten, in je 20 Jahre umfassende Alterskategorien einzuteilen. Zwar ist die Genauigkeit damit deutlich geringer als die, die anhand von Knochen erzielt werden kann – besonders Zähne lassen oftmals eine sehr genaue Einschätzung mit nur wenigen Jahren Abweichung zu. Dennoch schätzen die Forscher ihre Entdeckung als sehr bedeutungsvoll ein: Bei vielen Verbrechen stünden schlicht keine Knochen zur Verfügung, dafür aber Blutflecken – vom Täter oder von vermissten Personen und potenziellen Opfern einer Gewalttat. Manfred Kayser vom Erasmus MC University Medical Center Rotterdam und seine Kollegen stellen die neue Methode vor

Die Basis des Verfahrens bilden die sogenannten T-Lymphozyten, kurz T-Zellen. Diese gehören zu den weißen Blutkörperchen und sind ein wichtiger Bestandteil der Immunabwehr: Mit Hilfe spezieller Rezeptoren, die sich an ihrer Zelloberfläche befinden, begutachten sie fremde Zellen und stufen den Fremden als Freund oder Feind ein. In letzterem Fall setzen sie anschließend die Körperabwehr in Gang.

Die Untersuchung der Eindringlinge geht vonstatten, indem sich die T-Zellen mit ihren Andockstellen an charakteristische Eiweißstrukturen des Fremden anheften, die sogenannten Antigene. Damit möglichst viele unterschiedliche Fremde erkannt werden können, müssen die T-Zellen entsprechend viele verschiedene Rezeptoren besitzen. Das erreichen sie durch einen ständigen Umbau ihres Erbmaterials. Dabei fallen, sozusagen als Ausschuss, kleine ringförmige DNA-Bruchstücke an, die kurz sj-TRECs genannt werden.

Deren Zahl nimmt mit fortschreitendem Lebensalter des Menschen kontinuierlich ab. Diesen Fakt machen sich die Wissenschaftler zunutze: Sie bestimmen den Gehalt an sj-TRECs einer Blutprobe und vergleichen das Ergebnis mit Standardwerten, die sie zuvor mit Hilfe von Proben verschiedener Personen bekannten Alters ermittelten. Daraus leiten sie dann das Alter der unbekannten Person ab. Die Forscher schätzen, dass die neue Methode schon bald in die forensische Praxis Einzug halten könnte.

Manfred Kayser (Erasmus MC University Medical Center Rotterdam) et al.: Current Biology(DKfZ), Bd. 20, Nr. 22 dapd/wissenschaft.de ? Mascha Schacht
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