„Vertraute Ferne“ - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

„Vertraute Ferne“

Hansekanne, Schwerin, um 1580. St.-Annen-Museum Lübeck

2012 steht ganz Lüneburg im Zeichen der Hanse – das gilt auch für das Ostpreußische Landesmuseum mit seiner zukünftigen deutschbaltischen Abteilung. Denn natürlich bildet gerade die Hanse die wesentliche Klammer, mit der sich Kultur und Geschichte von Lüneburg, Ostpreußen und der Deutschbalten in einer kulturhistorisch bedeutsamen Schnittmenge verbinden lassen.

Daher thematisiert diese Ausstellung nicht eine einzelne Hansestadt, auch nicht als übersichtsartig die Hanse-Geschichte in Gänze, sondern sie rückt die Internationalität der Hanse, ihre überraschend ausgeprägte kulturelle Homogenität und die davon profitierenden Menschen des Hanseraums in den Mittelpunkt. Wie einst die hansischen Kaufleute haben daher das Kuratorenteam aus zahlreichen nordeuropäischen Ländern die historischen Zeugnisse der Hanse für Lüneburg zusammengetragen.

Fast 200 einzigartige und wertvolle, teils noch nie gezeigte Exponate von über 40 Museen aus sieben europäischen Ländern, aber auch aus den Schatzkammern Lüneburgs, aus dem Archiv, der Ratsbücherei und des Rathauses, erklären den Besuchern in der wohl seit vielen Jahren bedeutendsten Hanseausstellung die mittelalterliche Welt des Hanseraums.

Neueste Forschungserkenntnisse aufgreifend befragt die Ausstellung die jahrhundertealten Exponate auf ungewohnte, überraschende Zusammenhänge und Theorien. Die Ausstellung rückt den Raum selbst in den Mittelpunkt, in dem die hansischen Akteure mit ihrer Mobilität und ihrer mündlichen wie schriftlichen Kommunikation eine „vertraute Ferne“ schufen. In sechs Themenbereichen wird auf anschauliche Weise beleuchtet, wie die hansischen Kaufleute bei oft wochenlangen Reise- und Transportzeiten ein funktionierendes Handels- und Kommunikationsnetz knüpfen konnten. Vielegeographisch weit entfernte Hansestädte standen dem mittelalterlichen Reisenden durch die gemeinsame niederdeutsche Sprache, die Architektur der Backsteingotik oder durch die Verehrung derselben Heiligen kulturell näher als benachbarte Städte etwa im weiter südlich liegenden deutschsprachigen Raum. Bewusst werden aber auch gängige Klischees über die Hansezeit aufgegriffen und hinterfragt.

Der Rundgang führt ein in die räumliche Ferne der Hanse, ihre kulturelle Nähe, sie thematisiert den Transport der Handelsgüter und stellt Orte der Kommunikation wie auch die Mobilität der Menschen im hansischen Raum gegenüber. Im Ausklang wird angesprochen, wie vielfältig die Hanse bis heute ein Nachleben führen konnte.

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Hierzu werden einzigartige Originale des Mittelalters und der Frühen Neuzeit präsentiert. Urkunden, Briefe und Bücher aus den Archiven zahlreicher Hansestädte verzaubern eben so wie die vielen archäologischen Funde, die Auskunft geben über die Alltagskultur vom belgischen Brügge bis ins estnische Reval (Tallinn). Wertvolle Kunstwerke, aber auch Mitmach- und modernste Multimediastationen versprechen neben kulturhistorischen Höhepunkten Spaß für die ganze Familie.

Der einst länderübergreifend wirkende historische Verbund hansischer Kaufleute und Städte kann durchaus auch auf die gegenwärtige Realität der Kulturarbeit des Ostpreußischen Landesmuseums hinweisen, das mit seinen grenzüberschreitenden Aktivitäten das Verständnis füreinander in Deutschland und seinen östlichen Nachbarländern fördern will, junge und alte Menschen westlich und östlicher der Oder zusammenbringt und auf den hierzulande nahezu vergessenen ungeheuren kulturhistorischen Reichtum des nordöstlichen Europas aufmerksam machen möchte.

Zur Ausstellung ist eine Begleitpublikation erstanden. Auf 120 Seiten werden durch anerkannte Fachleute Teilaspekte der Hansegeschichte beleuchtet und neue Impulse gegeben für eine weiterführende Auseinandersetzung mit dem Thema.

Joachim Mähnert, Stephan Selzer (Hg.): Vertraute Ferne. Kommunikation und Mobilität im Hanseraum, Husum Verlag, gebunden und durchgehend farbig.

Quelle: Franziska Lein
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