Verzierte „Snackbar“ in Pompeji entdeckt - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Verzierte „Snackbar“ in Pompeji entdeckt

Fresko auf einer Seite der Theke: Eine Meeres-Nymphe auf einem Hippokamp. (Bild: Archäologischer Park von Pompeji)

Vielleicht standen einst warme Linsen und ein Becher Wein im Angebot: Archäologen haben bei Ausgrabungen in Pompeji die Überreste eines mit Fresken verzierten Thermopoliums entdeckt. Es handelt sich dabei um das antike Pendant zur heutigen Imbissbude. Dieser Fund gehört zu einer Reihe interessanter Entdeckungen, die den Archäologen in der letzten Zeit in einem bisher noch nicht komplett freigelegten Teil der antiken Stadt geglückt sind.

Kein anderer Fundort hat so viele Einblicke in das städtische Leben im Römischen Reich ermöglicht wie Pompeji. Als im Jahr 79 n. Chr. der Vesuv die Stadt unter Schutt und Asche begrub, war dies ein Drama für die Bevölkerung, doch ein Glücksfall für Archäologen und Historiker: Wie in einer Art Zeitkapsel wurden viele Strukturen der antiken Stadt konserviert. Die Ausgrabungsgeschichte reicht mittlerweile schon Jahrhunderte zurück und große Teile der Stadt wurden freigelegt. Doch noch immer gibt es Neues zu entdecken.

Zweites Fresko der „Snackbar“. (Bild: Archäologischer Park von Pompeji)

Derzeit finden Ausgrabungen in der sogenannten Region V von Pompeji statt. Sie liegt im nördlichen Siedlungsbereich und ist der Öffentlichkeit bisher nicht zugänglich.

Eine Nymphe zierte den Tresen

Der aktuelle Fund glückte den Archäologen im Bereich der Kreuzung der antiken Straßen Vicolo delle Nozze d’Argento und Vicolo dei Balconi. Wie der Archäologische Park von Pompeji des italienischen Ministeriums für Kulturgüter und Tourismus berichtet, handelte es sich bei der baulichen Struktur um ein Thermopolium. Der Begriff kommt aus dem Griechischen und bedeutet soviel wie „ein Ort, an dem Warmes verkauft wird“. Diese für römische Städte typischen kleinen Straßenlokale nutzten vor allem Menschen, die selbst keine Kochmöglichkeiten in ihrer Wohnung hatten. In einem Thermopolium bekamen sie einfache warme Speisen und Getränke wie etwa Hülsenfrüchte und gewürzten Wein aus großen Vorratsgefäßen serviert. Aus Pompeji sind bereits zahlreiche dieser Einrichtungen bekannt. Einige von ihnen sind mit Fresken geschmückt – so auch das neue Beispiel.

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Die Theke der „Fast Food-Bar“ ist auf einer ihrer Flächen mit einer aquatischen Darstellung verziert. Sie zeigt eine Nereide – eine Meeres-Nymphe, die mit ihrer Harfe auf einem Hippokamp sitzt, einem mythischen Mischwesen aus Pferd und Fisch. Auf einer anderen Fläche der Theke ist wahrscheinlich eine Szene aus dem Thermopolium selbst dargestellt, berichtet der Archäologische Park von Pompeji. Unter anderem sind Amphoren auf dem Fresko abgebildet, die genau denjenigen entsprechen, welche die Forscher ebenfalls am Fundort entdeckt haben.

Noch immer gibt es antike Schätze zu entdecken

Darstellung des Narziss in einem Haus der Region V (Bild: Archäologischer Park von Pompeji)

„Diese Strukturen sind zwar bereits gut bekannt aus Pompeji, aber ein weiteres Thermopolium zu entdecken sowie Gegenstände, die mit dem kommerziellen und damit täglichen Leben zusammenhingen, ist faszinierend“, sagt Alfonsina Russo vom Archäologischen Park von Pompeji. „Dieser Fund verbindet uns emotional mit den tragischen Geschehnissen bei dem Vulkanausbruch, der uns diese einzigartigen Einblicke in die römische Zivilisation ermöglicht hat“, so Russo.

In den letzten Monaten haben die Archäologen in der Region V bereits viele weitere interessante Entdeckungen gemacht. Unter anderem legten sie an verschiedenen Stellen elegante Fresken frei. Zuletzt stießen sie in in einem Gebäude des Bereichs auf eine Darstellung des berühmten Jünglings Narziss aus der griechischen Mythologie, der sich der Sage nach in sein eigenes Spiegelbild im Wasser verliebt hat. Zuvor hatten sie in den Überresten eines Schlafzimmers eine Abbildung der mythischen Gestalt Leda mit dem Schwan auf dem Schoß ans Tageslicht gebracht. Außerdem sind die Archäologen in der Region V erneut auf menschliche Überreste gestoßen, die Einblicke in das Schicksal der Bewohner Pompejis gewährt haben.

Man darf nun gespannt sein, was die Ausgrabungen noch alles ans Tageslicht fördern werden.

Quelle: Parco Archeologico di Pompei 

Weiterer Fund in der Region V: Ein Fresko der Leda mit Zeus in der Gestalt eines Schwans auf dem Schoß. (Bild: Archäologischer Park von Pompeji)

 

 

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