Verzierten Straußeneiern auf der Spur - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Verzierten Straußeneiern auf der Spur

Dieses verzierte Straußenei stammt aus einem ewta 2600 Jahre alten Grab in Italien.(Bild: Tamar Hodos/ University of Bristol)

Lange bevor sie zum Symbol für Ostern wurden, schätzten schon die Menschen der Bronze- und Eisenzeit verzierte Eier – und zwar besonders große: Kunstvoll dekorierte Straußeneier wurden im Mittelmeerraum und dem Nahen Osten weit gehandelt. Nun präsentieren Archäologen Einblicke in die Geschichte dieser ungewöhnlichen Luxusgüter. Ihre Untersuchungsergebnisse weisen auf einen erstaunlich komplexen Hintergrund der Produktion und des Handels hin.

Sie wurden graviert, bemalt und manchmal auch in edle Materialien gefasst: Verzierte Straußeneier sind aus zahlreichen Grabfunden im Mittelmeerraum und des Nahen Ostens bekannt, berichten die Forscher um Tamar Hodos von der University of Bristol. Vor allem in der Zeit vom dritten bis zum ersten Jahrtausend v. Chr. waren sie demnach bei den Eliten beliebt und stellten vermutlich ein Statussymbol dar. Die Eier wurden auch weit gehandelt: Da Strauße in Europa nicht heimisch sind, müssen verzierte Eier aus archäologischen Kontexten der Bronze- und Eisenzeit in Griechenland, Italien und Spanien aus dem Nahen Osten oder Nordafrika importiert worden sein, wo Strauße damals verbreitet waren.

Luxusgüter der besonderen Art

Um solche weit gereisten Stücke handelte es sich auch bei fünf dekorierten Straußeneiern aus der Sammlung des Britischen Museums. Sie stammen aus einem etruskischen Grab in Italien, das auf die Zeit von 625 bis 550 v. Chr. geschätzt wird. Die Eier sind graviert und bemalt. Zu den dekorativen Motiven gehören Tiere, florale Elemente, aber auch Personen und Streitwagen. Alle Eier waren zu Gefäßen mit Metallelementen verarbeitet worden. Diese Teile sind zwar nicht erhalten geblieben, aber Verfärbungen an den Eierschalen zeigen, wo einst etwa die metallenen Gefäßhälse fixiert waren, berichten die Forscher. Der Stil scheint darauf hinzudeuten, dass sie aus dem Nahen Osten oder Nordafrika stammen.

Die Schalen wurden durch Gravieren oder Abschleifen mit Ornamenten verziert. (Bild: Tamar Hodos/ University of Bristol)

Im Rahmen ihrer Studie haben Hodos und ihre Kollegen diese fünf Stücke und weitere Straußeneier der Sammlung des Britischen Museums von insgesamt 15 Fundorten im Mittelmeerraum, Nordafrika und der Levante mit modernen Methoden der Archäologie untersucht. Im Fokus standen dabei Hinweise darüber, woher die Straußeneier stammten, ob die Strauße in Gefangenschaft gehalten worden waren und Informationen über die künstlerischen Techniken.

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„Geklaute“ Eier und komplexer Handel

Zur Untersuchung der Herkunft analysierten die Forscher Isotopenmuster in den Eierschalen. „Strauße waren im östlichen Mittelmeerraum und in Nordafrika beheimatet. Mithilfe einer Vielzahl von Isotopenindikatoren konnten wir Eier unterscheiden, die in den verschiedenen Klimazonen gelegt wurden“, erklärt Hodos. „Dabei zeigte sich, dass Eier aus Klimazonen an Orten in der jeweils anderen Klimazonen gefunden wurden, was auf ausgedehntere Handelsrouten schließen lässt. Dies verdeutlicht, wie überraschend vernetzt die damalige Welt bereits war“, so die Wissenschaftlerin. Aus Vergleichen von bestimmten Merkmalen der Eierschalen ging zudem hervor: Obwohl es historische Belege für die Haltung von Straußen in der Antike gibt, wurden die Eier für die Herstellung der Kunstobjekte offenbar den Nestern von Wildvögeln entnommen. Wie die Forscher betonen, war die Beschaffung somit nicht ganz ungefährlich, denn Strauße können lebensgefährliche Tritte austeilen.

Wie die Forscher durch mikroskopische Untersuchungen und Experimente zeigen konnten, setzten die Künstler unterschiedliche Werkzeuge und Techniken ein, um die Eier zu dekorieren. „Wir haben bei den Experimenten außerdem festgestellt, dass Eier eine gewisse Zeit zum Trocknen benötigen, bevor die Schale verarbeitet werden kann. Dies hatte sicherlich wirtschaftliche Auswirkungen, da die Lagerung eine langfristige Investition darstellte“, sagt Hodos. „Das gesamte System der Produktion von dekorierten Straußeneiern war viel komplizierter, als wir es uns vorgestellt hatten“, resümiert die Wissenschaftlerin. So sind nun noch viele Fragen offen. Wie die Forscher betonen, handelt es sich bei der Publikation gleichsam um einen Zwischenbericht ihrer Arbeit: Sie wollen nun den Geheimnissen der dekorierten Straußeneier weiter nachgehen.

Quelle: University of Bristol, Fachatikel: Antiquity, doi: 10.15184/aqy.2020.14

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