Forschung „via regia – 800 Jahre Bewegung und Begegnung“ - wissenschaft.de
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Forschung

„via regia – 800 Jahre Bewegung und Begegnung“

Im Mittelpunkt dieser Landesausstellung, die bis zum 31. Oktober zu sehen sein wird, steht eine Straße, die via regia. Sie war Teil eines weitreichenden Wegenetzes und verband den Osten Mitteleuropas mit dem Westen. Die historische Strecke führte von Frankfurt/ Main über Erfurt, Leipzig nach Görlitz und weiter über Breslau bis nach Krakau. 1252 wurde die via regia als „strata regia“ erstmals urkundlich erwähnt. Prof. Martin Roth, der Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden: „Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden haben sich der Herausforderung gestellt, die Bedeutung und Erinnerung an die via regia im zusammenwachsenden Europa – und damit ein wichtiges Stück sächsischer Geschichte – neu zu beleben. Dazu gehört auch die Lage der Stadt Görlitz im Dreiländereck zwischen Polen und Tschechien in den Blick zu nehmen. Dort, wo sich heute Grenzen öffnen, hat es vor 800 Jahren keine Grenzen gegeben, verband eine Straße verschiedene Lebensräume miteinander.“ Als kulturhistorische Ausstellung thematisiere die Landesausstellung das Leben der Menschen an und auf der Straße.

Die via regia erzählt die Geschichte von Menschen, die im Laufe der Jahrhunderte auf ihr gereist, gepilgert und geflohen sind. Der Fokus liegt dabei auf dem Zeitraum zwischen der Mitte des 13. Jahrhunderts und dem frühen 19. Jahrhundert. In dieser Zeit entfaltete die Handelsstraße ihre größte Bedeutung. Zentraler Ausstellungsort der Landesausstellung ist der Kaisertrutz in Görlitz, eine runde Kanonenbastei aus dem späten 15. Jahrhundert. Ursprünglich schützte sie das westliche Eingangstor zur Stadt. Auf den fünf Etagen des Kaisertrutzes werden die fünf Themenwelten der Ausstellung – Fundament, Straße, Markt, Menschen und Ideen – lebendig inszeniert. „Das Bild des wandernden Menschen stand Pate für das Bild der Straße als Organismus: Angefangen von der Straße, auf der man sich bewegt (Beine), bis hinunter auf den festen Boden, auf dem man steht (Füße), über den Markt, der vom Austausch von Waren und Gütern erzählt (Bauch), weiter über ausgewählte Biografien (Herz), bis hinauf unter das Dach des Kaisertrutzes, wo die immateriellen Güter, die Ideen gezeigt werden (Kopf). Der Besucher wird praktisch von Kopf bis Fuß auf via regia eingestellt“, so Bettina Probst, die Projektleiterin der Ausstellung.

Dieser groben Verteilung folge die Zusammenstellung der Exponate:

Straße Das Erdgeschoss steht ganz im Zeichen des Aufbruchs: Mehrere Medienstationen laden dazu ein, die via regia auf spielerische Weise interaktiv zu erkunden. Projektionen vermitteln zudem die historischen Verläufe der Straße bis in die Gegenwart.

Fundament Archäologische Funde im Untergeschoss belegen, dass Wege und Städte nicht aus dem „Nichts“ entstehen. Sie zeigen, dass die Oberlausitz bereits vor der Existenz der via regia eine wichtige Tranisitregion zwischen Ost- und Westeuropa war. Auch der Kaisertrutz wird in diesem Zusammenhang vorgestellt, der ab 1490 im Rahmen der Sicherung und Erneuerung der Befestigungsanlagen errichtet wurde und die am Reichenbacher Tor in die Stadt eintretende via regia sicherte.

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Markt Das „Herzstück“ der Ausstellung bildet der Markt im 1. Obergeschoss des Kaisertrutz: Wie funktionierte der Handel damals? Mit welchen Währungen bezahlte man? Ausgehend vom Beispiel Görlitz steht die übergeordnete Frage, welche Produkte auf der Handelsstraße transportiert wurden, wie sich Märkte und Messeplätze entwickelten.

Menschen Im 2. Obergeschoss stehen die Reisenden selbst im Mittelpunkt: Wer bewegte sich auf der Straße? Was hat sie bewegt? Anhand von individuellen Biografien werden Händler und Kaufleute , aber auch Könige, Generäle, Ärzte, Studenten, Pilger, Gesellen und das fahrende Volk vorgestellt, die alle auf der via regia reisten.

Ideen Auch Werte und Ideen, Künstler und Kunstwerke gelangten über die via regia von Ort zu Ort. Welche Kunst und Kultur auf Rädern, Rücken und in den Köpfen über die Straße transportiert wurde, und wie sich dies in der Bildenden Kunst und Wissenschaft ausdrückte, wird im 3. und letzten Geschoss dargestellt.

Ein umfangreiches Bildungs- und Vermittlungsprogramm für Kinder und Jugendliche aus Deutschland, Polen und Tschechien ergänzt die 3. Sächsische Landesausstellung. Dabei bieten sowohl die geografische Lage der Stadt Görlitz in der Euroregion Neiße als auch das Thema der Ausstellung den Kontext für grenzüberschreitende Projekte. Ausgehend von der historischen Dimension der via regia und den Ausstellungsthemen sollen sich Kinder und Jugendliche mit Fragen auseinandersetzen, die für sie und für die Gestaltung ihrer Lebensläufe in der Gegenwart relevant sind. Für Kinder und Jugendliche wurden Führungen und Workshops in den Bereichen Theater, Technik und Medien mit Bezug auf den sächsischen Lehrplan entwickelt. Ein besonderer Akzent liege auf der zielgruppengerechten Ansprache der jungen Besucher. So gibt es neben einem dreisprachigen Junior Katalog für 12 bis 16 Jährige auch ein Hörspiel für Kinder ab 6 Jahren, „Der geheimnisvolle Kompass“. Jugendliche bis 16 Jahren haben freien Eintritt in die Ausstellung.

Während der Laufzeit der Landesausstellung finden im Kaisertrutz zahlreiche Veranstaltungen statt: Vorträge und Kuratorengespräche, Familienführungen mit speziellen Fragestellungen für kleine Besucher, thematische Führungen für Senioren sowie öffentliche Rundgänge. Am Freitagabend bleibt der Kaisertrutz bis 21 Uhr geöffnet.

Zahlreiche Initiativen bereichern die Landesausstellung durch ein umfangreiches Begleitprogramm. „Ganz Görlitz wird in diesen Tagen zur Landesaustellung, den die 3. Sächsische Landesausstellung ist das Ereignis des Jahres, wenn nicht sogar des Jahrzehnts für unsere Stadt. Wir haben die einmalige Chance, unseren Bekanntheitsgrad weiter auszubauen und die Menschen an die verbindenden Gemeinsamkeiten ihrer europäischen Geschichte zu erinnern. Die Stadt Görlitz hat sich auf ihre Gastgeberrolle gut vorbereitet und empfängt die Besucher der Landesausstellung mit offenen Armen. Wir freuen uns auf eine spannende Ausstellung, eine ereignisreiche Zeit sowie viele Gäste!“, so Joachim Paulick, Oberbürgermeister der Stadt Görlitz.

Die Görlitzer Museen ergänzen die Landesausstellung mit eigenen Sonderausstellungen. Das Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz geht dem Thema „via regia – Straße der Arten“ nach. Das Schlesische Museum zu Görlitz ist in Kooperation mit dem Lausitzmuseum in Zgorzelec den „Lebenswegen ins Ungewisse“ auf der Spur. Das Barockhaus Neißstr. 30 mit der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften wird ab Ende Juli einen ersten Blick in die Neugestaltung des Hauses zulassen.

Quelle: Eileen Mägel
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