Virtuell das „Hotel Silber“ erkunden - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Virtuell das „Hotel Silber“ erkunden

Geschichtspolitische Diskussionen online: Eine neue Website zu vieldiskutierten „Projekt Silber“ hat das Haus der Geschichte jetzt vorgestellt. Der „virtuelle Geschichtsort“ soll Nutzer über das „Hotel Silber“ und die Geschichte der Gestapo in Stuttgart informieren, zum Wissensaustausch anregen und zur Debatte um den realen Gedenkort beitragen. Die Seite wird ab dem 25. Juli 2012 online verfügbar sein.

Seit mehreren Jahren erregt in Stuttgart nicht nur die Neuplanung des Stuttgarter Hauptbahnhofes die Gemüter: Auch als 2008 einige Gebäude am zentral gelegenen Karlsplatz abgerissen werden sollten, um Platz für Läden, Hotels und Restaurants zu schaffen, erhob sich Protest. Denn auf dem Areal befindet sich das „Hotel Silber“, ehemalige Zentrale der Politischen Polizei und der Gestapo in Stuttgart. Eine Bürgerinitiative machte sich dafür stark, das Gebäude zu erhalten und zu einem Erinnerungsort umzugestalten.

Nach einer kontroversen und langwierigen Debatte einigten sich die Landesregierung als Eigentümer des Gebäudes und die Firma Breuninger, die dort ein neues Geschäftsquartier plant, im Mai 2011 darauf, das Gebäude zu erhalten. Was nun genau mit dem Ort geschehen soll, ist jedoch noch unklar. Zumindest in der realen Welt – in der virtuellen ist aus dem „Hotel Silber“ mittlerweile ein Gedenkort entstanden. Die Website „Hotel Silber. Ein virtueller Geschichtsort“ ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Aufarbeitung der Geschichte des „Hotel Silber“ durch zwei Mitarbeiter des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg. Sie bietet sowohl eine Geschichte des Hotel Silbers als auch eine Darstellung der Geschichte der Geheimen Staatspolizei in Baden-Württemberg, die eng mit dem Hotel Silber zusammenhängt.

In enger Anlehnung an die Idee des Erinnerungsortes bietet eine Nachbildung des „Hotel Silber“ über seine drei Nutzungsepochen hinweg dem Nutzer die Möglichkeit, das Haus von Epoche zu Epoche, von Stockwerk zu Stockwerk und von Zimmer zu Zimmer zu entdecken. Er kann dabei verschiedene Zugänge wählen, kann sich über Täter und Opfer informieren, über Ereignisse lesen oder Quellen betrachten. So findet der Nutzer beispielsweise im Keller des Gestapogebäudes das Foto einer Tür, in die Häftlinge ihre Namen geritzt haben und im Erdgeschoss die Biographie Jakob Wögers, der 1933 die erste Hakenkreuzfahne am „Hotel Silber“ hisste. Neben einer Aufarbeitung der Geschichte des Gebäudes und der Geschichten im Gebäude leistet die Seite jedoch auch einen wichtigen Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte der Politischen Polizei und der Gestapo in Baden-Württemberg. So findet man unter der Rubrik „Polizei im Silber“ Essays, die wesentliche historische Entwicklungen der Polizei in Baden-Württemberg nachzeichnen. Ein Kartenmodul bietet die Möglichkeit, die geographische Expansion der Gestapo in Stuttgart, in Württemberg-Hohenzollern, im Deutschen Reich und im besetzten Europa nachzuvollziehen.

Die Website soll jedoch nicht nur Informationsort sein, sondern auch zum Austausch anregen. Nutzer können Fragen an die verantwortlichen Historiker stellen und sind dazu aufgefordert, mit ihrem Wissen den „virtuellen Geschichtsort“ zu erweitern. All das gesammelte Wissen wird dann eventuell in einer Gedenkstätte am realen Standort des „Hotel Silber“ resultieren, von dem anfangs alles ausging. Bis dahin ist es jedoch noch ein langer Weg, denn noch ist weder klar, wer Träger des Projektes sein wird noch die Kosten übernimmt. Ein nächster Runder Tisch ist erst für Ende 2012 geplant. Bis dahin werden die Diskussionen weitergehen.

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Die Website „Hotel Silber. Ein virtueller Erinnerungsort“ ist ab dem 25.07.2012 unter der Domain http://www.geschichtsort-hotel-silber.de zu erreichen.

Quelle: Jette Nagel/DAMALS
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♦ Elek|tro|pho|re|se  〈f. 19; unz.〉 Bewegung von elektrisch geladenen Kolloidteilchen in einem elektr. Feld, um diese zu trennen od. auszufällen

♦ Die Buchstabenfolge elek|tr… kann in Fremdwörtern auch elekt|r… getrennt werden.
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