Virtueller Blick in ein Sklavenschiff - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Virtueller Blick in ein Sklavenschiff

Screenshot aus dem VIdeo-Rundgang durch das Sklavenschiff Aurora (Bild: Voyages/ Emory University

Mehr als zwölf Millionen Menschen wurden in der Ära des Sklavenhandels aus Afrika in die Neue Welt verschleppt. Welche Entbehrungen und Qualen sie schon auf der Schiffspassage über den Atlantik erleiden mussten, macht nun das erste virtuelle Modell eines Sklavenschiffs deutlich. Das Video des Sklavenfrachters Aurora ist Teil einer Website, die Daten zu mehr als 36.000 Schiffspassagen des transatlantischen Sklavenhandels aufbereitet und zugänglich macht.

Zwischen 1500 und 1867 wurde der Atlantik zu einem wahren Förderband des Sklavenhandels. In mehr als 40.000 Schiffspassagen wurden Männer und Frauen aus Afrika über den Ozean gebracht, um in der Neuen Welt als Sklaven verkauft zu werden. „Der transatlantische Sklavenhandel war die größte erzwungene Bewegung von Menschen in der Geschichte“, erklärt David Eltis, Historiker an der Emory University in Atlanta. „Es gibt kaum einen Hafen irgendwo am Atlantik, der nicht auf irgendeine Weise mit dem Sklavenhandel verbunden war.“

Website macht Sklaventransporte nachvollziehbar

Um das Ausmaß dieses Sklavenhandels deutlich machen und die Erforschung dieser Epoche zu erleichtern, haben Eltis und sein Team historische Daten zu mehr als 36.000 Sklaventransporten über den Atlantik und weiteren 11.400 inneramerikanischen Verschleppungen aufbereitet. Einen große Teil dieser Daten haben sie auf ihrer Website „Voyages: The Trans-Atlantic Slave Trade Database“ online und teils interaktiv verfügbar gemacht. Das Schicksal von 92.000 afrikanischen Sklaven lässt sich auf diese Weise erforschen und nachvollziehen.

„Jetzt können wir die Verbindungen zwischen Afrika und der Neuen Welt auf ähnliche Weise systematisch nachvollziehen wie es bisher für die Beziehungen zwischen Europa und Amerika der Fall war“, sagt Eltis. Denn der Atlantik sei seit Beginn des Sklavenhandels zu einem kommerziellen Highway geworden, der die Geschichte Afrikas, Europas und Amerikas erstmals eng verknüpfte. Besucher der Voyages-Website können erstmals erkunden, welche Regionen und Wirtschaftsfaktoren den Sklavenhandel beeinflussten und prägten, aber auch wann und wie viele Schiffe die versklavten Arbeitskräfte über den Atlantik brachten.

3D-Modell des Sklavenschiffs „Aurora“

Um das Leid der Sklaven auf diesen Schiffspassagen nachvollziehbar und erlebbar zu machen, haben die Forscher der Emory University gemeinsam mit Nicholas Radburn von der University of Lancaster in England einen virtuellen Rundgang durch ein Sklavenschiff konzipiert und als Video umgesetzt. Keine ganz leichte Aufgabe. „Um ein akkurates Modell eines Sklavenschiffs zu konstruieren, muss man einiges über den Sklavenhandel wissen“, erklärt Radburn. Zudem sind nur von einem einzigen Sklaventransporter vollständige Pläne erhalten: Der Aurora, einem Schiff, das im August 1784 von La Rochelle in Frankreich erst nach Afrika aufbrach. Dort wurde der Frachter mit Sklaven beladen und segelte dann über den Atlantik nach Haiti weiter.

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Das Video nimmt die Zuschauer mit auf einen virtuellen Rundgang durch ein dreidimensionales Modell der Aurora. Die Innenansichten des Sklavenschiffs verdeutlichen die schlimmen Bedingungen unter denen rund 600 Männer, Frauen und Kinder damals monatelang auf See eingesperrt waren. Am Ende des Videos verdeutlicht eine Übersichtsdarstellung, wie beengt die Sklaven während der Überfahrt untergebracht waren – sie hatten kaum Platz, sich ausgestreckt hinzulegen. „Wir hoffen, dass unser Modell einen Einblick in den Sklavenhandel gibt, der über die existierenden Bilder hinausgeht“, sagt Radburn. „Dieses Video sollte ein Standard-Werkzeug für die Aufklärung und den Unterricht über den Sklavenhandel werden.“

Quellen: University of Lancaster, Emory University; Voyages: The Trans-Atlantic Slave Trade Database

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