Vom bunten Treiben der Auerochsen - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Vom bunten Treiben der Auerochsen

Die frühen Viehzüchter in Nordeuropa haben ihre Kühe immer wieder mit wildlebenden Auerochsen gekreuzt. Die Zähmung von Rindern war daher kein einmaliger Vorgang, sondern fand in der Geschichte des Menschen mehrmals statt. Das schließen Forscher aus Schweden, Deutschland und Irland aus einer Genuntersuchung von Rindern aus ganz Europa und Asien.

Die Haltung von Rindern als Haus- und Nutztiere, auch Domestikation genannt, war ein wichtiger Schritt für den kulturellen Übergang von der Lebensweise als Jäger und Sammler zu einer von der Landwirtschaft geprägten Gesellschaft. Dies geschah vor rund 10.000 Jahren, als der Mensch im Nahen Osten und in Indien Auerochsen ( Bos primigenius) zu Rindern domestizierte. Bei der Auswanderung der ersten Bauern von Südwestasien nach Europa sollen sich die nun zahmen Rinder verbreitet und anschließend nicht mehr mit wildlebenden verwandten Arten gekreuzt haben, vermuteten Wissenschaftler seit 30 Jahren. Nach der vorherrschenden Meinung galt die Domestizierung bislang also als einmaliger Prozess, der auf eine kleine Region in Asien beschränkt war.

Anders Götherström und seine Kollegen kommen nun aber zu einem anderen Schluss. Die Forscher untersuchten in ihrer Arbeit die Gene auf dem Y-Chromosom, das nur bei männlichen Tieren vorkommt. Das Resultat: Die modernen Rinderarten in Nordeuropa und die antiken europäischen Auerochsen sind sich genetisch ähnlicher als die Rinder aus Nord- und aus Südeuropa.

Die Bauern im frühen Nordeuropa müssen deshalb ihre Kühe nochmals mit wild lebenden Auerochsenmännchen gekreuzt haben, erklären die Wissenschaftler. Die Kreuzungen könnten sowohl absichtlich durchgeführt worden sein, um die genetische Vielfalt der Tiere und damit die Viehzucht zu verbessern. Andererseits war es aber laut Götherström in Zeiten ohne strikte Viehkontrolle auch schwierig, die Paarung wildlebender Auerochsen mit Rindern zu verhindern. Die Resultate dieser Studie ändern die bisher weit verbreitete Meinung, die Domestikation sei ein seltener Prozess, der nur in Asien stattgefunden hatte.

Anders Götherström (Universität in Uppsala) et al.: Proceedings of the Royal Society: Biological Sciences, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rspb.2005.3243 ddp/wissenschaft.de ? Katharina Schöbi
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