Eidgenössische Kämpfer in der frühen Neuzeit Vom Leben am Fluss - wissenschaft.de
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Eidgenössische Kämpfer in der frühen Neuzeit

Vom Leben am Fluss

Vor 1150 Jahren wurde die Fils in der Stiftungsurkunde des Klosters Wiesensteig zum ersten Mal namentlich erwähnt. Dieses Jubiläum bietet Anlass, die Lebensader des Landkreises Göppingen, zu porträtieren. An fünf Ausstellungsstandorten verfolgt der Besucher die Geschichte des Flusses, des Filstals und seiner Bewohner vom Oberlauf der Fils bis zum Unteren Filstal.

Zusammengeschlossen haben sich die Städtischen Museen in Geislingen an der Steige und Göppingen, das Städtische Naturkundliche Museum in Göppingen, das Stadtmuseum in Ebersbach sowie das Kreisarchiv und die Kreisarchäologie auf Schloss Filseck. Das Ausstellungsprojekt „Die Fils. Fluss – Landschaft – Menschen“ thematisiert noch das ganze Jahr über die Vielfalt von Fluss und Tallandschaft sowie die dort lebenden Menschen im Lauf der Geschichte. Ergänzend zur Ausstellungsreihe über die Fils erscheint ein Begleitband, der auf 250 Seiten Geologie, Natur- und Kulturgeschichte, Hydrologie und die neuzeitliche Nutzung des Flusses anschaulich darstellt.

Den Anfang der Ausstellungsreihe macht noch bis zum 26. Juni 2011 das Museum im Alten Bau in Geislingen an der Steige. Die Schau widmet sich vor allem dem Ökosystem vom Oberlauf des Flusses bis zum Filsknie bei Geislingen. Die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt wird durch Herbarien und Dioramen veranschaulicht. Zur gewerblichen und industriellen Nutzung der Wasserkraft wurde mit Kanälen, Stauwehren und Uferbebauungen der Flusslauf verändert. Daneben war das Obere Filstal auch zur Kurerholung und für den Tourismus bedeutend.

Vom 28. Mai bis zum 1. November 2011 geht es im Städtischen Naturkundlichen Museum Göppingen in der Alten Badherberge Jebenhausen um Geologie und Fluss-Ökologie des Filstals. Hier wird die Geschichte des Flusses zum Leben erweckt. „Flussfunde“, wie Mammutzähne, steinzeitliche Schaber und römische Altarsteine veranschaulichen die wechselvolle Geschichte der Fils. Sie begann vor 220 Millionen Jahren in der Keuper-Zeit. Im Jura war das Filstal Bestandteil des Jurameeres. Gesteinsablagerungen, wie Kalktuffe und Flussschotter, sogenannte „Leberkies“, zeugen noch heute davon. Thematisiert werden auch die negativen ökologischen Folgen der Flussbegradigung.

Vom 8. Juni bis zum 13. November geht es im Städtischen Museum Göppingen im Storchen weiter mit der Geschichte des Mittleren Filstaltals. Mit Beginn der Industrialisierung wuchs die Stadt Göppingen an den Fluss heran und über ihn hinweg. Der Fluss spielte als Verkehrsachse eine wichtige Rolle, wurde aber zur Realisierung von Straßen- und Bahnbauplänen auch umgeleitet. Lange Zeit lieferte die Fils auch die Hauptantriebskraft für Mühlen. Diese standen an vom Fluss abgezweigten Kanälen, für die sich Zu- und Abfluss der Wassermenge regulieren ließen. Heute ist nur noch der Mühlkanal in Süßen erhalten. Im Zuge der Industrialisierung machten die Mühlen Platz für die ersten mechanischen Werkstätten und Fabriken. In Göppingen wurde das Gebiet entlang des Mühlkanals bis zu seinem Abriss als „Klein-Venedig“ romantisiert.

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Schloss Filseck präsentiert vom 2. September bis 6. November die Alamannen im Filstal. Sie hatten das Land zwischen Rhein und Donau nach der Aufgabe des römischen Limes seit der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts besiedelt. Vom 5. bis 8. Jahrhundert gründeten sie die meisten unserer heutigen Ortschaften. Zeitgenössische Fundplätze sind von 32 Gemeinden im Filstal und in Seitentälern bekannt. Die Ausstellung auf Schloss Filseck zeigt alle Facetten des Lebens der Alamannen mit Originalfunden aus Gräbern, Siedlungen und Kirchen auf. Im Mittelpunkt stehen dabei Alltag, Handwerk, Handel, Tracht, Bewaffnung sowie Totenkult und Christianisierung der Alamannen. Ein Begleitprogramm für Schulklassen sowie familienfreundliche Führungen veranschaulichen das Leben der Alamannen im Filstal auch den jüngeren Besuchern.

Als letzter Standort der Ausstellungsreihe zeigt das Stadtmuseum Alte Post in Ebersbach an der Fils vom 18. September 2011 bis zum 15. Januar 2012 die Geschichte des Unteren Filstals. Die Ausstellung erzählt unter anderem von der durch Silberfunde im 16. und 18. Jahrhundert hervorgerufenen „Silbergräber“-Stimmung in Reichenbach. Die Ausbeute blieb jedoch weit hinter den Erwartungen zurück. Überaus üppig waren hingegen die Fischvorkommen der Fils und ihrer Zuflüsse, die jahrhundertelang den Lebensunterhalt vieler Fischerfamilien gewährleisteten. Gewässerbelastungen bewirkten um 1900 allerdings das Ende der berufsmäßigen Fischerei. Heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist die Flößerei auf der Fils. Auch an die Entenpirsch, ein Freizeitvergnügen der adligen Oberschicht, erinnert sich niemand mehr. Im Gedächtnis mancher älterer Filstalbewohner präsent geblieben, mag hingegen das Hochwasser von 1956 sein. Die Fils änderte ihren Lauf und richtete auf diese Weise schwerste Verwüstungen in Ebersbach an.

Quelle: Natalie Reinsch
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