Von Verhältnissen und Freundschafts-Ringen - wissenschaft.de
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Von Verhältnissen und Freundschafts-Ringen

Die Strukturen von Freundes- und Bekanntenkreisen sind fast überall auf der Welt gleich aufgebaut: Wie in einem Ringsystem gibt es einen Kreis sehr enger Freunde, eine größerer Gruppe guter Bekannter und mehrere noch größere Gruppen, zu denen weniger intensive Beziehungen bestehen. Jeder Kreis besteht dabei aus etwa dreimal so vielen Menschen wie der nächst kleinere, hat ein französisch-amerikanisches Forscherteam nun entdeckt. Offenbar ist demnach der Aufbau sozialer Netzwerke im menschlichen Gehirn fest verdrahtet, berichtet der Online-Dienst der Fachzeitschrift Science.

Bereits vor längerer Zeit haben Anthropologen entdeckt, dass sich die Muster der sozialen Netzwerke in praktisch allen menschlichen Kulturen ähneln. Für Evolutionsbiologen ist das kein Zufall: Sie halten die Bildung komplexer sozialer Strukturen nach der so genannten Social-Brain-Hypothese für die entscheidende Triebkraft bei der Entwicklung des menschlichen Gehirns.

Je größer die soziale Gruppe dabei wurde, desto mehr Informationen über die einzelnen Individuen musste das Gehirn speichern ? und desto mehr Kapazität brauchte es, um die komplizierten Wechselwirkungen zu koordinieren. Da das Gehirn irgendwann an seine Kapazitätsgrenzen stößt, kann ein Mensch auch nur mit einer begrenzten Gruppe von anderen Menschen in Kontakt bleiben. Forscher schätzen, dass diese Grenze für den Menschen bei etwa 150 Kontaktpersonen liegt. Innerhalb dieser Gruppe von Bekannten gibt es jedoch klare Strukturen, die konzentrisch angeordneten Ringen ähneln.

Der intimste Kreis besteht dabei im Durchschnitt aus drei bis fünf Personen, die beispielsweise in Krisenzeiten helfend eingreifen, entdeckten die Wissenschaftler um Robin Dunbar von der Universität von Liverpool. Sie hatten auf der Suche nach dem Aufbau der sozialen Netze die Daten aus 61 internationalen Studien analysiert. Darüber hinaus, so die Ergebnisse der Wissenschaftler, gibt es eine Gruppe von zwölf bis zwanzig Menschen, zu denen besondere Beziehungen bestehen, und mindestens drei weitere Kreise mit loseren Kontakten. Die Anzahl der Menschen in den verschiedenen Kreisen steigert sich dabei von Stufe zu Stufe um ziemlich genau den Faktor drei.

Warum ausgerechnet die Drei eine so wesentliche Rolle beim Aufbau der sozialen Netze spielt, wissen die Forscher allerdings nicht. Dunbar vermutet jedoch, dass es irgendeinen evolutionären Hintergrund für dieses Verhältnis geben muss. Andere Wissenschaftler sind dagegen skeptisch, ob sich die komplexe Sozialstruktur des Menschen tatsächlich mit so einfachen mathematischen Beziehungen beschreiben lässt.

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Die Studie der Forscher ist als Online-Vorabveröffentlichung in den Proceedings of the Royal Society: Biological Sciences erschienen (DOI: 10.1098/rspb.2004.2970).

ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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