Forschung Von wegen Heilige Nacht! - wissenschaft.de
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Forschung

Von wegen Heilige Nacht!

Einen Weihnachtsbaum geschmückt wie zu Großmutters Zeiten – diesen Wunsch wollten Rita Breuer und ihre Tochter Dr. Judith Breuer ihrer Familie gerne erfüllen. Bei der Suche nach altem Christbaumschmuck wuchs die Neugier auf alles, was Weihnachten in früheren Zeiten dokumentierte: Weihnachtskarten, Christbaumständer, Dekorationen und vieles mehr.

Doch manche Funde wollten gar nicht zu dem gewohnten Bild von Weihnachten passen. Feldpostkarten mit Motiven von Handgranaten, Christbaumschmuck in Form von Soldaten oder auch Weihnachtskalender, in denen viel von „Bluterbe, Ahnen und Sinnzeichen“ die Rede war, sorgten zunächst für Verwunderung.

Schon bald entdeckten die Sammlerinnen, dass diese Funde nicht nur einzelne Geschmacklosigkeiten oder Kuriositäten darstellten. Vielmehr handelt es sich um höchst geschickte „Verpackungen“, die der Verschleierung der eigentlichen Absichten dienten, nämlich der Manipulation von Menschen: Seitdem sich das Weihnachtsfest im 19. Jahrhundert zum bürgerlichen Familienfest entwickelt hatte, wurde es immer wieder zur politischen Propaganda missbraucht.

Die Ausstellung thematisiert mit zahlreichen Objekten wie Adventskalendern, Christbaumschmuck, Krippen und vielem mehr das Weihnachtsfest in verschiedenen Epochen. Sie beginnt mit dem Ersten Weltkrieg, mit Soldatenfeiern an der Front und mit der Militarisierung des Kinderzimmers durch entsprechende Spielsachen. Die 1920er-Jahre präsentieren den Gegensatz zwischen Arm und Reich, zwischen „weißen Bäumen“ mit kühlem Silberschmuck und hungernden Menschen.

Einen großen Teil der Ausstellung nimmt das Thema „Weihnachten im Nationalsozialismus“ ein: Die Nationalsozialisten versuchten, das christliche Fest zur „völkischen“ Sonnenwendfeier umzufunktionieren, zum Beispiel mit „Sinngebäck“, mit „Schimmelreiter“ statt Nikolaus, mit Lichtersprüchen und mit Mutter-und-Kind-Kult. Der Zweite Weltkrieg erhielt besondere Betonung durch den Mythos der „Soldatenweihnacht“ und das notgedrungen einfache Weihnachtsfest an der „Heimatfront“.

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Einen weiteren Ausstellungsbereich bildet die Weihnachtszeit im „Kalten Krieg“: Sie ist geprägt von „Päckchen für drüben“ und „garstigen Weihnachtsliedern“ der 1968er-Bewegung, aber auch den „Jolkafeiern“, dem „Großväterchen Frost“ und der „Jahresendfigur“ in der DDR. Schließlich macht weihnachtliches Propaganda-Material aus dem Umfeld rechtsextremistischer Kreise deutlich, wie aktuell das Thema bis heute ist.

Quelle: Schwäbisches Volkskundemuseum Oberschönenfeld
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