Vor 8000 Jahren: Getreidehandel quer durch Europa - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Vor 8000 Jahren: Getreidehandel quer durch Europa

Über eine Landbrücke könnte Kulturweizen schon vor 8000 Jahren auf die Britischen Inseln gelangt sein. (University of Warwick)

Der Handel über Regionen und sogar Kontinente hinweg spielt nicht nur heute eine wichtige Rolle, auch in der Geschichte prägte und veränderte er Kulturen. Eine neue Studie deutet nun darauf hin, dass es in Europa sogar schon vor rund 8000 Jahren einen Fernhandel mit Getreide gegeben haben könnte. Über ihn erhielten Jäger und Sammler auf den Britischen Inseln Kulturweizen aus Kontinentaleuropa – aus den Gebieten, in dem bereits erste Bauern siedelten.

Den Anstoß gab ein Fund am Bouldnor Cliff vor der Küste der Isle of Wright im Süden Englands. Dieses Gebiet war vor rund 8000 Jahren noch nicht vom Meer überflutet. Das Meeressediment enthält daher archäologische Zeugnisse von steinzeitlichen Jägern und Sammlern, die in jener Zeit hier lebten. In einer der Sedimentproben stießen Oliver Smith von der University of Warwick und seine Kollegen auf Getreidekörner unklaren Ursprungs. DNA-Analysen enthüllten, dass es sich um Triticum handelte – einen Kulturweizen, der erst durch Landwirtschaft und gezielte Zucht entstand.

Das Seltsame daran: Die Landwirtschaft breitete sich in Europa nur langsam vom Südosten in den Nordwesten aus. Während auf dem Balkan schon vor rund 8000 Jahren die ersten Bauern siedelten, dominierten an der Nordseeküste und auf den Britischen Inseln noch bis vor rund 6000 Jahren Jäger und Sammler. Erst dann löste auch dort die Landwirtschaft die wildbeuterische Lebensweise ab. Kulturweizen dürfte es daher vor rund 8000 Jahren auf den Britischen Inseln noch nicht gegeben haben. Und selbst auf dem europäischen Festland entwickelte sich die Landwirtschaft erst einige hundert Jahre später, wie die Forscher berichten.

Woher aber stammte der Weizen dann? Weil in den steinzeitlichen Sedimentproben auch kein Weizenpollen zu finden war, schließen die Forscher aus, dass das Getreide von den Küstenbewohnern selbst angebaut worden war. „Wir vermuten stattdessen, dass diese Weizenkörner vom europäischen Kontinent importiert worden sind“, sagen Smith und seine Kollegen.

Ermöglicht wurde dieser Fernhandel vermutlich durch günstige Klimabedingungen: Der Meeresspiegel lag vor 9840 bis 7830 Jahren so niedrig, dass ein Teil des heutigen Ärmelkanals trocken lag. Er könnte eine Landbrücke zwischen der Südküste Englands und Resteuropa gebildet haben, über die steinzeitliche Jäger, Siedler und auch Händler trockenen Fußes gewandert sein könnten.

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„Die Gegenwart von Kulturweizen, zusammen mit technisch fortgeschrittenen Artefakten an unserer Fundstelle liefern einen Beleg dafür, dass es ein soziales Netzwerk zwischen den mittelsteinzeitlichen Völkern Nordwesteuropas und den vorrückenden neolithischen Bauern gegeben haben könnte“, konstatieren die Forscher.

Quelle: Science Magazine / Redaktion DAMALS
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