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Funde in Alaska

Vorkolumbische Importe aus Europa

Diese in Venedig hergestellten Glasperlen gelangten vermutlich vor 1492 in den Norden Alaskas. (Bild: Courtesy of American Antiquity, January 2021)

Über den östlichen Fernhandel gelangten schon vor der Entdeckung Amerikas venezianische Glasperlen bis zu den indianischen Ureinwohnern im Nordwesten Amerikas, legt eine Datierung von Beifunden nahe. Offenbar sind die kleinen Schmuckstücke dort schon zwischen 1440 und 1480 angekommen. Sie hatten demnach eine erstaunliche Transportgeschichte hinter sich: Von ihrem italienischen Herstellungsort führte sie der Weg wohl durch Asien nach Ostsibirien und von dort schließlich über die Beringsee bis in die Nordwestspitze Amerikas.

Glasperlen aus Europa sind nicht unbedingt ungewöhnliche Funde an archäologischen Stätten von Ureinwohnern Amerikas. Denn nach der Entdeckung der Neuen Welt im Jahr 1492 durch Kolumbus dienten sie den Neuankömmlingen oft als Tauschgut mit den Einheimischen und wurden anschließend auch innerhalb der indigenen Völker weiter verbreitet. So wirkte die Entdeckung von insgesamt zehn blauen Glasperlen bei Ausgrabungen an drei Fundorten im Norden Alaska zwar ungewöhnlich, aber zunächst nicht völlig überraschend. Denn es war anzunehmen, dass sie nach der Entdeckung Amerikas dorthin gelangt sind.

Erstaunliches Datierungsergebnis

Bei den Fundorten handelte es sich um Jagdstützpunkte der einstigen Ureinwohner im Inland Alaskas. Einige der erbsengroßen Perlen mit Loch wurden im Zusammenhang mit Metallstücken gefunden, die Teil einer Halskette oder eines Armbands gewesen sein könnten. Zudem entdeckten Archäologen Pflanzenfasern, bei denen es sich wahrscheinlich um eine Schnur aus der Rinde einer Strauchweide gehandelt hat. Diese organischen Reste konnten Michael Kunz von der University of Alaska in Fairbanks und Robin Mills vom Bureau of Land Management Fairbanks nutzen, um Rückschlüsse auf das Alter der Glasperlen zu gewinnen. So ließen sie eine Radiokarbondatierung durchführen.

„Als das Ergebnis kam, sind wir beinahe hintenrüber gefallen“, sagte Kunz. „Der Datierung zufolge hat die Pflanze, die das Material geliefert hat in den 1400er Jahren gelebt.“ Dieses Ergebnis wurde später durch die Altersbestimmung von Holzkohle bestätigt, die in der Nähe der Perlen gefunden wurde. Die Beifunde sind somit ein starker Hinweis darauf, dass die Glasperlen irgendwann zwischen 1440 und 1480 im Inland Alaskas angekommen sind – also Jahre bevor Kolumbus überhaupt an seine epochale Entdeckungsreise gedacht hat. Dies bedeutete, dass diese kleinen Objekte wohl eine große Geschichte zu erzählen haben. „Denn es war klar, dass die Glasperlen aus Europa stammten“, sagt Kunz. Materialanalysen und Vergleiche der Perlen offenbarten dann auch ihren genauen Herstellungsort: Venedig.

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Weit gereiste Schmuckstückchen

Doch wie konnten sie von den Kanälen des berühmten Stadtstaats in die entlegene Tundra Nordalaskas gelangt sein? Offenbar über eine lange Verkettung von Transporten ostwärts, erklären Kunz und Mills. In den 1400er Jahren reichten die Beziehungen der Handelsstadt Venedig ihnen zufolge bereits weit nach Asien. Die Perlen könnten somit zunächst in einem Pferdewagen entlang der Seidenstraße bis nach China gereist sein, sagen die Wissenschaftler. Von dort aus fanden die venezianischen Perlen dann offenbar zunächst den Weg zu den Ureinwohnern des westlichen Ufers der Beringsee im russischen fernen Osten.

Dort hat sie dann möglicherweise ein Händler in seinem Kajak verstaut und nahm sie mit auf die Reise ostwärts über die Beringsee nach Alaska, erklären die Forscher. An der engsten Stelle mussten dazu etwa 84 Kilometer über den offenen Ozean zurückgelegt werden. Sicherlich war ihm nicht bewusst, dass es sich bei seinem Ziel um die Ufer einer „Neuen Welt“ gehandelt hat. Kunz und Mills glauben, dass die Perlen wahrscheinlich in einem alten Handelszentrum der indigenen Bevölkerung namens Shashalik ankamen, das sich nördlich des heutigen Kotzebue befand. Von dort gelangten sie dann offenbar über Land zu den Fundorten im Inland Alaskas, erklären Kunz und Mills.

Quelle: University of Alaska, Fachartikel: American Antiquity, doi: 10.1017/aaq.2020.100

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