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Geschichte|Archäologie

Wanderung hinterlässt genetischen Fußabdruck

Indische Forscher konnten in der Bevölkerung ihres Subkontinents bestimmte Genmutationen finden, die sonst nur noch die Aborigines in Australien besitzen. Die beiden Völkergruppen müssen deshalb einen gemeinsamen Ursprung haben, berichten die Forscher um Satish Kumar vom Anthropological Survey of India in Kolkata. Wahrscheinlich besiedelten die modernen Menschen den ganzen asiatischen Raum und Australien über die sogenannte Südroute, die von Afrika über Arabien und Indien geführt haben muss ? und nicht über einen nördlichen Weg über die Mittelmeerländer. Bislang war unklar, auf welchem Weg der moderne Mensch Südostasien und Australien eroberte. Der gängigen ?Out-of-Africa?-Theorie zufolge begann die Wanderbewegung der Menschen vor rund 100.000 Jahren.

Rao und seine Kollegen konnten nun Hinweise auf eine Südroute erstmals mit genetischen Analysen untermauern. Sie untersuchten in ihrer Studie das Erbgut von insgesamt 966 Menschen aus 26 verschiedenen Stämmen in Indien und verglichen es mit dem Erbgut von Aborigines. Bei sieben Indern konnten sie Genmutationen finden, die sonst nur die Aborigines in Australien haben. Die Analysen basierten auf der sogenannten mitochondrialen DNA. Dieses Erbgut wird nur von der Mutter weitervererbt und ist deswegen für die Wissenschaft sehr wertvoll, um Vererbungslinien oder ganze Völkerbewegungen nachzuverfolgen. Aus Analysen dieser mitochondrialen DNA kann ermittelt werden, ob Völker einen gemeinsamen Ursprung haben und zu welchem Zeitpunkt sie sich voneinander getrennt hatten. Die Trennung der Vorfahren der Inder und der Aborigines hatte vermutlich vor über 50.000 Jahren stattgefunden, berichten die Wissenschaftler.

Vermutlich sind die Menschen früher nach Australien gelangt als bisher angenommen, sagt der Anthropologe Kumar. Fossilfunde in Afrika deuten zwar darauf hin, dass die modernen Menschen erst vor rund 45.000 Jahren über einen nördlichen Weg durch die Levante ? dem heutigen Nahen Osten ? aus Afrika ausgewandert waren. Skelettfunde in Australien legen jedoch nahe, dass einige Menschentrupps schon wesentlich früher in Australien angekommen sind. Besonders das mindestens 50.000 Jahre alte Fossil eines modernen Menschen im australischen Bundesstaat New South Wales schien diese Theorie zu bekräftigen. Die Inder von heute hätten daher eine Art genetischen Fußabdruck, den die wandernden Vorfahren der Aborigines auf dem Subkontinent hinterließen, erklärt Forscher Rao die Ergebnisse.

Satish Kumar (Anthropological Survey of India in Kolkata) et al.: BMC Evolutionary Biology, Online-Vorabveröffentlichung ddp/wissenschaft.de ? Stefanie Strauch
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