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Geschichte+Archäologie

Wandervögel der Jurazeit

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Diese Zähne der Camarasaurier verraten etwas über das Wasser, das sie tranken - und damit auch wo sie es tranken. Foto: Henry Fricke
In dem Zeichentrickfilm ?In einem Land vor unserer Zeit? suchen die pflanzenfressenden Dinosaurier nach dem sagenumwobenen ?Großen Tal? ? in der Hoffnung, dort wieder genügend Nahrung zu finden. Amerikanische Wissenschaftler haben nun Hinweise gefunden, die tatsächlich derartige Wanderungen der Urzeit-Giganten nahelegen. Demnach pendelten die Sauropoden, die größten Landwirbeltiere aller Zeiten, zwischen Tälern und Hochland und legten dabei Strecken von bis zu 300 Kilometern zurück.

Die Lebensweise längst ausgestorbener Arten zu rekonstruieren, ist alles andere als einfach, schließlich sind Wissenschaftler hierbei rein auf die verfügbaren Fossilien beschränkt, um ihre Schlüsse zu ziehen. Dass Camarasaurier, eine Gattung der Sauropoden, sich von harten Pflanzen wie Schachtelhalm, Farnen und nadelartigen Blättern ernährten, schließen Forscher aus dem Gebiss der Saurier. Aufgrund ihrer enormen Körpergröße benötigten die vermutlich in Herden oder Familienverbänden organisierten Echsen eine ganze Menge an Nahrung. Zur Jurazeit vor 200 bis 150 Millionen Jahren unterlag das Klima Nordamerika genauso wie heute jahreszeitlichen Schwankungen. Die Flora der recht trockenen Tiefländer, in denen die meisten Fossilien der Camarasaurier gefunden wurden, dürfte ? so die US-Forscher ? nicht ausgereicht haben, um den Hunger und Durst der riesigen Tiere zu stillen. Es liege also nahe, dass sie sich nicht permanent in der gleichen Region aufhielten.

Um solchen mutmaßlichen Wanderungen auf die Spur zu kommen, untersuchten Forscher um Henry Fricke vom Colorado College, USA, den Zahnschmelz von verschiedenen Fossilien, die im Westen Nordamerikas gefunden worden waren. In den Fokus nahmen sie dabei den Anteil des Sauerstoff-Isotops O-18 in den Karbonaten des Schmelzes. Die ermittelten Werte verglichen die Forscher mit denen von Karbonaten aus Bodenproben, die in der Nähe der Fundorte gesammelt worden waren und auf ursprünglich dort vorhandene Seen, Flüsse und Teiche hindeuten. Da der O-18-Anteil meist selbst zwischen benachbarten Gewässern deutlich variiert, konnten sie auf diese Weise nachvollziehen, wo die Giganten zu ihren Lebzeiten Wasser getrunken hatten ? ob sie nur dort blieben, wo sie sich zum Zeitpunkt ihres Todes aufhielten, oder ob sie im Lauf ihres Lebens auch andere Wasserquellen aufsuchten.

Das Ergebnis: Die Werte stimmten nicht überein und lassen deshalb vermuten, dass sich die Tiere nicht ausschließlich im Tief- oder Hochland bewegten, sondern zwischen diesen beiden Regionen hin und her wanderten. Außerdem legt der Vergleich nahe, so die Geowissenschaftler, dass sich die Pflanzenfresser im Sommerhalbjahr im Hochland und im Winter in tiefer gelegenen Regionen aufhielten, um noch genügend Nahrung und Wasser zu finden. Dabei legten sie vermutlich Strecken von bis zu 300 Kilometern zurück.

Henry Fricke (Colorado College) et al.: Nature, doi: 10.1038/nature10570 wissenschaft.de ? Marion Martin
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