War das ein Opium-Fläschchen? - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Geschichte+Archäologie

War das ein Opium-Fläschchen?

Ein Hinweis auf ihren Zweck? Basis-Ring-Gefäße (rechts) sehen aus wie nach unten hängende Samenkapseln des Schlafmohns (links). (Credit: British Museum)

Die Form erinnert an eine Schlafmohn-Kapsel – und das ist offenbar kein Zufall: In einem bronzezeitlichen Gefäß aus Zypern haben Forscher Spuren von Opiaten nachgewiesen, die von der Drogen- beziehungsweise Arznei-Pflanze stammen. Der genaue Inhalt und Zweck der damals im östlichen Mittelmeerraum weitverbreiteten Fläschchen bleiben aber weiterhin mysteriös, sagen die Forscher.

Was hat es mit den sogenannten „Basis-Ring-Gefäßen“ auf sich? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler bereits seit den 1960er Jahren. Damals kam erstmals die Hypothese auf, dass es sich bei der Form dieser häufigen Fundstücke aus der Zeit um 1650 bis 1350 v. Chr. um einen Hinweis auf ihren Zweck handelt: Sie sehen aus wie nach unten hängende Samenkapseln des Schlafmohns (Papaver somniferum). Manche besitzen zudem Linienornamente, die an Ritzungen an den Kapseln erinnern, die der Herstellung von Opium dienen. Deshalb könnten die Gefäße ein entsprechendes Produkt enthalten haben – so die bisherige Vermutung. Unwahrscheinlich erschien dies nicht, denn die Nutzung des Schlafmohns für unterschiedliche Zwecke gilt als tief in der Menschheitsgeschichte verwurzelt.

Ein verschlossenes Exemplar gibt Geheimnisse preis

Es gab bereits Versuche, Spuren von Substanzen des Schlafmohns in den Basis-Ring-Gefäßen nachzuweisen. Doch bisher führten diese Untersuchungen zu keinen zweifelsfreien Ergebnissen, berichtet das Team der University of York und des British Museums in London. Im Rahmen ihrer Studie haben sie nun eine Reihe spezieller analytischer Techniken eingesetzt, um nachzuweisen, ob die Gefäße tatsächlich Opiate enthielten oder nicht. Dazu stand ihnen ein ideales Untersuchungsobjekt aus der Sammlung des British Museums zur Verfügung: Ein Exemplar der Fläschchen aus Zypern, das vor über 3000 Jahren im verschlossen Zustand zu einem Gruß aus der Vergangenheit wurde und deshalb deutliche Reste des einstigen Inhalts aufweist.

Erste Analysen zeigten, dass der Inhalt offenbar hauptsächlich aus Pflanzenöl bestanden hat, aber es gab auch Hinweise auf die Anwesenheit von sogenannten Opiumalkaloiden. Dabei handelt es sich um die Gruppe organischen Verbindungen des Schlafmohns, zu denen auch die Substanzen gehören, die für seine starke pharmakologische Wirkung verantwortlich sind. Der genaue Nachweis der Opiat-Alkaloide gelang den Forschern dann schließlich durch ein eigens entwickeltes Analyseverfahren mittels Massenspektrometrie.

Anzeige

Verbindung mit Schlafmohn bestätig, aber…

„Die speziellen Opiat-Alkaloide, die wir nachweisen konnten, sind diejenigen, von denen wir im Rahmen unserer Studie gezeigt haben, dass sie am widerstandsfähigsten gegen den Abbau im Laufe der Zeit sind“, sagt Co-Autorin Rachel Smith von der University of York. Bei dem Ergebnis handelt sich nun um den ersten zuverlässigen Nachweis, dass die Basis-Ring-Gefäße tatsächlich mit Schlafmohn-Produkten verknüpft waren, resümieren die Forscher.

Doch was genau bedeutet das nun? Die Wissenschaftler betonen, dass trotz des Ergebnisses weiterhin unklar bleibt, was genau der Inhalt war und welchem Zweck er diente. Mit anderen Worten: Es muss sich nicht um eine berauschende oder betäubende Substanz gehandelt haben. „Die Opiate könnten eine Zutat einer Mischung auf Ölbasis gewesen sein“, sagt Smith. Auch leicht Opiat-Alkaloid-haltiges Mohnsamenöl für kosmetische Zwecke kommt in Frage. Außerdem geben die Forscher zu bedenken, dass es sich bisher um eine einzelne Flasche mit möglicherweise spezieller Geschichte handelt. „Vielleicht enthielt sie zuerst Opium – wurde dann aber anschließend als Ölflasche weiterverwendet“, veranschaulicht Smith die Möglichkeiten. Co-Autorin Rebecca Stacey vom British Museum ergänzt: „Das Ergebnis wirft erneut viele Fragen über den Inhalt dieser Gefäße und ihren Zweck auf. Der eindeutige Nachweis der Alkaloide verleiht der Debatte nun aber in jedem Fall eine klare Perspektive“, so Stacey.

Quelle: Univeristy of York, Analyst, doi: DOI:10.1039/C8AN01040D

Anzeige

DAMALS | Aktuelles Heft

Anzeige

Aktueller Buchtipp

Wissenschaftslexikon

Haus|bock  〈m. 1u; Zool.〉 schwarzer Bockkäfer, dessen Larven in trockenem Bauholz gefährliche Schäden anrichten: Hylotrupes bajulus

Band|schei|ben|vor|fall  〈m. 1u; Med.〉 Bandscheibenschaden, bei dem der gallertartige Kern der Bandscheibe zwischen den Wirbeln hervortritt

Sten|ge  〈f. 19; Mar.〉 Verlängerung des Mastes [Nebenform von Stange ... mehr

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige