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Geschichte|Archäologie

War die Osterinsel-Kultur ökologischer als gedacht?

Die Moai haben die Osterinsel berühmt gemacht. (Foto: oversnap/iStock)

Angeblich brachte Raubbau der hochentwickelten Kultur der Osterinsel den Untergang. Doch einer aktuellen Studie zufolge nutzte das Volk der Rapanui zumindest seine Nahrungsressourcen durchaus nachhaltig: Untersuchungen von Überresten legen nahe, dass sich die Erbauer der berühmten Statuen über einen langen Zeitraum hinweg von viel Fisch und Produkten aus klug gepflegter Landwirtschaft ernährten.

Die markanten Moai-Statuen und weitere Monumentalbauten zeugen von der faszinierenden Kultur, die einst auf der entlegenen Osterinsel florierte. Doch als der Niederländer Jakob Roggeveen am Ostersonntag 1722 die Insel entdeckte, waren bereits alle Kultstätten durch die Ureinwohner selbst verwüstet worden. Die Zeit der Kulturblüte des polynesischen Volkes der Rapanui war Untersuchungen zufolge bereits Mitte des 17. Jahrhunderts n. Chr. zu Ende gegangen. Die populäre Erklärung dazu lautet: Die Menschen konnten mit ihrem begrenzten Lebensraum nicht nachhaltig umgehen und haben dadurch ihre Kultur selbst vernichtet.

Ist die bisherige Erklärung zu simpel?

„Die traditionelle Ansicht ist, dass die Menschen rücksichtslos ihre Ressourcen ausbeuteten, bis ihnen schließlich die Nahrung ausging“, sagt Carl Lipo von der Binghamton University. „Eine kritische Ressource waren die Bäume der Insel. Als sie fehlten, konnten die Menschen keine Kanus mehr bauen, und somit keine Fische mehr fangen. Angeblich mussten sie sich deshalb zunehmend auf Nahrungsquellen des Landes beziehungsweise auf die Landwirtschaft stützen, die aber wegen der Bodenerosion schließlich kollabierte“, skizziert Lipo die gängigen Annahmen zum Schicksal der Rapanui auf der Osterinsel.

Um mehr Einblicke in die tatsächlichen Entwicklungen zu bekommen, haben er und seine Kollegen menschliche und zum Vergleich auch tierische sowie pflanzliche Überreste analysiert, die von verschiedenen archäologischen Stätten auf der Osterinsel stammen. Sie umfassen die Periode von 1400 n. Chr. bis in die Zeit nach der Entdeckung der Osterinsel. Die Forscher führten Isotopenanalysen der Kohlenstoff- beziehungsweise Stickstoffverbindungen in den Überresten durch. Sie ermöglichten Rückschlüsse über die Ernährungsweise und sogar über die Art wie Nahrungsmittel erzeugt wurden.

Es zeichnete sich ab: Etwa die Hälfte des Eiweißes, das die Rapanui zu sich nahmen, stammte durchaus aus marinen Quellen und zwar stabil über den untersuchten Zeitraum hinweg. Dies widerspricht den bisherigen Annahmen, dass die Menschen schließlich hauptsächlich das Fleisch von Hühnern und auch von Ratten verzehrten, die sie einst auf die Insel gebracht hatten. Der Vergleich der Muster der Isotopenanalysen zwischen natürlicherweise gewachsenen Pflanzen und den Agrarprodukten der Rapanui belegten zudem: Sie waren im Rahmen einer hochentwickelten Form des Ackerbaus erzeugt worden. Auch archäologische Funde stützen diesen Befund.

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Nachhaltige Nahrungsversorgung zeichnet sich ab

Die Rapanui besaßen demnach durchaus umfangreiche Kenntnisse darüber, wie man schlechte Bodenfruchtbarkeit überwindet und eine nachhaltige Nahrungsmittelversorgung schaffen kann, sagen die Forscher. Der Boden wurde ihnen zufolge gezielt verbessert, stabilisiert und gedüngt. Auch nach einem Verlust des Baumbestandes war Ackerbau auf diese Weise noch möglich.

Ihre Ergebnisse passen damit nicht zu dem vereinfachten Szenario eines selbst verursachten Kollapses durch Misswirtschaft als Ursache für den Untergang der hochentwickelten Kultur. Was tatsächlich zum Niedergang geführt hat, erklärt dies jedoch nicht – diese Frage wird Forscher sicherlich noch weiterhin beschäftigen. Lipo zufolge belegen die aktuellen Ergebnisse allerdings: Die Geschichte der Osterinsel ist interessanter und komplexer, als bisher angenommen.

Quelle: Binghamton University
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