Warum es keine Wesen mit Engel-Anatomie gibt - wissenschaft.de
Anzeige
Anzeige

Geschichte+Archäologie Gesellschaft+Psychologie

Warum es keine Wesen mit Engel-Anatomie gibt

13-12-20 Engel.jpg
Credit: Thinstock
Weihnachten ist die Zeit der Engel – für ihre Aufgabe als Himmelsboten sind sie bekanntlich mit Flügeln ausgerüstet, die zusätzlich zu Armen und Beinen ihrem Rumpf entspringen. Auch andere Fabelwesen besitzen diese Anatomie: Das geflügelte Pferd Pegasus, Drachen und anderes Fantasie-Getier besitzen neben vier Gliedmaßen noch zwei Flügel auf dem Rücken. Doch in der realen Tierwelt sucht man dieses Konzept unter den Wirbeltieren vergeblich. Doch warum? Biologisch betrachtet haben diese Wesen schlicht ein Paar Extremitäten zu viel, sagt Markus Unsöld von der Zoologischen Staatssammlung München.

Die Flügel aller flugfähigen Wirbeltiere sind ursprünglich aus Vordergliedmaßen entstanden – die Evolution hat also das Grundkonzept der vier Extremitäten immer beibehalten, erklärt Unsöld. Die Landwirbeltiere werden wissenschaftlich auch als Tetrapoda bezeichnet. „Schon dieser Name steht für ihren Bauplan“, so Unsöld: Die griechische Bezeichnung bedeutet nämlich übersetzt Vierfüßer. Dieses Konzept ist uralt: Mit vier Füßen krochen schon die ersten, noch fischartigen Wesen aus dem Wasser, aus denen sich dann schließlich alle Landwirbeltiere bis hin zum Menschen entwickelten. „Diesen Grundbauplan hat die Evolution beibehalten und nur abgewandelt“, sagt der Biologe.

Bei den Schlangen haben sich die Beine beispielsweise ganz zurückgebildet. Wale und Seekühe haben ihre Vordergliedmaßen dagegen in Flossen verwandelt und die Hinterextremitäten zu winzigen Überbleibseln reduziert. Bei den geflügelten Wirbeltieren entwickelten sich die vorderen Gliedmaßen schließlich zu Flügeln. Die Ersten, die sich damit in die Luft erhoben, waren Flugsaurier, ihnen folgten die Vögel und schließlich brachten auch noch die Säugetiere Flugkünstler hervor: die Fledertiere.

 

Engel und Co: Beim Realitätscheck abgestürzt

Anzeige

 

„Wer sich den Knochenaufbau dieser drei Tiergruppen betrachtet, kann immer noch das Grundkonzept der Vordergliedmaßen in ihren Flügeln erkennen“, sagt Unsöld. „Ein anderes System, das zusätzliche Arme oder Beine ermöglicht, müsste einem komplett anderen Bauplan entsprechen.“ Solche Konzepte gibt es zwar, aber nur bei Lebewesen, denen Engel und Fabelwesen wohl kaum zuzuordnen sind: den geflügelten Insekten.
 

Selbst wenn sie existieren würden – mit ihren meist sehr klein dargestellten Flügeln könnten sie sowieso niemals abheben. Das ist das Ergebnis einer kuriosen Studie des Biologen Roger Wotton vom University College in London. Mit wissenschaftlicher Genauigkeit hat er belegt, warum die himmlischen Boten fügellahm sein müssten: Zum Fliegen bräuchten sie enorme Spannweiten und gewaltige Brustmuskeln, so das Fazit. Also kann letztlich nur die Fantasie Engel, Pegasus und Co abheben lassen.

 

© wissenschaft.de – Martin Vieweg / dapd
Anzeige

bild der wissenschaft | Aktuelles Heft

Anzeige

Dossiers

Aktueller Buchtipp

Sonderpublikation in Zusammenarbeit  mit der Baden-Württemberg Stiftung
Jetzt ist morgen
Wie Forscher aus dem Südwesten die digitale Zukunft gestalten

Wissenschaftslexikon

♦ as|tro|no|misch  〈Adj.〉 1 die Astronomie betreffend, darauf beruhend 2 〈fig.〉 ungeheuer, sehr hoch ... mehr

zuschal|ten  〈V. t.; hat〉 1 etwas ~ durch Schalten hinzufügen, zusätzlich einschalten 2 〈Radio; TV〉 sich od. jmdn. ~ sich od. jmdm. durch Schalten Zugang zu einer Sendung verschaffen ... mehr

Deh|nungs|fu|ge  〈f. 19; Bauw.〉 Trennfuge zw. Bauteilen verschiedener Wärmedehnungskoeffizienten od. bei großen u. langen Baukörpern zur Vermeidung von Spannungen infolge linearer Wärmeausdehnung

» im Lexikon stöbern
Anzeige
Anzeige