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Geschichte+Archäologie

Warum Japans Weinproduktion endete, bevor sie richtig begann

Wein in Japan
Die Weinherstellung hatte in Japan eine extrem kurze Geschichte. (Bild: Tsuguharu Inaba)

Im Japan der Edo-Zeit wurde nur fünf Jahre lang Wein produziert – und dann nie wieder. Warum, haben nun japanische Historiker anhand von Dokumenten aus der frühen Edo-Zeit herausgefunden. Demnach wurde im Oktober 1632 die letzte Weinlieferung bestellt und produziert, dann aber musste der Hosokawa-Clan sein Gebiet verlassen und beendete die Weinherstellung, die damals ohnehin als christliche und damit westliche Unsitte galt.

Wein aus Trauben war im alten Japan ursprünglich unbekannt. Erst durch Kontakt mit westlichen Missionaren und Handelsvertretern lernten einige Japaner dieses Getränk und seine Herstellung kennen. Allerdings konnte sich die Weinproduktion in Japan nie dauerhaft etablieren. Während der Edo-Zeit, die im 17. Jahrhundert begann, galt Wein ohnehin als christliche Unsitte und seine Herstellung wurde zeitweilig geduldet, dann aber vom Shogunat verboten.

Wein aus Sojabohnen und wilden Trauben

Wie es überhaupt zur Weinherstellung in Japan kam und wann und warum sie aufhörte, haben nun Wissenschaftler um Tsuguharu Inaba von der Kumamoto Universität auf Kyushu anhand historischer Dokumente aufgeklärt. Demnach gab es erste Anfänge der Weinherstellung ab 1627 auf der Insel Kyushu. Dort ließ Tadatoshi Hosokawa, Anführer des Hosokawa-Clans, seine Vasallen Wein aus schwarzen Sojabohnen und wilden Weintrauben herstellen, wie die Dokumente belegen. Sie sind die ältesten bekannten Zeugnisse japanischer Weinproduktion. Der daraus resultierende Trank galt jedoch nicht als Genussmittel, sondern wurde zu medizinischen Zwecken produziert und getrunken.

Doch wie lange hielt diese Weinproduktion an? Bisher gab es dazu für die Zeit nach 1630 keine klaren geschichtlichen Hinweise mehr. Jetzt jedoch haben die Forscher unter den in der Eisei-Bunko-Bibliothek aufbewahrten Dokumenten des Hosokawa-Clans ein Schriftstück entdeckt, das neue Einblicke bietet. Es handelt sich um ein Dokument vom 3. Oktober 1632, in dem der Magistrat über die Bestellung einer Wein-Lieferung im Auftrag des Clan-Fürsten berichtet. Frei übersetzt heißt es darin: „Taroemon Ueda hat das Büro des Magistrats darüber informiert, auf Befehl des Fürsten wilde Trauben gesammelt und zur Weinherstellung zu ihm gebracht werden sollen.“ Ueda war ein Vasall von Hosokawa, der das Weinmachen nach westlicher Tradition gelernt hatte. Wenig später folgte eine Notiz, die die Übergabe der wilden Trauben an Taroemon Ueda vermeldete.

Verordneter Umzug beendete Weinproduktion

Damit aber belegen diese Dokumente, dass die Weinproduktion in Japan entgegen bisherigen Annahmen noch bis Ende 1632 anhielt. Dann jedoch fand sie ein Ende – nicht nur wegen eines Verbots, sondern wahrscheinlich vor allem, weil der Hosokawa-Clan sein angestammtes Gebiet verlassen musste: Am 18. Januar 1633 ordnete das Shogunat an, dass der Hosokawa-Clan von seinem bisherigen Territorium im Norden Kyushus in das Gebiet der heutigen Kumamoto-Präfektur im Zentrum Kyushus umziehen sollte. Damit verloren Tadatoshi Hosokawa und seine Vasallen auch den unmittelbaren Zugriff auf ihren wilden Wein, wie Inaba und seine Kollegen berichten.

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Hinzu kommt: Nach dem Umzug in sein neues Gebiet blieb dem Hosokawa-Clan keine Zeit, die Weinproduktion neu zu etablieren. Denn er musste auf Geheiß des Shogunats gegen westlich beeinflusste Rebellen kämpfen. Diese meist christlichen Bauern und herrenlosen Samurai wehrten sich gegen das Verbot des Christentums und auch gegen zu hohe Steuern. Diese Kämpfe verbunden mit immer strengeren antiwestliche Auflagen brachten dann die ohnehin für Japan exotische Kunst der Weinherstellung vollends zum Erliegen, so die Schlussfolgerung der Wissenschaftler.

Quelle: Kumamoto University

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