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Warum Männer sich um Garten, Geld und Auto kümmern sollten

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Gartenarbeit als Eintrittskarte ins Bett? US-Soziologen glauben: ja. Bild: Thinkstock
Mitten in die Diskussion um alltäglichen Sexismus platzt diese – etwas unerwartete – Nachricht eines amerikanischen Forscherteams: Wenn es in einer Beziehung eine klassische Rollenverteilung gibt, hat das Paar mehr Sex. Das wollen die Soziologen zumindest beim Auswerten der Daten von 4.500 US-amerikanischen Paaren entdeckt haben. Bislang hatte man eigentlich angenommen, dass die sexuelle Aktivität eher zunimmt, wenn der Mann im Haushalt hilft. Es kommt aber offenbar stark darauf an, welche Arbeiten er übernimmt – männliche oder „unmännliche“.

Seit den 1960er Jahren habe sich der Beitrag, den amerikanische Männer zur Hausarbeit leisten, mehr als verdoppelt – von 15 auf über 30 Prozent, berichten die Wissenschaftler um Sabino Kornrich, der aktuell am Juan-March-Institut in Madrid forscht. Das kam offenbar der Qualität der Ehen zugute: Frauen beurteilen ihre Partnerschaft nämlich als zufriedenstellender und fairer, wenn ihre Männer einen größeren Anteil an Hausarbeit übernehmen. Zudem gibt es weniger Streit. Auch die Scheidungsrate ist bei den Ehen geringer, bei denen sich die beiden Partner als gleichberechtigt betrachten.

Weniger Feuer in der Beziehung

Allerdings scheint es auch eine Kehrseite dieser Entwicklung zu geben, führen die Soziologen aus: Frühere Studien hätten bereits darauf hingedeutet, dass trotz der ganzen Vorteile einer Beziehung auf Augenhöhe das Sexleben leidet. Gleichberechtigte Partner haben demnach mit einer größeren Wahrscheinlichkeit Probleme im Bett als Paare mit einer klassischeren Rollenaufteilung. Vor allem ein Nachlassen von Lust und Leidenschaft wird als Grund dafür angegeben.

Ist es also trotz des gesellschaftlichen Wandels nach wie vor das typisch weibliche und typisch männliche Verhalten, das die Geschlechterrollen bestimmt und damit auch die sexuellen Kontakte strukturiert? Um diese – etwas gewagt klingende – These zu prüfen, analysierten Kornrich und seine Kollegen die Daten von mehr als 4.500 Paaren aus den USA, die an einer großen Erhebung zum Thema Familie und Haushalt teilgenommen hatten. Ihr Augenmerk lag dabei auf der Aufteilung der anfallenden Arbeiten im Haushalt, lediglich das Kinderhüten war ausgenommen. Sie unterschieden zwischen klassisch weiblichen Aufgaben wie Einkaufen, Kochen und Putzen und typisch männlichen Tätigkeiten wie Gartenarbeit, sich ums Auto kümmern und Rechnungen bezahlen.

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Insgesamt verbrachten die Paare im Durchschnitt 34 Stunden pro Woche mit den weiblichen und zusätzlich 17 Stunden pro Woche mit den männlichen Aufgaben, zeigte die Auswertung. Die Männer übernahmen dabei durchschnittlich etwa die Hälfte der männlichen Tätigkeiten, aber nur knapp ein Fünftel der weiblichen. Frauen leisten also nach wie vor den Löwenanteil der Hausarbeit, und sie helfen ihren Männern häufiger bei deren Aufgaben, als diese umgekehrt ihnen zur Hand gehen, resümiert das Team.

Auto, Garten und Geld als Rezept für häufigeren Sex?

Die für sie interessanteste Frage war jedoch, ob es einen Zusammenhang zwischen der Aufgabenverteilung und der Häufigkeit der sexuellen Aktivitäten gab. Tatsächlich fand sich eine klare statistische Korrelation: War die Aufgabenteilung klassisch – kümmerten sich die Männer also praktisch ausschließlich um Garten, Auto und Geld – hatten die Paare im Durchschnitt 1,6 Mal so häufig Sex wie Paare mit einer gerechteren Arbeitsteilung. Dass diese Korrelation auf andere Einflussfaktoren zurückgeht, glauben die Soziologen nicht. Sie hätten verschiedene Varianten durchgerechnet und keinerlei Effekt nachweisen können, berichten sie. So sei es beispielsweise ausgeschlossen, dass die Männer in traditionelleren Ehen ihre Frauen zum Sex drängten. Wenn das nämlich der Fall wäre, dürfte die Zufriedenheit mit dem Sexualleben in solchen Familien nicht ebenso hoch sein wie in anderen.

Man müsse daraus schließen, dass das Verhalten im privaten Umfeld tatsächlich noch immer stark dazu beiträgt, die Geschlechterrollen zu definieren – und dass die klassische Variante eine größere Anziehungskraft auf das jeweils andere Geschlecht hat als ein weniger scharf abgegrenztes Geschlechterbild. Die Frage, welches Fazit man nun aus dieser Studie ziehen soll, bleibt allerdings weitgehend unbeantwortet. Zudem stammen die Daten aus den USA, wo zum Teil gänzlich andere gesellschaftliche Normen und Werte herrschen als hierzulande. Inwieweit die Schlussfolgerungen also auf Deutschland übertragbar sind, ist völlig unklar.

Kornrich selbst warnt die Männer übrigens davor, aus der Studie den Schluss zu ziehen, dass sie besser gar nicht mehr im Haushalt helfen – sie riskierten damit nämlich, das Konfliktpotenzial so stark anzuheben, dass es überhaupt keinen Sex mehr gebe.

Sabino Kornrich (Juan March Institute, Madrid) et al.: American Sociological Review, doi: 10.1177/0003122412472340 © wissenschaft.de – Ilka Lehnen-Beyel
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