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Warum Strafen notwendig sind

Normen prägen in einer Gruppe den Einzelnen stärker als das Streben nach maximalem persönlichen Gewinn. Das gilt selbst dann, wenn diese Normen persönliche Einbußen nach sich ziehen, hat ein Team aus deutschen und britischen Forschern in einer Studie mit zwei konkurrierenden Gruppen nachgewiesen. In der einen Gruppe konnte jedes Mitglied egoistisches Verhalten bei den anderen bestrafen, was allerdings mit persönlichen Kosten verbunden war. In dieser Gruppe etablierte sich eine stabile, erfolgreich zusammenarbeitende Gesellschaft. In der anderen, in der unkooperatives Verhalten nicht geahndet werden konnte, brach die Gruppenstruktur dagegen bereits nach relativ kurzer Zeit zusammen.

In dem Laborexperiment bekamen die 84 Teilnehmer je zwanzig Geldeinheiten zugeteilt, die sie entweder auf ein Gemeinschaftskonto einzahlen oder für den privaten Gebrauch nutzen konnten. Das Geld vom Gemeinschaftskonto wurde nach jeder Runde erhöht und zu gleichen Teilen an alle Gruppenmitglieder ausgezahlt, unabhängig davon, wieviel der Betreffende eingezahlt hatte. Jeder Proband sollte sich zu Beginn des Spiels entscheiden, ob er einer Gruppe angehören wollte, in der die Mitglieder Trittbrettfahrer und Egoisten bestrafen konnten, oder ob er eine Gruppe vorzog, in der solche Strafen nicht möglich waren. Jede Strafe kostete den Strafenden dabei eine und den Bestraften drei Geldeinheiten. Das Spiel lief insgesamt über dreißig Runden, wobei die Gruppenentscheidung nach jeder Runde neu getroffen wurde.

Zu Beginn wählten etwa zwei Drittel der Teilnehmer die Gruppe ohne Strafen, beobachteten die Forscher. Je länger das Spiel dauerte, desto mehr Teilnehmer wechselten jedoch in die andere Gruppe, obwohl sie dort Gefahr liefen, abgestraft zu werden. Nach zehn Runden befanden sich kaum noch Probanden in der straffreien Gruppe, und ab Runde 23 wurde überhaupt kein Geld mehr in deren Gemeinschaftskasse eingezahlt. In der bestrafenden Gruppe stabilisierten sich hingegen die Auszahlungen aus der Gemeinschaftskasse auf einem hohen Niveau.

Verantwortlich dafür waren hauptsächlich einige der ursprünglichen Mitglieder, berichten Bettina Rockenbach und ihre Kollegen: Sie zahlten hohe Beiträge in die Kasse ein und verhängten gleichzeitig Strafen an die Trittbrettfahrer. Dieses Verhalten wurde innerhalb der Gruppe schon nach kurzer Zeit zur Norm, die nicht nur von den ständigen Mitgliedern übernommen wurde, sondern auch von denen, die aus der anderen Gruppe wechselten. Das zeige, dass die Maximierung des Gewinns nicht die Hauptmotivation der Teilnehmer gewesen sein könne, so die Forscher. Die gemeinsamen Normen seien hingegen entscheidend: Sie verbesserten die Kooperation zwischen den Mitgliedern, so dass im Endeffekt alle davon profitierten.

Bettina Rockenbach ( Universität Erfurt) et al.: Science, Bd. 312, S. 108 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel
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