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Tang-Dynastie

Was Dachziegel altchinesischer Tempel verraten

Ziegel
Beispiele für die beiden Arten der Ziegel-Endstück-Verzierung. (Bild: Kanazawa University)

Alte chinesische Prachtbauten sind für ihre geschwungenen und verzierten Dächer bekannt. Was die Ziegel dieser Dächer über die Handwerkskunst und Logistik im alten China verraten, haben nun Forscher am Ximing-Tempel in Xi’an untersucht. Dabei zeigte sich: Die Handwerker nutzten zwei verschiedene Methoden der Verzierung und im Lauf der Tang-Zeit wurde die Ziegelherstellung zudem deutlich dezentraler.

Die Stadt Xi’an ist heute die Hauptstadt der chinesischen Provinz Shaanxi. Im alten China jedoch war sie unter dem Namen Chang’an mehrfach die die Hauptstadt des gesamten Kaiserreichs. Während der Tang-Dynastie von 618 bis 907 erstreckte sich die Metropole über 88 Quadratkilometer und war mit rund einer Million Einwohnern ein der größten Städte der damaligen Zeit. Heute ist Xi’an vor allem wegen der Grabstätte von Kaiser Qin Shihuangdi, dem ersten Kaiser von China bekannt, der sein Mausoleum mit der berühmten Terrakotta-Armee ausstatten ließ.

Subtile Unterschiede im Lotusblüten-Muster

Aber auch in der Stadt selbst zeugen heute viele alte Bauten von der einstigen Bedeutung Xi’ans, darunter mehrere Pagoden, Türme und Tempel. Typisch für diese Bauten sind die geschwungenen, mit verzierten Ziegeln und Endstücken geschmückten Dächer. Diese Dachziegel haben sich nun Forscher um Meng Lyu von der Kanazawa Universität in Japan genauer angeschaut. Sie wollten wissen, was die meist mit Lotusblüten-Mustern geschmückten Endstücke der Ziegelreihen am Ximing-Tempel in Xi’an über ihre Herstellung und Hersteller verraten. Dafür unterzogen sie 449 Endstücke einer vergleichenden Untersuchung.

Die runden Endstücke dienten als Verschluss und Schmuck für die am Dachrand endenden Reihen aus gewölbten Ziegeln. Bei dem aus der Tang -Zeit stammenden Tempel trugen diese Endstücke üblicherweise eine Lotusblüte als Relief. „Wir waren vor allem an Variationen in den Mustern der Ziegelenden interessiert“, erklärt Lyu. „Einige Unterschiede entstammen der bewussten Kontrolle der Künstler, die diese Ziegel fertigten, beispielsweise die Entscheidung ob sie einfache oder komplexe Lotusmuster erstellten. Andere Variationen lagen außerhalb ihrer Kontrolle, wie die Abnutzungen an den Druckformen, die für die Herstellung der Ziegel verwendet wurden.“

Zwei kulturelle Traditionen und das Aufkommen privater Handwerker

Die vergleichenden Analysen enthüllten, dass die Ziegelmacher bei der Verzierung der Endstücke offenbar zwei verschiedenen kulturellen Traditionen und Herstellungsmethoden folgten: „Eine erzeugte Ziegelenden mit zusammengesetzten Blütenblättern und gerundeten Einkerbungen, während die andere Tradition die Endstücke mit einfacheren Blütenblattmustern verzierte und eher geritzte Einkerbungen hinterließ“, berichtet Lyu. Er und seine Kollegen vermuten, dass diese unterschiedlichen Techniken der Verzierung auf die Herkunft der Ziegelmacher aus dem Gebiet der Nördlichen Wei-Dynastie zurückgehen könnten: Da dieses Gebiet vor Beginn der Tang-Zeit in zwei Regionen geteilt war, könnten die verschiedenen Muster die kulturellen Traditionen dieser beiden Gegenden widerspiegeln.

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Doch auch innerhalb der Tang-Zeit gab es offenbar Veränderungen bei der Ziegelherstellung, wie die Untersuchungen ergaben. „Wir haben entdeckt, dass sich das Ausmaß der kleineren Variationen bei Endstücken aus der späteren Periode signifikant erhöht“, sagt Co-Autor Guoqiang Gong von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking. „Das deutet unserer Ansicht nach darauf hin, dass es eine Verschiebung der Herstellungsweisen von der frühen zur späten Tang-Zeit gab – weg von der zentralisierten Produktion imperialer Baumaterialien und hin zu einer Herstellung, in der kleine, private Handwerker eine wichtige Rolle spielten.“ Das Beispiel der Endstücke demonstriere damit, welche wertvollen Einblicke die Dachziegel der alten kaiserlichen Tempel und Prachtbauten in die Kultur und Geschichte des alten China geben können.

Quelle: Kanazawa University; Fachartikel: Archaeological Research in Asia, doi: 10.1016/j.ara.2020.100248

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