Was die Mongolen-Reiche nährte - wissenschaft.de
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Geschichte+Archäologie

Was die Mongolen-Reiche nährte

Die Mongolen waren für ihre schlagkräftigen Reiterheere berühmt-berüchtigt. (Bild: Traditionelle historische Show, Credit: Dmitry_Chulov/iStok)

Basierte ihre Stärke nur auf Fleisch und Milch? Entgegen der verbreiteten Annahme bildete nicht nur eine typische Nomadenkost die Lebensgrundlage der legendären Mongolen: Eine Studie zeigt die Bedeutung des Hirseanbaus bei der Entstehung der ersten Großreiche dieser nordasiatischen Reitervölker auf.

Zur Großmacht avancierten die Bewohner der Steppe erstmals ab etwa 200 v. Chr. : Das Reich der Xiongnu breitete sich weit über die heutige Mongolei hinaus aus und kontrollierte bis etwa 150 n. Chr. ein großes Gebiet im nördlichen Asien. Die Bedeutung dieses ersten Großreiches geht dabei aus Quellen des chinesischen Kaiserreichs hervor, das mit dem nördlichen Nachbarn oft in Konflikt geriet. Im Mittelalter brach dann erneut eine glorreiche Ära für die Steppenvölker an: Ab etwa 1200 n. Chr. eroberten die gefürchteten Reitertruppen des Dschingis Khan riesige Gebiete. Das mongolische Reich beherrschte anschließend bis etwa 1400 n. Chr. China und weite Teile des heutigen Asien.

Mysteriöse Vorgeschichte der Mongolenreiche

Was am Anfang der Entwicklung dieser Großreiche stand, gilt als unklar, denn in der Steppe blieben nur wenige Spuren erhalten, die Rückschlüsse auf die Kultur, das Wirtschaftssystem und die Ernährungsweise der ursprünglichen Reitervölker ermöglichen. Da der Anbau von Getreide nur einen geringen Teil der Lebensmittelproduktion der heutigen Mongolei ausmacht, ging man lange davon aus, dass dies auch schon früher so war. Es schien, als ob die Reiche der asiatischen Reitervölker einzigartige Beispiele für Gesellschaften waren, die eine vergleichsweise hohe Bevölkerung und komplexe politische Strukturen hervorbringen konnten, ohne intensive Landwirtschaft oder Vorratsbildung von Getreide zu benötigen. Die Ergebnisse der aktuellen Studie stellen dieses gängige Bild nun allerdings in Frage.

Um Einblick in das Leben und die Ernährung der historischen Mongolen zu bekommen, hat ein internationales Forscherteam Proben von 137 Skelettfunden aus der mongolischen Steppe untersucht. Sie decken den Zeitraum von 4400 v. Chr. bis 1300 n. Chr. ab. Die Wissenschaftler analysierten dabei das Verhältnis von stabilen Stickstoffisotopen und Kohlenstoffisotopen in Knochenkollagenen und dem Zahnschmelz der menschlichen Überreste. Anhand bestimmter Muster in den Untersuchungsergebnissen ist es möglich, Rückschlüsse auf die Ernährungsweise der damaligen Menschen zu ziehen.

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Wichtiger Faktor Hirseanbau

Wie die Forscher berichten, zeichneten sich in ihren Ergebnissen deutliche Ernährungsveränderungen im Vorfeld der Entwicklung zu den mongolischen Reichen ab. Vor dieser Ära basierte die typische Ernährung eines Mongolen demnach tatsächlich auf Milch und Fleisch sowie auf geringen Mengen pflanzlicher Kost. Bei den Individuen aus der Zeit des Xiongnu-Reiches stellten die Wissenschaftler hingegen fest: Manche Mongolen dieser Zeit ernährten sich zwar noch ähnlich wie ihre Vorfahren, bei anderen bildete hingegen Hirse ein Grundnahrungsmittel. Diese Ergebnisse decken sich dabei mit einigen archäologischen Hinweisen auf eine landwirtschaftliche Produktion in der Steppe.

Wie die Forscher berichten, zeichnete sich in der Folgezeit ein immer weiterer Anstieg des Getreidekonsums der Menschen ab. Die umfangreiche Versorgung mit diesem Nahrungsmittel prägte dann schließlich auch den Beginn der Entwicklung des berühmten Mongolischen Reichs der Khans um 1200 n. Chr.. Dabei stellten die Wissenschaftler zudem ein charakteristisches Verteilungsmuster fest: Je näher die Menschen an den Zentren der Reiche lebten, desto größer war die Bedeutung der Hirse für ihre Ernährung. Wie sie erklären, spricht dies dafür, dass die mongolischen Herrscher die Landwirtschaft in den zentralen politischen Regionen gezielt förderten.

Die Ergebnisse verdeutlichen somit: Die Entwicklung der Steppenreiche der Mongolei basierte auf einer diversifizierten Wirtschaft, die auch die lokale oder regionale Produktion von Getreide umfasste, erklären die Wissenschaftler. „Die Systeme ähnelten damit denen der meisten anderen Reiche: Die Menschen waren bemüht, einen krisenfesten Überschuss an Ressourcen aufzubauen – in diesem Fall an landwirtschaftlichen Erzeugnissen wie Hirse“, sagt Senior-Autor Patrick Roberts vom Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena. Seine Kollegin Nicole Boivin fügt hinzu: „Die Studie verbessert somit nun das Verständnis des ökonomischen Fundaments eines der berühmtesten Großreiche der Alten Welt.“

Quelle: Fachartikel: Scientific Reports, doi: 10.1038/s41598-020-60194-0

BU: Die Mongolen waren für ihre schlagkräftigen Reiterheere berühmt-berüchtigt.

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