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Geschichte+Archäologie

Was steckte in den Friedenspfeifen?

Pfeifen
Nachbauten von historischen Indianerpfeifen aus dem pazifische Nordwesten der USA. (Bild: Washington State University)

Schon vor fast 1500 Jahren rauchten die Indianer des pazifischen Nordwestens sowohl Tabak als auch Pflanzen wie Sumach in ihren Pfeifen, wie detaillierte Analysen von Rückständen erstmals belegen. Die bevorzugten Tabaksorten wechselten jedoch im Laufe der Zeit: Anfangs dominierten die heimische Wildsorte, später importierten die Ureinwohner kräftigere Tabaksorten, die Indianerstämme im Osten Nordamerikas anbauten.

Die Nutzung psychoaktiver Pflanzenstoffe wie Tabak und bestimmten Kräutern hat eine lange Tradition. Schon die Schamanen und Heiler früher Kulturen nutzen den Rauch zur Anregung, zu heilenden Zwecken oder auch bei Ritualen. Auch bei den Ureinwohnern Nordamerikas hatte das Rauchen der Pfeife einen festen Platz im kulturellen und religiösen Geschehen. „Aus archäologischen Funden in dieser Region kennen wir Pfeifen, die schon 4000 bis 5000 Jahre alt sind“, berichten Korey Brownstein von der Washington State University und seine Kollegen.

Neuer Blick auf Rückstände alter Indianerpfeifen

Doch was die Indianer jener Zeit in diese Pfeifen rauchten, war bislang unklar. Zwar weiß man aus der Zeit nach dem ersten Kontakt mit Europäern, dass die Stämme Nordamerikas bis zu 100 verschiedene Pflanzen rauchten, darunter allein vier Tabaksorten. Doch was davor in den Pfeifen steckte, blieb bislang unbekannt. Denn gängige Methoden, Pflanzenreste in Gefäßen oder auch Pfeifen über bestimmte Biomarker wie Nikotin zu identifizieren, sind nicht genau genug, um die Pflanzenart zu bestimmen. Deshalb haben nun Brownstein und sein Team Rückstände in zwei alten Pfeifen aus dem Nordwesten der USA – eine aus der Zeit um 500 nach Christus und eine aus dem 18. Jahrhundert – mit einer umfassenderen Methode untersucht.

Dafür nutzten die Wissenschaftler zunächst nach altem Muster neu konstruierten Pfeifen, um eine Reihe damals im Nordwesten der USA wachsender Kräuter und Tabaksorten zu verbrennen. Die Rückstände analysierten sie mithilfe der Gaschromatografie-Massenspektrometrie. Die gleiche Analyse führten Brownstein und sein Team dann mit den Rückständen aus den archäologischen Fundstücken durch. Auf diese Weise konnten sie durch den Vergleich der charakteristischen Elementsignaturen ermitteln, welche Pflanzenarten die Indianer einst in diesen Pfeifen rauchten.

Heimischer Tabak und andere Kräuter

Es zeigte sich: Die ältere, lange vor Ankunft der ersten Europäer genutzte Pfeife enthielt Rückstände der Tabaksorte Nicotiana quadrivalvis. „Diese Pflanzenart kommt heute nicht mehr im Bundesstaat Washington vor, aber Berichten zufolge wurde sie von den Indianerstämmen des pazifischen Nordwestens früher häufig zum Rauchen angebaut“, berichten Brownstein und seine Kollegen. Zusätzlich enthielt diese Pfeife jedoch auch Rückstände des Glatten Sumach (Rhus glabra). „Dies ist der erste Nachweis einer Nicht-Tabakpflanze in einer archäologischen Pfeife“, sagen die Forscher. „Wir vermuten, dass der Sumach wegen seiner medizinischen Wirkung und zur Verbesserung des Raucharomas mit dem Tabak gemischt worden sein könnte.“

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Der Inhalt der zweiten Pfeife unterschied sich davon deutlich. Statt der zuvor vor Ort angebauten Tabaksorte Nicotiana quadrivalvis stammen die Rückstände dieser Indianerpfeife aus dem 18. Jahrhundert von der Sorte Nicotiana rustica. „Dies spiegelt einen Wechsel in der Präferenz wider“, so Brownstein und sein Team. Denn N. rustica war stärker und enthielt mehr Nikotin, sodass viele Indianergruppen des Nordwestens offenbar mit der Zeit von der schwächeren einheimischen Sorte auf diese aus dem Osten Nordamerikas stammenden Sorte wechselten.

„Unsere Funde belegen damit auch, dass die Ureinwohner-Gemeinschaften miteinander interagierten und auch Tabak und Tabakssamen untereinander handelten“, erklärt Brownsteins Kollegin Shannon Tushingham. Entgegen der gängigen Lehrmeinung fand dieser Austausch auch noch statt, als die Europäer schon begonnen hatten, Tabaksorten aus Süd- und Mittelamerika einzuführen. Unserer Forschung weckt Zweifel an der landläufigen Ansicht, dass der von Europäern angebaute Tabak schon bald nach dem ersten Kontakt die Nutzung der von Indianern angebauten Sorten komplett ersetzte“, so die Forscherin.

Quelle: Washington State University; Fachartikel: Frontiers in Molecular Biosciences, doi: 10.3389/fmolb.2020.00133

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